Über Aphorismen

Vor 10 Minuten ist es wieder geschehen. Zwei oder drei Gedankensplitter geisterten durch mein Hirn, das Wort Tragödie poppte auf – aber weit und breit war nichts von Tragödien zu bemerken. Selbst das Fernsehn lieferte nichts dazu. Seltsam.

Wie auch immer: Ich habe rasch diese Splitter sortiert und zusammengesetzt, und dann kam so etwas wie ein Aphorismus zustande.

So geht das immer. Oder fast immer. Dann sitze ich da wie Pik sieben. Was jetzt? Entschliesse mich, das erst mal aufzuschreiben, bevor ich es wieder vergesse. Und stets stellt sich der Zweifel im Sinn meines Tuns ein – schliesslich bin ich weder Konfuzius noch Kurt Tucholsky.

Ich habe die Weisheit nicht mit Löffel gefressen. Die Verwendung von Aphorismen und ähnlichem erinnern mich an Kosmetik. Man begibt sich in die Adler-Perspektive, generalisiert, vereinfacht und formuliert schön – schon ist eine Plattitude fertig.

Und wer profitiert von diesem schnöden Tun? Na, wer schon! Der Plattitudenschreiber!
Er bastelt an seinem Etikett, das ihn als besonders klugen Menschen ausweisen soll, und kein Mensch denkt darüber nach, dass seine Weltsicht nur eine so nicht existierende Welt
charakterisiert.