Über

Kurzbesuch in München

Es ist nicht zu verhindern. Meine Erinnerungen erzwingen einen Besuch
im München. Es kann nur eine virtuelle Stippvisite werden, das ist den Umständen geschuldet, aber vielleicht befriedigt und befriedet er meine unaufgeregten, aber immerhin angeregten Sinne.

Ich stehe an einem warmen, sonnigen Frühsommertag wieder in einem Münchener Hochhaus am Fenster der Südseite, und schaue hinüber zu der Bergkette der Alpen. Sie scheint nahegerückt zu sein, und die Sicht ist glasklar.

Eine Stimme hinter mir erklärt:
„Das haben wir nicht jeden Tag! Es ist der Föhn. Morgen wird es regnen.“
Ich weiss, was der Mann in meinem Rücken sagen will: Wenn Du einen Stadtbummel machen willst, dann heute nachmittag. Morgen ist es zu spät.

Ich weiss, was ich will. Ein Stadtbummel ist nicht dabei. Das Pflichtprogramm habe ichbei anderen Besuchen absolviert. Aber was immer geht, und für mein Wohlbefinden sein muss, ist ein Besuch des Viktuakienmarkts. Dort im Biergarten sitzen, zwei oder drei Halbe trinken und einige Kleinigkeiten essen, diese Leberkäse-Semmeln, Brezn und Radi unnd ähnliches, und am Tisch so sieben deftige Münchner, die streitsüchtig verbal auf jeden Preussen einprügeln wollen in der Erwartung, dass man gegen sie mit gleicher Waffe kämpft und es keinen Gewinner gibt – das ist ein kleines Stück urbanes Leben, wie ich es mag. Das ist Harmonie auf Bayrisch.

Ja, das ist ein wenig schön gefärbt geschildert – so läuft das mit Erinnerungen. Aber es ist auch wahr. Ich war dabei.

Ach ja. Am nächsten Tag hat es geschüttet wie aus Kübeln. Es ist der Föhn!