Auf dem Weg nach draussen

Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!

So klagte Goethe’s Dr. Faust – und so klage ich heute.
Ich stehe tatsächlich in dieser Felseneinöde und starre auf ein Felsentor, das nur dazustehen scheint, um die Tristesse rätselhaft erscheinen zu lassen.
Ich weiss nicht, wie und warum ich hierhergekommen bin,
oder auch, warum man mich an diesen Ort brachte.
Fakt ist, dass ich hier stehe,
dass ich nicht weiss, wo das Hier ist,
dass ich nicht weiss, warum ich hier bin,
nicht weiss, wer mich hergebracht hat,
und Datum sowie Uhrzeit nicht kenne.

Aber ich weiss, dass ich hungrig und durstig bin,
und ich weiss, dass ich dringend zurück in die Zivilisation muss.

Ich gehe ein paar Schritte auf das Tor zu, fasse den Fels an.
Er steht in glühendem Sonnenschein und ist ist eiskalt.
Ich schaue durch das Tor.
Die andere Seite gleicht dem Platz vor dem Felsbogen, mehr ist nicht.
Aber eine innere Stimme warnt mich, das Tor zu durchschreiten.
Die Kulisse dahinter könnte trügerisch sein.
Ich frage mich vergebens, was geschieht,
wenn ich das Tor links oder rechts umgehe.
Lieber nicht, lieber nicht!

Noch bevor ich Verzweiflung entwickeln kann, legt ein Boot an
und ein Mensch steigt aus.
Er schreitet auf das Tor zu, tritt hindurch – und wird unsichtbar.
Sein Boot legt unbemannt ab und verschwindet.
Es dauert eine Weile, bis ich den Schreck überwunden habe.
Dann greife ich einen faustgrossen Stein
und werfe ihn in das Tor.
Er prallt lautlos von einem Nichts ab und fällt zu Boden.
Ich verstehe nichts. Will nur noch weg.

Wenig später wiederholt sich der Vorgang.
Ein weiterer Mensch verschwindet im Nichts.
Aber ich sitze im Boot. Es trägt mich durch einige unbekannte Bilder
und legt an einem unbedeutenden Steg an.
Ich weiss, es sind nur noch wenige Schritte
bis nach Hause, zu meiner Familie.
Sie sagen mir, ich wäre 18 Monate lang unauffindbar gewesen.

Mir scheint, der Teufel hatte mich geholt –
und wieder zurück gegeben.
Ich bin gelassen und lächle still in mich hinein.