Zitate

Ich bin eigentlich ganz anders.
Aber ich komme nur selten dazu.

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Die Phönizier haben das Geld erfunden –
aber warum so wenig?

Johann Nepomuk Nestroy (1801 – 1862),
österreichischer Dramatiker,
Schauspieler und Bühnenautor

Über eine begehrte Kostbarkeit

Soeben, es ist genau 18:00 Uhr , Moment …. also eben ging ich am Badezimmer vorbei, und unvermittelt befiel mich die Frage, warum niemand je etwas über extrem nützliches und flüchtiges Utensil geschrieben hat, nämlich das Klopapier.


Zwischenbemerkung: Wer jetzt weiterliest, sei ohne Sorge – ich widme
mich ausschliesslich dem ungenutzten. Obwohl ….. Hundebesitzer kümmern sich liebevoll um den Hundeköddel auf dem Trottoir, aber vor dem menschlichen schrecken sie zurück. Irrational. Das hat man, wenn ich darüber nachdenke, so dem Kleinkind auf dem Töpfchen antrainiert, und der 94jährige Greis leidet noch immer darunter, sobald seine Verdauung wieder einmal – nun ja, man kennt das.

Zur Sache: Klopapier ist auch unter dem Namen Toilettenpapier bekannt. Dies sei erwähnt, um Verwechslungen zu vermeiden.
Also: Es lässt sich nicht vermeiden, auch über „kein Klopapier“ zu schreiben. Stellvertretend für eine allseits bekannte prekäre Situationen sei der Wanderer genannt, der die Eifel durchstreift, das Unvermeidliche erleidet und sich verzweifelt nach einem Ort umschaut, wo ihm grossblättrige Pflanzen zur Hand sein sollten, und doch nur Heidelbeersträucher und hochstämmige Buchen wachsen. Zu Hause lagern 30 Rollen von ALDI, und im Wald befällt den Betroffenen Trübsinn. Nächstes Mal, Rucksack, Papier wiegt ja nichts, und so fort.
Man muss dieses Thema nicht plattieren wie ein Kalbsschnitzel. Dem geneigten Leser sollte die eigene Phantasie – oder die Erfahrung – genügen, um zu begreifen, wo der Hase im Pfeffer liegt.
Wenden wir uns also doch dem Klopapier zu. Zunächst wird definiert, und hierzu Wikipedia bemüht:

Das Toilettenpapier, auch Klopapier oder WC-Papier ist ein zur einmaligen Verwendung gedachtes Tissue-Papier zur Reinigung der Ausscheidungsorgane. Es zerfällt in der Kanalisation. Tissuepaper ist feinkreppig und saugfähig. Es wird auch für Tischservietten, Küchen-wischtücher und Papiertaschentücher verwendet. Aha!
Und just an dieser Stelle befällt mich die Erinnerung an meinem Grossvater, einen hervorragenden Möbeltischler. Nach dem Lesen seiner Tageszeitung, das Blatt hiess „Talpost“, zerschnitt er das Blättchen in grosse Rechtecke und stieg eine Aussentreppe zum selbstgebauten Plumpsklo hinauf, um die Papierteile dort auf einen Draht zu spiessen. Ich glaube zu erinnern, er bevorzugte die Seiten mit Politik und Todesanzeigen. Opa zeigte mir, wie man mit seinem Klopapier umgehen sollte. Kurz gesagt: Links und rechts anfassen und das Papierstück zwischen beiden Daumenballen so lange rubbeln, bis es weich oder kaputt war. Dazu referierte er noch kurz zum Thema Druckerschwärze und Händewaschen – das war es dann aber auch.

Ich vergass zu erwähnen: Es war die üble Zeit nach dem 2. Weltkrieg, und selbst die beiden Papierfabriken in der Kommune verfügten nicht über brauchbares Material. Aber bereits 1948 traf man in den Toiletten der Fabriken auf die BUNTE aus dem Burda-Verlag. Interessant zu lesen, aber zum nützlichen Gebrauch musste man wegen der Papierglätte sehr lange rubbeln.

