Nighthawks

The Art Institute of Chicago

Die Nachtfalken, oder wie wir sie nennen: Die Nachtschwärmer sind häufig verlorene Seelen, die der Einsamkeit ihres Zuhauses zu entkommen versuchen, indem sie sich hilfesuchend der Einsamkeit öffentlicher Plätze aussetzen. Derart irrige Gedanken mögen Edward Hopper zu diesem Bild angeregt haben; die emotionale Tiefe lässt zumindest vermuten, dass ihn die Welt des Jahres 1942 mit dem Desaster von Pearl Harbor und dem Eintritt der USA in den II. Weltkieg tief beeindruckt hatten.

Hopper’s Bild „Nighthawks“ hat wiederum mich sehr beeindruckt; ich schaue hin, verstehe, und kann mitfühlen, ohne mich verbiegen zu müssen.

Da dreht mir ein Mann den Rücken zu und hält sich an seinem Glas fest. Ich spreche ihn an, sage Hallo, netter Abend, diese Nacht! Und ich schaue zu, wie sich seine Hand verkrampft und das Trinkglas zersplittert – das Gesicht dieses Gastes werde ich niemals zu sehen bekommen.

Die Rothaarige in der Ecke ist anders gepolt. Sie möchte reden und ihrem Frust Ausdruck verleihen „Er ist abgehauen, der Schuft, und diesen Dollar hat er mir dagelassen!“ So oder so ähnlich flucht sie in Gedanken, wohl wissend, dass ihr Nachbar in der Auseinandersetzung mit seinen eigenen Problemen kämpft, und weder willens noch in der Lage ist, ihre Partnerschaft zu retten.

Der Barkeeper kennt sie alle, diese innerlich erstarrten Figuren, die so tun, als könnten sie ihre negativen Emotionen in Kaffeebechern ertränken. Er kennt sie, denn sie sind oft um diese Zeit unterwegs auf der Suche nach Erlösung. Und er weiss: Es gibt keinen Trost – weder von ihm noch von seinem Kaffee. dieser dünnen, braunen Brühe, die nichts und niemand auch nur im geringsten zu beeindrucken vermag. Dennoch versucht er, von der Pflicht getrieben und seiner eigenen Verzweiflung geschuldet, eine Konservation zustande zu bringen – nichts weiter als ein müder Versuch, die Leere des modernen Lebens in den USA, und diese öde Nacht unbeschadet zu überstehen.