Leichte Kost

Totes Huhn lehrt alten Mann

Es ist schon einige Monate her, seit ich mir – übermütig, wie ich sein kann – ein 1,8 kg schweres, totes Huhn kaufte, um richtig gut und richtig viel Frikassee und eine gute Hühnerbrühe herzustellen. Ich ermittelte im Netz alle Zutaten, und kontrollierte meine Liste per Vergleich mit anderen Rezepten, um dann festzustellen: So wird es gehen!

Gesagt, getan. Hier die Ergebnisse:
Hühnerbrühe schmeckte wie Spülwasser.
Hühnerfleisch schmeckte wie blanchierte Wellpappe.
Das Huhn kam wohl aus Holland, wo man mit den Tomaten einen grandiosen Zuchterfolg feierte: Viel Wasser, keine Aromen. Ich war so was von gallig! Die Brühe habe ich nachgewürzt bis an die Kotz-Grenze. Am Ende hatte ich eine Ahnung davon, wie das Wasser aus dem Toten Meer in Palästina schmecken mag, aber keine Hühnerbrühe.

Das Huhn habe ich, halbiert in Plastik gekleidet, fix in meiner Mülltonne versenkt, und mit der Brühe konnte ich einige Kanalratten vergiften. Für mich gab es dann eine Pizza. Nur: Damit war der Fall nicht gelöst. Mit mir kann man so etwas nicht machen. Tage später habe ich dann eine Reklamation an die Hauptverwaltung der Supermarktkette geschrieben, und ich gestehe, dass der Inhalt meiner Post ziemlich unfein ist. Lassen wir es dabei.

Nachdem das erledigt war, zog ich los in den einzigen Bioladen in meiner Nähe, und verlangte eine Poularde. Ich hätte Glück, im Gefrierschrank müsste noch eine sein, und es koste 17 oiro. Ich zog also ein totes Tier aus dem Eiskasten und betrachtete dieses Objekt der Begierde. Auffällig waren zwei Eigenschaften des Huhns. Zum einen war es maisgelb gefärbt, und zum anderen so platt, als wäre eine Dampfwalze darüber gefahren.
Für dieses Monstrum sollte ich 17 oiro berappen? Ich beschaute das Tier nochmal. Es war alles da, was ein Huhn ausmacht, aber nichts war an seinem Platz.

Nun dachte ich mir, wenn der Vogel aufgetaut ist, kann ich ihn ja wieder in Form bringen! Man weiss ja, dass die Beine unten und der Pürzel hinten ist. Wenn ich das im Auge behalte, wird ein echtes Maishuhn draus. Also habe ich tapfer meine 17 oiro bezahlt und das Ding nach Hause gefahren.

Aufgetaut kriegte ich das Tier zerlegt in meinen Suppentopf, warf Gemüse und Gewürze hinterher, und mein Herd kochte eine Hühnerbrühe vom Feinsten. Die roch so lecker – ich war zu Tränen gerührt! Und das Fleisch? Einfach sehr, sehr gut. Leider haben Hühner nicht drei Beine. Eines habe ich nämlich gleich aufgegessen; das ging nicht anders. Mein Frikassee war dann genau so gelungen, wie es sein soll. Einziges Manko: Es fehlte ein Bein.

So. Mein Resummee: Ich habe gelernt. Bio-Huhn ist sauteuer. Billighuhn ist teurer, wenns im Klo landet. Fabrikhuhn schmeckt fütterungsbedingt wie Zellulose aus der Papierfabrik. Maishuhn wird teuer gefüttert und ist darum kostspielig. Es ist klug, Maishuhn zu kaufen; das Motto lautet „Weniger, aber gut!“ So herum geht das auch.

Zugegeben – dieser Gedanke ist echt gewöhnungsbedürftig …..