Zeit und Kosmologie

Vor einigen Jahren habe ich versucht, Stephen Hawkings „Kurze Geschichte der Zeit“ zu lesen. Du kennst das?
Hm. Ich habe auch dreimal versucht, den „Ulysses“ von James Joyce zu lesen. Du weißt Bescheid? Hast es geschafft? Also ich gestehe: Ein halber Hawking und ein halber James Joyce ergeben noch keine ganze Sache. Soweit meine Geduld, mein Denkvermögen, mein IQ. An „das Universum in der Nusschale“ gehe ich ran wie ein Dackel an eine Rattenfalle, nachdem seine Schnauze mal dringesteckt hat.

Die erwähnten Bücher haben mich gelehrt, dass ich über meinen IQ erst gar nicht nachdenken sollte. Ich habe mich damit abgefunden, keine Sonne im Universum zu sein, und wie viele andere Menschen tumb in meiner kleinen Welt umherzudümpeln, immer rund um einen Topf mit Pellkartoffeln und eine Schüssel Schnittlauchquark.

Und doch: Es ist etwas an der Kosmologie, das fasziniert, wie alles Fremde, ob es nun abstösst oder anzieht. Unendlichkeit nimmt gefangen, Geheimnisse provozieren Fragen. So habe ich – ein Science fiction-Fan – ein wenig herumgestöbert, und nun schreibe ich ohne Skrupel eine Mail an Professor Hawking. Er ist Mathe-Prof in Cambridge, UK, and a master of the universe.

mailto: hawking@cam

Sehr geehrter Herr Professor Hawking,

Sie mögen sich wundern, dass ich Ihnen eine Mail rüberschicke. My name is HOT.
Es ist mir sehr daran gelegen, nicht missverstanden zu werden. Please do´nt misunderstand me. Deshalb in aller Kürze some facts:

· Ich bin interessierter Laie.
· Meine mathematischen Fähigkeiten (mathemati-cal skills) werden von einer leeren Bierdose (empty can) mit Sicherheit übertroffen.
· Mein Abstraktionsvermögen ist gleichfalls dege-neriert.
· Diese Mail soll nicht mehr sein als ein c:\ ping (adr).
· Ihr Zweck: Vielleicht sind Sie über den Inhalt amused. Immerhin habe ich mein eigenes kosmisches Modell (Comic cosmics model) entwickelt. Ähnlichkeiten (Similarities) mit der String-Theorie wären rein zufällig (coincidental), und unmöglich.

The following text translate yourself, please, if you can.

