Demokratie – very british

Vorneweg: Ich schreibe heute nicht über die Rädelsführer des Brexit, sondern ausnahmslos über den berühmt-berüchtigten „kleinen Mann auf der Strasse“.
Ich nenne ihn hilfsweise „Henry“.

Henry ist über den Brexit und seine Folgen schlecht oder garnicht informiert. Wohl informiert ist er über den Status von GB in der Welt. Briten sind die geistigen Eliten, die der Welt nur Gutes bringen. Britannien ist dem antiken Griechenland gleichzusetzen, dieser Quelle der Demokratie, denn:
GB hat der westlichen Welt die Demokratie gebracht. Ja, auch Deutschland nach dem 2. Weltkrieg.

Für diese Wohltat verlangt selbst Henry eine Gegenleistung, derzeit Teilhabe am europäischen Binnenmarkt und der Zollunion, und zwar ohne EU-Mitgliedschaft, also befreit von allen Verpflichtungen – kostenlos im Wortsinne. Die Ablehnung solcher Wohltat findet Henry unfair.

Die Politiker von UK sind ein wenig bescheidener. Sie verlangen weitere Verhandlungsbereitschaft über den 31.3.2021 hinaus, da einiges geregelt werden müsste.
Das haben sie tatsächlich erkannt, nicht jedoch, dass man ihnen nicht mehr vertraut, da sie skrupellos Verträge und eigene Gesetze brechen, wenn es ihnen in den Kram passt.
Das weiss Henry nicht, denn es geht ihn nichts an, denkt er. Und die britischen Medien, selbst die hochgelobte BBC lügen auf dem Regierungsniveau mit, dass sich die Balken biegen. (In der BBC hat man das Personal gewechselt! Das hilft immer.)

So wird von London immer wieder berichtet, die EU sei am zerbrechen und läge schon am Boden. In Brüssel sitzt der sauteure Beamtenapparat und ist verunsichert: Wir sind am Ende? Warum sagt uns das erst jetzt? Können wir nicht aufstehen? Oder gar auferstehen?

Anderes Thema:

Die Super-Demokraten von der Insel haben sich eine neue Masche ausgedacht, und zwar der Not gehorchend. Es wurde ein Gesetz vorgestellt, das Demonstrationen dann verbietet, wenn sie „lästig“ sind. Natürlich lästig für die herrschende Klasse. Die hat sich in den letzten Jahren breichert, aber auch viel Scheisse hinterlassen. So muss man in UK einige Unannehmlichkeiten befürchten.
Man darf also eine Demo anzetteln, wenn man die Regierung bejubelt. Als Ausdruck von Unmut und Kritik ist die Demo untersagt. Man müsste sich wie unter den Fittichen von Putin und Lukaschenko fühlen – nicht so Henry. Der hat wieder einmal nichts mitgekriegt, weil man diese Entgleisung in den Absolutismus vornehm verschweigt.

Es gibt weitere Leckereien aus Britannien. Aber es reicht für heute.

4 Antworten auf “Demokratie – very british”

  1. Demonstrationen verbieten, wenn sie „lästig“ sind? Ernsthaft. Da interessiert mich doch die exakte Ausdrucksweise.
    Henry ist universal *seufz*

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      1. Ich habe nachgeforscht, darüber wird ja recht wenig berichtet, dabei ist es really annoying. Da geht diese alte traditionsreiche Klassengesellschaftsdemokratie aber böse Wege. Sehr erschreckend.

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      2. „Demos krátos – 2 -“ ist der Titel eines Beitrags, der meine Sicht auf das darlegt, was unbedacht
        mit dem Prädikat „Demokratie“ verkauft wird. Und Britannia? Feudalismus pur. Ein parasitäres System,
        das alles Mögliche verdient, aber keinen Respekt, keine Anerkennung.

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