Irgendwie vogelig

Der Kaffee ist getrunken, die Kekse sind gegessen. Ich gucke mal wieder in den Garten. Mein Büro liegt nämlich parterre auf der Gartenseite, mein Fenster misst 1100×1100 mm, und mein Schreibtisch steht unmittelbar unter dem Fenster. Toll, nicht wahr?
Leider haben Regen und Sturm die Vögel vertrieben. Bei besserem Wetter streiten sich zur Zeit einige Meisen um einen Nistkasten, der im Apfelbaum befestigt ist. Besonders auffällig gebärdet sich ein Meisenpärchen. Er balzt und lockt, und dient seiner Flamme den Nistkasten an wie Sauerbier, und sie scheint überhaupt nicht interessiert. Der Typ hat aber auch kein leichtes Leben. Jedes Frühjahr dasselbe Theater, da kann er noch so viele Weiber ausprobieren – es ist immer ein Krampf.

Bemerkenswert: Man muss den Vögeln nicht zwischen die Beine gucken, um herauszufinden, welcher das Weib ist. Es braucht nur 3 Minuten Aufmerksamkeit, und schon ist alles offensichtlich. Er bemüht, sie zickig. Da hat der liebe Gott beim Kartengeben geschummelt …. aber mit dem habe ich ohnehin eine Hühnchen zu rupfen. Gut aufgepasst. Ich habe nicht Hähnchen gesagt ….. ja, genau: Hühnchen!
Genauer gesagt, weil nachgerechnet: 7,39 Puten. Der Alte hat das Riesenglück, in meiner Weltsicht nicht zu existieren. Statt imaginär Luftrupfen zu veranstalten sollte ich mir die zickige Meisin vornehmen; aber die besteht ja aus fast nichts, und kann auch noch fliegen! Und ich bestehe aus viel zu viel und kann statt zu fliegen nur fallen.

Ich rufe klagend in die Welt hinein: „Das ist nicht gerecht! Das ist Pfusch! Das ist diskriminierend!“

Und eine leise Stimme antwortet: „Hätte ich Dir Flügel gegeben, dann müsstest Du als Engel nur mir dienen! Und nun freue Dich und sei friedlich!“