Klage eines Tellerwäschers

Wie es sich gehört, kommt der Absturz. Ich falle aus der Höhe des Kosmologen in die Niederung des Tellerwäschers. Mathematisch ausgedrückt:
n neu = n mal hoch minus 16.
Es war Küchendienst angesagt. So etwas tue ich freiwillig, denn angeordnet halte ich es nicht durch, 13 Töpfe und Schüsseln, unzähliges Kleingeschirr und 10 komplette Gedecke von etwas wieder zu befreien, was ich selbst gerne gegessen hätte (genauer: es war kein Pudding für mich übriggeblieben, darum bin ich verbittert). Die Gäste meiner Frau waren gut versorgt und hatten Spass, ich hatte Spülhände und lauerte darauf, dass wenigstens ein Schluck Wein für mich übrigblieb. Oh bitte nein, das ist kein fishing for compliments, kein Selbstmitleid, bitte keine Beileidsbekundungen, bitte keine Kranzspenden.

Davon abgesehen: Es ist eigentlich ein ganz normaler Job für einen gestandenen Kerl, eine Küche aufzuklaren, wenn die Gattin anderweitig verpflichtet ist, nicht wahr? Aber wie´s dort ausgesehen hat! Und immer das beste Geschirr. Immer ein Stossgebet vorneweg: Herr, mach dass nichts kaputtgeht … und ein Dankgebet hintendran: Herr, ich danke Dir, dass Du mitgeholfen hast, die Suppenterrine sauber in 4 Teile zu zerlegen … und jetzt sieh zu, wo ich das Geld für eine neue herkriege, wenn Du schon nicht aufpassen kannst, o Herr, und wozu hast Du Dich bloss in meiner Küche herumgetrieben, und nun ruf meinen Schutzengel, dann kannst Du wieder gehen und anderswo nicht drauf achten, dass kein Schaden entsteht!
Lose Sprüche, das alles. Nur was man selbst tut, ist wohlgetan. Und wenn ich eine Schüssel zerkloppe, so kann ich das kaum Jesus oder seinem Vater in die Schuhe schieben, die tragen ohnehin nur Latschen und sind in Säcke gewandet.
Leider kommen an einem solchen Unglücksabend flotte Sprüche auch in die Küche geflogen. Erst registriere ich, dass ich keinen Pudding abkriegen werde, dann: Kannst Du mir Deinen Kerl nicht mal ausleihen? Ich erwarte nächste Woche Gäste, und er ist ja so fleissig, habt Ihr gesehen, der hat schon alle Teller abgewaschen und das Silber aufpoliert, alles picobello …. huch, ist der fleissig …. und ich denke: Scheisse, warum habe ich bloss die Küchentüre offengelassen! So war das.
Nun, ich bin nicht mehr dazu gekommen, meinen Stundenlohn bekanntzugeben. Kein Geschäft zu machen. Nichts mit einer amerikanischen Karriere. Vom Tellerwäscher zum Millionär, dass ich nicht lache. In unserem Haushalt hat das nie funktioniert. Es ging eher andersherum. Unter anderem wegen der Suppenschüssel, die angeblich von der Oma der Oma meiner Frau stammen und unbezahlbar sein soll. Vielmehr gewesen sein soll.