Eisensulfat

Kennst Du Eisensulfat? Bravo! Aber für alle Nicht-Chemiker gibts nun die Fachinformation zu diesem spannenden Stichwort:

Eigenschaften:  Eisensulfat war früher unter dem Namen Eisenvitriol bekannt. Reines Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat bildet hellblaue Kristalle, die aber schon durch minimale Verunreinigungen von Eisen(III)-salzen grün gefärbt werden. An der Luft verwittern die hellblauen Kristalle unter Wasserabgabe und Oxidation. Die Kristalle sind gut in Wasser und in Ethylenglycol löslich, in Ethanol und Aceton dagegen unlöslich. In einer gesättigten Lösung bildet sich bei 56,6 °C das Tetrahydrat, bei 65 °C das Monohydrat, das auch beim weiteren Erhitzen erhalten bleibt. Nach dem Verdampfen des zuvor erhitzten Wassers aus der Lösung erhält man das Monohydrat als weißes Pulver, das sich oberhalb von 400 °C unter Schwefeldioxidabspaltung zersetzt.

Herstellung:  Die Herstellung erfolgt durch das Auflösen und Kochen von Eisen oder Eisenabfällen in Schwefelsäure. Das Produkt wird in eine Schale filtriert und mit Wasser verdünnt. Aus der kalten Lösung kristallisiert das Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat in Kristallen aus.

Verwendung:  Wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung anderer Eisenverbindungen, z.B. beim Glühen entsteht Eisenoxid zur Herstellung von Eisengallustinten (unter Zusatz von Gerbsäure); in der Medizin für Eisenpräparate; in der Tiermedizin als Blutstillungsmittel bei Maul- und Klauenseuche; zur Konservierung von Holz; zur Herstellung von Eisenoxidpigmenten als Flockungsmittel bei der Abwasserreinigung; als Katalysator bei der Ammoniaksynthese, in der analytischen Chemie zum Nachweis von Nitriten und Nitraten.

In gereinigter Form bekommt man Eisensulfat als Medikament gegen Eisenmangel im Blut, und andere Erkrankungen dieses Formenkreises.

Bekanntlich wird Eisen für die Bildung des Hämoglobin benötigt.

Ich habe alles recherchiert, auf Richtigkeit überprüft und abgeschmeckt. Ich hatte 3 Durchfälle und eine Nahtoderfahrung, die 7 Stunden dauerte. Nun bin ich sicher: Alles stimmt!

Gerade habe ich davon 20 kg gekauft. Wir streuen das Zeug einfach in den Garten, genauer: Auf den Rasen.

Das ist pfiffig, nicht wahr?

Wenn Du 250 qm mit Eisensulfat bestreust, hast Du einen Rostfleck mit einer Ausdehnung von genau 250 qm.

Nein, es geht bei der Aktion keineswegs um Eisenmangel und Hämoglobin-Bildung. das hast Du Dir schon gedacht? Wir wären ein richtig gutes Team, Du und ich. Nein, das blaue Pulver verschafft der Graspflanze Luft zum Atmen, indem es die Moose abtötet. Wir greifen auf diese Weise aktiv in einen Verdrängungswettbewerb ein, um eine grüne Pflanze auszurotten und eine andere grüne Pflanze zu fördern. Dies riecht ein wenig nach Nonsens, nicht wahr? Wundere Dich nicht – die Idee ist britisch! Dort hat vor Jahrhunderten ein Gärtner entschieden, dass ein Rasen aus Gras, und nicht aus Moos zu bestehen hat. Seitdem quälen sich Hobbygärtner und Rasenstücke Jahr für Jahr um die Reinerhaltung eines englisch

genannten Rasens – ob der Boden das nun mitmacht oder nicht, ist dabei völlig ohne Belang.

Vorgehensweise:

Erst wird gekalkt. Das Ausstreuen von Gartenkalk (hier ohne Zusatz von Petersilienerde) findet im November statt. Die Massnahme soll gegen Moos wirken – eine Fama.

Dann wird im Frühjahr Eisensulfat gestreut. Das soll den Kalk bei seinem unausgeschlafenen Kampf unterstützen. Nach einer Woche ist der Rasen nicht mehr grün, sondern erdfarben. Nun wird doppelt schweres Geschütz aufgefahren: Eisensulfat! Die Wiese wird nun schwarz. Totes Moos ist merkwürdigerweise schwarz.

Es hat sich jedoch gezeigt, dass Brachythecium rutabulum und Rhytidiadelphus squarrosus resistenter gegen die Chemie sind, als man das erwartet. Es ist leichter, Menschen umzubringen als diese beiden Übeltäter. Also noch mal 30 kg drueber, noch eine Woche warten, dann noch einige Wochen, weils wieder zu regnen begonnen hat, und schliesslich kommt der KO für die Moose – diesmal per Vertikutierer. Einmal längs, einmal quer, und das Zeug liegt lose in der Landschaft. Der Rasen ist  erledigt, sieht nicht mehr englisch aus, sondern eher kartoffelig..

Nun würde ein schöner Orkan guttun, den Rest besorgen, den Abfall nämlich zum Nachbarn in den Garten wehen. Aber es kommt kein Orkan. Nicht mal ein Lüftchen unterstützt, also kann man den ganzen Mist zusammenkratzen, in Säcke stopfen und zur Deponie bringen.

