Frust frostfrei – Ziel verfehlt

Kigelia africana – See my other pictures from Africa

Meine äusserst langwierigen und komplexen Untersuchungen haben ergeben, dass wir zur Zeit im 22. Jahrhundert n. Chr. leben und – das beruhigt mich über die Maßen – dass mich das 23. nicht belasten wird. Zugegeben, ich bin sehr zufrieden.

So kann ich zwar nicht durch die Welt, aber ungestört durch die Zeit dödeln, ganz wie es mir behagt. Wäre, wie vor Jahrzehnten geplant, die Welt mein Spielplatz, so müsste meine Zeit knapp sein, und mein Hirn wäre mit Augenfutter überlastet. Nun ist aber die Zeit mein Spielplatz, und in meinem Bewusstsein dehnt sie sich unentwegt bis knapp an die Grenze zur Langeweile. Mein Hirn schreit nach Futter, und um Unannehmlickeiten zu entgehen greife ich zum Nächstbesten, zum Beispiel nach dem Stichwort „Leberwurst“, und dies mit der Gewissheit, dass dort Musik drinsteckt, die das unterforderte Organ unter der Schädeldecke erst mal ruhig stellen wird. Und siehe da: Eh ich mich einmal umgedreht habe, ist schon ein Schwein geschlachtet. Virtuell natürlich. Ich komme dann über den Leberwurstbaum (siehe Bild oben) zum Majoran, rutsche wie so oft aus, hier über den Dienstrang Major, finde mit Glück zurück in meine Spur, um dringend einen Kartoffelgratin zu empfehlen, den man mit Majoran gut würzen kann, ein Kraut, das auch Blähungen bekämpft, fahre mich genau dort fest, und habe vergessen, wohin ich gedanklich eigentlich wollte.

Nun mag einer sagen, ich wäre dann genau dort aufgeschlagen, wo ich hingehöre, und das wäre dann nicht der Majoran, wohl aber der Major, sollte er zu viel Bohnensuppe gegessen haben. Nein, nein – das trifft einen alten Hasen wie mich nicht. Wenn man wie ich dreimal pro Woche mit einer Kerze in der Hand auf dem Dorffriedhof steht und glaubt dabei, man sei endlich dran, dann ist man wie durch ein Stahlbad abgehärtet. Ich gehe schliesslich nach Hause und weiss mir zu helfen. Ich mache mir eine Flasche guten Wein auf und sage an: Mittwoch probier ich es wieder; hoffentlich ist noch genug Wein im Regal! Man hat halt so seine Routinen. Eine davon: Die dort wollen mich nicht, aber ich will den da! Und deute auf einen Roten aus Apulien. Und ich beharre darauf, dass das, was die Mafia, die N’Drangheta säuft, für mich gerade noch gut genug ist.

So. Ich habe schon wieder mein Thema verfehlt, bin geradeaus gegen einen Leberwurstbaum gebrettert. Ob ich heute noch einen dritten Versuch starte? Es wäre so wichtig, wie alles bei mir, nämlich garnicht. Major und Majoran – ich mag beides nicht. Ich kenne sie von früher. Die sind sowas von penetrant! Den Bruder vom Majoran, den Thymian mag ich dagegen sehr.