ZEIT (oder: Phantasieren macht Spass!)
Der Faktor Zeit hat in unserem Leben einen extrem hohen Stellenwert. Schliesslich sagt man, Zeit sei Geld! Nur ….. was ist das eigentlich, ZEIT? Der Versuch einer Erklärung führt uns bei einem angemessenen Mass an Gründlichkeit unversehens und unvermeidbar in die Kosmologie, oder schnurstracks in die Finanzwirtschaft.
Man stelle sich ein Universum vor, in dem nichts, aber auch garnichts existiert ausser einem riesigen Stein. Niemand kennt dieses unbelebte Universum. Niemand weiss irgendetwas über seine Entstehung. Es war immer da, und es wird immer existieren. Es ist ewig. Dort existiert Zeit, aber fliesst sie? Meine Antwort lautet:
Keine Ahnung. Aber was soll dort schon fliessen?
Eine andere Betrachtung: Ein Raumkörper hat 3 Dimensionen. Kein Mensch käme auf die Idee, dass eine der drei Dimensionen fliessen könnte. Nun sprechen einige mathematische Beziehungen dafür, dass eine vierte Dimension existiert, kurz „die Zeit“ genannt. Sie zeigt genauso wenig Bewegung wie die Dimensionen 1 bis 3. Ausdehnungen fliessen nicht. Sie sind.
Hat ein Kreis Anfang und Ende?
Wenn Zeit vergangen ist, haben wir ein Stück davon hinter uns gelassen. Wie bei der Bewegung über eine Strasse ein Stück des Wegs hinter uns bleibt. Aber die Strasse fliesst nicht …..
Sir Isaac Newton formulierte bereits vor 300 Jahren, Zeit erstrecke sich aus einer endlosen Vergangenheit in eine endlose Zukunft. Meinte er einen Zeit-Kreis? Er beschrieb damit jedenfalls seine Vorstellung von Ewigkeit in seinem physikalischen Weltbild.
Mit der modernen Theorie vom Urknall verbindet sich die Vermutung, die Zeit begänne mit dieser spektakulären Geburt eines Universums. Folglich endet sie mit dessen Kollabieren.
Was aber, wenn Newton recht hatte? Man schliesse die Augen und stelle sich das folgende Modell vor:
Die Zeit ist invariant. Sie ist also eine Konstante und wird mit dem Begriff EWIGKEIT begreifbar. Nun geschehen an verschiedenen Stellen der Zeit Ereignisse. Beispielsweise wird ein Universum geboren. Big bang! Dieses Universum hat seine eigene Zeitausdehnung. Entlang dieser geschehen weitere Ereignisse. Und jedes dieser Events trägt den Charakter eines Universums – mit eigener zeitlicher Dimension. Und in jedem jener Universen geschehen Events, und so weiter, wie z. B. meine Autofahrt nach Hamburg und zurück (Event in meinem eigenen Universum!) bis hinein in die Prozesse, wie sie in der Struktur von Atomen ablaufen.
In der Kosmologie spricht man heute von Multiversum, errechnet Hyperräume mit 6 Dimensionen; ich finde, das eben skizzierte Modell ist dagegen schon noch begreifbar. Zeit und Ereignisse sind wie Faden und Perlen, wobei in jeder Perle wiederum andersartige, aber gleich strukturierte Perlenketten existieren, in deren Perlen wiederum gleichartige Strukturen zu finden sind, und so fort.
Der Zeitfluss ist nützliche eine Erfindung genialer Menschen. Uhren messen in Zeiteinheiten nicht die Zeit, sondern die Dauer von Prozessen. Ausschliesslicher Zweck ist es, zu organisieren, indem messbare Grössen definiert sind.
In unserem eigenen Universum geschehen unentwegt unendlich viele Ereignisse. Bewege ich meine Hand vom Keyboard zur Nase, dann ist der Faktor Zeitmenge gewiss irrelevant. Doch das ist er sehr wohl, sobald ich eine Reise nach Südafrika antreten möchte.
In diesem Beispiel existiert ein Event „Reise planen“ und ein Event „Reisen“. Dazwischen existiert eine Wartezeit. Wir messen Planzeit, Wartezeit und Reisezeit mit unseren Uhren.Nichts fliesst. Es laufen Prozesse ab mit einer messbaren Prozessdauer.
Wenn wir den Zeitfluss wahrzunehmen glauben, dann unterliegen wir wohl einer Sinnestäuschung. Tatsäch-lich leitet sich die Bewegung aus der Wahrnehmung einer Vielzahl von Prozessen mit begrenzter Dauer ab ….. wie jenes: Ein Auto taucht auf, fährt vorbei und verschwindet wieder. Gleichzeitig hat ….. usw.
Unser „Zeitgefühl“ resultiert aus der Messung der Prozess-Dauer – und der dabei gewonnenen Erfahrung (im Sinne des Erfahrens von Prozessverläufen). Zwischen den dynamischen Prozessen herrscht Statik …. Ewigkeit.
Eine Fliege erlebt Gleiches, wenn auch in sehr beschränkter Form. Sicherlich ist ihr die Erfindung der fliessenden Zeit gleichgültig, und sie ist für andere menschliche Erfindungen empfänglicher, etwa die des Doppel-Whoppers bei McDonalds.
Verehrter Professor, soweit mein Ping an Sie, mein Statement zum Thema ZEIT, meine eigene String-Theorie sozusagen, gerade noch brauchbar als pseudowissenschaftliche Grundlage für einen Science fiction-Roman, den zu schreiben mir leider die Fähigkeiten fehlen.
Ganz gewiss werde ich mich an Ihr „Universum in der Nusschale“ heranwagen. Kann sein, beim zweiten Versuch schaffe ich eine persönliche Bestleistung. Kindly regards!

Das Ganze ist nichts anderes als Unfug.
Und es beweist, wie man herumschwadronieren kann,
wenn man in Laune ist.