About me

im Flughafen Hamburg

Es ist Montag.
Wäre heute Freitag – es würde sich nicht anders anfühlen.
Isch bin schlapp wie e Batschkapp – so der Pfälzer.
In Hamburg würde man vielleicht sagen: Ich häng über’n Zaun wie’n Fusslappen.
Ob nun Lappen oder Kappe – ich bin einfach müde. Die Uhr zeigt 11:22, es ist kurz vor Mittag. Drei Kübel heissen, schwarzen Kaffee bleiben ohne Wirkung.
Ich sollte meine Pasta mit einem Löffel essen: Auf ‚m T-Shirt habe ich einen grossen Fettfleck. Diesmal also keine Tomate. Ich liebe Abwechslung.
Den Fleck hat ein Strassburger Nudelauflauf gemacht. Das ist ein Auflauf der ordinären Art, mit Hack, ein wenig Tomatenmark, viel Thymian und – besonders wichtig – scharf gemacht mit Cayennepfeffer. Gouda obendrauf ist Pflicht. Beim Naschen war auf der zweiten Gabel die vierte Nudel zu viel; sie stürzte ab und blutete auf meinem Hemd aus.
Peinlich. Manchmal bemerke ich so etwas erst, wenn ich im Badezimmer irgendwo Platz genommen habe und singe: „Nun danket alle Gott ….. „

Ich stelle fest, ich werde nun doch sehr privat, rufe mich zur Ordnung. Da wäre noch der Schneebericht für Hamburg und das Alte Land fällig: Null Schnee. Für uns hat es wieder einmal nicht gereicht. Die Quotenregelung zur Verteilung der Schneemassen in der Bundesrepublik muss dringend überprüft werden. Man sollte McKinsey damit beauftragen. Für deutsche Beamte in den Berliner Ministerien ist die Aufgabe zu komplex.
Ich rufe mich erneut zur Ordnung. Meine Batschkapp ist keine Hassmütze.

Gestern kriegte ich von meiner Tochte einen Verweis. Der lautete kurz und knapp: „Papa, Du trinkst zu viel!“ Ich hatte gerade eine Flasche Gerolsteiner Sprudel in der Hand. Teufel, denke ich, ich saufe doch nicht wie eine Kuh! Wenn ich Wasser in mich hineingiesse, dann moderat, und nicht wie ein Diabetiker! Aber es dämmerte, und ich fragte nach: „Alkohol?“
Wieder knappest möglche Antwort: „Ja.“

Ich habe mir umgehend eine Dose Starkbier geöffnet. Das war eine Geste, die mein Selbstbestimmungsrecht bestätigen sollte. (Ich schreibe jetzt mal hin, wie ich denke.)
Frage: Kann es richtig sein, einem 81 Jahre alten Menschen vorzuwerfen, er entwickle sich auf seine alten Tage noch zum Alkoholiker? Und wenn schon – ich bin ein Klappergestell, und meine Tochter hat Kampfsport gelernt – ich könnte im Suff nicht mal die Katzen prügeln! Maximal meine Tastatur!

Tagsüber trinke ich Wasser, Säfte oder Limo. Aber ich liebe es, den Tag mit einer Flasche Wein ausklingen zu lassen, oder besser und teurer mit einem dreifachen, wirklich guten Cognac, oder einem Single Malt. Draussen dunkel, drinnen alle Lichter aus, nur eine fette Kerze brennt, und ich malerisch auf die Couch drapiert mit einem goldenen Gesöff im Glas – das hatte was. Heute habe ich keine Couch, kein Wohnzimmer, keinen Cognac – ich bin total verarmt. Und jetzt soll ich auch noch auf meinen Wein verzichten? Mal ehrlich: Geht man so mit alten Menschen um? Mit einem Menschen, der aus der Pfalz kommt und 70 Jahre Praxis im Umgang mit Wein hat? Der auf harte Sachen verzichtet und abends nur 3 Gläser Wein trinkt, weil ihm ein viertes und ein fünftes nicht gut bekommt, weil er dann zwei Tage lang spürt, was einen ausgewachsenen Kater ausmacht?
Was ist bloss los unter den Göttern? Ist Hebe, der Mundschenk der Götter im Urlaub und wird durch Ares, den Kriegsgott vertreten? Wieso hilft mir keiner dieser Gesellschaft, beim Zeus? Die haben wohl nur noch Uso und Sirtaki im Sinn, und die Bedeutung der Deutschen Weinstrasse und ihren Wahlspruch „In vino veritas“ völlig vergessen, nur weil das Latein ist, und nicht Altgriechisch!

Jetzt rege ich mich auf. So kann auch ich keine Krise bewältigen. Es ist wohl die beste Strategie, von den Göttern nichts zu erwarten, und die Tierwelt zu bemühen. Soll heissen, dass ich auf den Vorwurf, ein Säufer zu sein, wie ein galizischer Maulesel reagieren muss.
Ich suche ihn nicht, ich habe ihn schon gefunden, meinen Weg.

Und nun schnappe ich mir meinen Rolli und hole Getränke aus meinem Wirtschaftsraum; mein Büro-Kühlschrank ist leer! Und es wird für heute abend eine Flasche Rheingauer Riesling dabei sein. Ich bin da ziemlich sicher.

Es ist mir wichtig, zu betonen: Wir beide, meine Tochter und ich sind zu klug, aus solchen Themen Konflikte entstehen zu lassen. Ansagen sind immer erlaubt, meist auch willkommen, und ein Trigger, der das Nachdenken, das Überprüfen auslöst. Es kann auch mal kultiviert um die Sache gestritten werden – schädliche Folgen sind ausgeschlossen.
Wie? Das sei euphemistisch? Gut gedacht. Ja, auch ich speichere Toxisches. Das Depot-Gift liefert mir die Politik. Für anderes habe ich keinen Platz verfügbar. Auch nicht für meine Tochter.

Meine letzten Jahre möchte ich nicht mit Zores verderben, sondern so gut es geht geniessen. Wer was dagegen hat, sollte sich warm anziehen. Alle aus meiner Familie haben eine verdammt scharfe Zunge!