Nachgedacht

Ein Blick in die Finsternis

Heute beschreibe ich mal ein winziges Stück Welt. Dazu gehe ich in ein virtuelles „Labor“ und schalte das Wirtschaften aller Teilnehmer auf Stillstand. Die Geldströme sind erstarrt wie ein Wasser-Rinnsal bei minus 15° Celsius. Die Weltwirtschaft wird sich abkoppeln. Sie verträgt den Zustand nicht und macht nun ihr Ding ohne Deutschland.

Wenn das geschehen ist, schalte ich wieder auf „Betrieb“. So fliesst das Geld wieder, allerdings in einem autarken System. Was geschieht? Die Binnenwirtschaft beginnt zu arbeiten. Die Bürger konsumieren. Die Unternehmen verdienen. Bei gleichbleibender Geldmenge wandert die Kohle in die Taschen der Kapitalisten, wird dort gehortet, und arbeitet nicht mehr. Die Bürger dagegen werden immer ärmer. Tut man nichts, so bricht das System zusammen. Also erhöht man die Geldmenge, indem man Papier bedruckt. Hinter der Zuwachs-Menge steht keine wirtschaftliche Leistung. Das System entwickelt inflationäre Tendenzen. Und das ist sehr ungesund.

Der Ausweg: Man pusht, indem man Wachstum fordert und fördert. Zusätzliche volkswirtschaftliche Leistung deckt das Papiergeld des Staats. Dumm, dass dem Wachstum Grenzen gesetzt sind. Beispiel: Kaum eine deutsche Familie braucht mehr als 4 Autos. Dennoch wird Wachstum generiert, indem man dem Markt Anderes anbietet, meinetwegen per Modellwechsel usw. Oder Maggi bietet seine Tütensuppen unter dem neuen Branding IGGAM an. Man hat also tausend Ideen, um den Binnenmarkt am Laufen zu halten, also Wachstum zu generieren.

Aber gleichzeitig beginnt man, unter der Globalisierung zu leiden; mit dieser Entwicklung ist der Anbietermarkt noch einmal gewachsen. Plötzlich hat man die gerissenen ud gewissenlosen Chinesen sowie andere Billiglohnländer am Hals. Nun muss man mit den Kosten runter, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Man reduziert Personal und verdichtet damit die Arbeit des Einzelnen. Sehr wirkungsvoll ist auch die trickreiche Senkung der Lohnkosten. Der Binnenmarkt wird wieder einmal geschädigt, denn das Haushaltsgeld wurde knapp.

Nun kommen die Kapitalisten an und verlangen, dass der Staat einschreitet und überall, wo es dünn wurde, unterstützt. Ohne weltweite Investition und Konsum gibt es nun mal kein Wachstum.

So befindet sich unser Ländle in einem Circulus diaboli. Der wird angetrieben durch das Gewinnstreben der Unternehmenseigentümer, wobei die Kapitalgesellschaften als toxisches Element in vorderster Front stehen.

Was wäre nun ein praktikabler Weg in eine bessere Welt? Ich kenne leider nur solche, die nicht funktionieren, wie die Idee, das gesamte Wirtschaftssystem zu sozialisieren. Das hiesse, alle Unternehmen in die Hände von Schwachmaten zu legen – dümmer gehts nimmer.

Einen vernünftigen Ansatz bietet die Methode des Re-Engineering. Man kann einen Staat auf die gleiche Weise reorganisieren wie ein Grossunternehmen. Dazu verlangt es allerdings eine grundlegende Umgestaltung, die besonders auf Effizienz und Flexibilisierung der Prozesse sowie auf Bürgerzufriedenheit zielt.

Der Haken bei der Sache: Die Allmacht des Geldes will keine Reform, und die Bürger werden dumm gehalten, nicht gefragt, und gemolken. Ganz wie beim Milchvieh.

Aus der Traum!