Asche zu Asche

Soeben zeigte mir meine Tochter das Foto einer Grabstätte. Vor 3 Tagen hatte man dort die Urne mit den Resten meiner Schwägerin vergraben.

Der Höflichkeit halber warf ich einen Blick auf das Bild, und dann beiseite. Ich habe viel auf fremden Friedhöfen nach Besonderheiten gestöbert und bin deshalb vorkonditioniert. So stellte ich mit dem ersten (und letzten) Blick fest: Dieses Grab ist ungepflegt. Sein Charme besteht aus zwei Sträuchern, Tsuga’s genannt, irgendwie zypressenartig und nicht höher als 75 cm. Das Besondere: Der Tsuga links ist komplett braun, ich meine ein schönes, tiefes Rehbraun. Und der auf der rechten Seite ist grün, ganz gewöhnlich grün. Sehr apart, das Arrangement.

Ich erfuhr, dass es in dieser Stadt Menschen gibt, die fremde Gräber in Ordnung halten. Nun, was auch immer man unter „ordentlich“ zu verstehen hat. Jedenfalls war für das Begräbnis das Wildkraut entfernt worden.

Dort liegt sie jetzt, die Urne, und es wird wieder alles Mögliche drüberwachsen. Grabpflege, insbesondere ein Familiengrab mit ordentlicher Grösse macht reichlich Arbeit. Das lässt sich nicht im Vorbeigehen pflegen. Es ist kein Hobby, sondern Landwirtschaft!

Manche Menschen haben das glasklar erkannt und damit begonnen, Möhren, Kopfsalat und Rotkohl auf dem Grab zu ziehen. Beliebt sind auch Küchenkräuter. Leider zeigen die Friedhofsverwaltungen dafür kein Verständnis und machen bösen Stress. Nun wachsen halt wieder Schachtelhalm und die Gemeine Melde ungestört, bis der erste harte Frost alles platt macht. Zierpflanzen auf Gräbern – wer geht schom gerne zum Blumengiessen auf den Friedhof? Am Ende wirst Du noch vom Schicksal aufgefordert, dort zu verweilen!