Morbides

Wenn wir ncht in die Tiefe können, dann müssen wir eben in die Höhe!
Logisch. Aber um was gehts?
Logisch. Es geht um die Toten.
Huch?

Nehmen wir zum Beispiel Marseille.

Man empfiehlt, diese Stadt zu besuchen; es ist jedoch ratsam, wenig Geld und keine Wertsachen wie Kameras mitzunehmen, und mit dem Bus anzureisen. Die Kleinkriminalität ist atemberaubend!
Ich sitze also im Bus auf der rechten Seite, und wir fahren auf der A 50 gemütlich Richtung Innenstadt, als auf der rechten Seite Hochhäuser auftauchen, die anstelle von Fenstern nur dunkle Höheln haben. Ich fand das bemerkenswert und fragte den Chauffeur, was es mit diesen Häusern auf sich hat. Er sagte kurz angebunden: „C’est le cimetière de Saint Pierre“.

Ich war nun am Grübeln. Die schieben ihre Leichen in Hochhäuser? Was’n das für ’ne Sauerei? Ich muss wohl sehr belämmert geguckt haben. Ein anderer deutscher Fahrgast, offenbar ortskundig, erbarmte sich meiner und klärte auf: Dort werden nur Urnen bestattet. Man musste diese Totenhäuser bauen, weil Marseille auf Felsen steht und verwertbarer Grund selten und teuer ist. Es gäbe solche Häuser mit 12 Etagen und bis zu 25.000 Plätzen.
Aha, dachte ich, alles ist ok, und ich wusste mich für die Info artig zu bedanken. Dennoch war ich ein wenig angefasst wegen meiner Unwissenheit. „Wenn ein Bauer in die Stadt kommt …..“
Ich brauchte Kompensation. Nach ein paar Schritten auf der Canebière fand ich sie am alten Hafen: Eine komplette Bouillabaisse mit einem Hummer obendrauf, und eine gute Flasche trockenen Rosé aus Bandol – Busfahren war genau richtig für diese Stadt!

Marseille, Cimètrie St. Pierre