Wenn Du nun glaubst, Du wärst damit durch, liegst Du ein reichliches Ende daneben. Noch während Du die kahlen Stellen mit Berliner Tiergartenmischung, einer allseits beliebten Grassamenmischung bestreust, beginnt der harte Kern unter den Graspflanzen, obschon bis auf die Wurzel runtergeschrubbt, explosionsartig zu wachsen. Ein rascher Blick auf die leeren Plastikeimer bestätigt den fürchterlichen Verdacht: Im Eisensulfat war Dünger enthalten! Und Du erinnerst Dich an die Jahre zuvor, wo alles genauso abgelaufen war – und die unbedachte Rasendüngung vom frühen Frühjahr an bis kurz vor Weihnachten im 3-Tage-Rhythmus Rasenmähen erforderlich machte. Anderthalb Stunden hechelst Du hinter Deiner Maschine her, und am Ende weisst Du nicht, wohin mit dem grünen Dreck. Also 17 km zur Deponie, 17 km retour. Beim Abschied ein lachender Aufseher: Also, wir sehen uns in drei Tagen wieder! Machs gut! Betroffen rollst Du vom Hof – auch der noch!

Irgendwer hat mir mal geraten, ich solle ein paar Stangen Dynamit in den Garten werfen, und den Rest die Natur besorgen lassen. Wie recht der hatte …..

Nun, der guten Ordnung halber sollte ich hinzufügen, dass der Garten nicht mein Reich ist, sondern neuerdings das meiner Tochter. Seit ich vor vielen Jahren beim Jäten junge Rittersporn-Pflänzchen als Unkraut erkannt und ausgerissen habe, herrscht für mich so etwas wie Gartenverbot, und ich darf in demselben nur unter Aufsicht arbeiten – wenn überhaupt. Denn seit jenem denkwürdigen Tag trage ich das Etikett Achtung! Zu blöde für Gartenarbeit!. Das trifft sich allerdings ganz gut. Diese grüne Hölle vor meinem Fenster ist mir von Grund auf absolut schnurz. Ich würde eine Betonplatte mit 6 bis 8 Blumenkübeln vorziehen. Leider Gottes lässt es sich jedoch nicht vermeiden, dass ich in die Kalamitäten des Gartenlebens hineingezogen werde:

Halte mal die Leiter, ich will da oben was abschneiden (Ich käme ohne Leiter an das Etwas ran).

Wickel mal das Kabel auf. Mir ist das zu schwer. (Ich hätte es nie abgewickelt).

Mähe mal den Rasen, aber fahre mir nicht über die Blumen! (Ich … siehe Betonplatte)

Setz mal den Komposthaufen um (siehe Kapitel Erdbewegungen).

Schaff die Hecken weg! Im Spätherbst entsteht eine LKW-Ladung sogenanntes Schnittgut beim Zurück-schneiden von allem, was blöderweise höher als 3 cm aus der Erde herausgewachsen ist. Das muss dann mit dem PKW entsorgt werden. Damit diese Aktion kostenlos bleibt, fährt man gleich mehrere Deponien an, das macht dann bei 5 Deponien und zwei kostenlosen Ladungen immerhin 10 Ladungen in einem grossen Kombi. Die ganz groben Sachen bringe ich mit einem geliehenen Anhänger weg.

Der Deponiewärter:

Sag mal, warst Du heute nicht schon mal hier? Mit ´nem Hänger?

Jou, Mann, aber das war das Zeug meines Beifahrers. Das hier ist nun meines, und ich komme nochmal!

Schliesslich erinnert sich der Deponiemann an meine Spenden für seine Kaffekasse, und er beruhigt: Komm heute noch einmal, und morgen kannst Du wieder, da hat ein Kollege hier Dienst, der Dich noch nicht gesehen hat. Rasch fahre ich am selben Tag noch zweimal hin. Was weg ist, ist weg!

Oder das Kommando lautet: Fahr mit´m Hänger, und bring eine Ladung Kompost mit! (Kostet 15 Euro! Ich sage nur: Erdbewegungen!)

Ist ja alles ok, bis Du vor dem grossen Komposthaufen stehst und auf den Radlader wartest. Erfahrene Komposterdekäufer haben ihre Blattschaufel gleich mitgebracht, und in der Hand, denn nun kommt der Deponiemann auf dem Radlader und macht Deinen kleinen Anhänger richtig voll. Das bedeutet, dass Du ihn aus dem schwarzen Dreck wieder ausbuddeln musst. Vollmachen setzt der Typ gleich mit begraben.

Ausgraben, und Flucht vom Platz. Und dann mit viel Geduld schön langsam nach Hause gondeln. Einmal bin ich mit vollem Hänger zu schnell gefahren. Es war schon beinahe ungerecht, verschont geblieben zu sein. Dummheit sollte bestraft werden. Als der Hänger aufzuschaukeln begann, setzten unverzüglich Schweissausbrüche ein. Auch beim Hintermann. Statt zu überholen ging der in die Eisen und nahm rasch einen 300-m-Abstand. Aber wie Luis Trenker immer zu sagen pflegte: Gut gangen is! Ich hatte lediglich die Hälfte der Komposterde auf der Piste gelassen. 7 Euro 50 futsch.

Man sagt, die Wüste sei auf dem Vormarsch nach Norden. Dauert es damit noch lange, bis sie Hamburg erreicht? Ich frage nur, weil das Moos dann keine Chancen mehr hat, und weil Kamele sich dann richtig wohlfühlen.

2 Antworten auf “Eisensulfat”

    1. Sorry, aber das ist nicht korrekt. Ich habe noch nie eine Gans gestohlen, sondern immer tapfer bezahlt!
      Füchse sind sehr umtriebig – wegen Futter. Ich bin dagegen ein begabter Faulenzer. Und ich betone ganz besonders: BEGABT !!! Ich habe vermutlich einige Schlucke Britannia im Blut …..

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