In den 60er Jahren hatte sich die Lage deutlich verbessert. Wer in dieser Zeit „gedient“ und die rauhen Sitten der Panzergrenadiere und Pioniere erlebt hat, kennt auch das in den Kasernen verwendete Klopapier, das ein Mitarbeiter des Herstellers Feldmühle gutmütig spottend „Servus brutal“ nannte, ein Produkt der Premiummarke SERVUS aus Flensburg.

Selbst heute trifft man in öffentlichen Toiletten diese Rarität an; vermutlich geht man zu Recht davon aus, dass dieses Papier keinesfalls gestohlen wird.
Servus brutal ist wie Schleifband mit 400er Körnung, nur deutlich flexibler, also für harte Kerle gedacht. Oder für Stadtkämmerer mit leeren Kassen. Aber werden wir wieder sachlich.

Das Standardmass für Klopapier ist ca.100 x 120 mm, 250 Blatt = 30 m auf eine Papphülse gerollt, und per Perforation zu trennen, wobei Klopapier auf einer Seite garantiert nicht an der Perforation abreisst, sondern ein Stück vom nächsten Blatt mitnimmt. Hier gilt, dass schlechte Perforation als verkaufsförderndes Merkmal verstanden werden sollte. Halbperforation steigert den Verbrauch um 25%.

Klopapier wird heute 1-, 2- oder 3-lagig angeboten, auch 4- und 5-lagig wird solches Material in der Luxus-Version angeboten. Die Feuchtversion ist gut verpackt und duftet vor der Benutzung wie ein 7-stöckiges-Freudenhaus.

Zu den Kosten: 96 Rollen 3-lagig hochweiss kosten um 28 Euro. Und ein Testsieger namens Charmin de Luxe liegt bei 33 ct. pro Rolle und ist deshalb der gesellschaftlichen Oberschicht gewidmet.

Deutschland verbraucht 4 Milliarden Rollen im Jahr und gibt dafür mehr als 1 Milliarde Euro aus. Hier kommen nun die Schlauberger ins Spiel. Sie kaufen 1-lagig um 17 ct. pro Rolle, reissen 3 Blätter ab und falten sie zu 3-lagigem Klopapier. Damit liegen sie mit 51 ct. pro Rolle in der absoluten Luxusklasse, und haben dennoch keine Herzchen-Prägung im Papier. Ist eine Rolle aufgebraucht, so bleiben sie auf einem Einzelblatt sitzen, müssen eine zweite Rolle verbrauchen, und eine dritte, um den Rest als 3-lagig benutzen zu können. Längeres Nachdenken ergibt: Es ist sinnloses, es ist verteuerndes Sparen, und man rät davon ab.

Ökologisch ausgerichtete Käufer erwerben ein Recycling-Produkt. Es wird aus Altpapier hergestellt, und bleibt ohne Anteile von Frischholzfasern. So bleiben viele Bäume dort, wo sie hingehören: Im Wald, und nicht in den Toiletten. Einige Fahnder haben sich vergebens bemüht, Schwermetalle, Formaldehyd oder polychlorierte Biphenyle nachzuweisen. Recycling papers sind also durchaus brauchbar, und die Schmirgelwirkung ist deutlich geringer als bei Servus brutal.

Nun muss zum guten Schluss das Schmuck-Klopapier erwähnt werden. Man bekommt Prägungen mit Figuren und mit Texturen wie Leinen. Man kann Bedrucktes kaufen, mit Spontisprüchen, mit Figürchen aus dem Kinderzimmer, oder mit Fotos von Politikern oder der ungeliebten Schwiegermutter. Rotwein-Trinker kaufen das Produkt mit aufgedruckten Bierflaschen, Biertrinker mit Etiketten des Chateau Latour von der Gironde. Die Industrie vermutet, auf diese Weise könne jeder seinem Vergnügen frönen – oder seinen Frust abreagieren, wohlgemerkt: Im Badezimmer und by paper!

Noch ein Hinweis für Snobs: Vergessen Sie Handgeschöpftes! Es hat eine Konsistenz, die der Wellpappe in der Exportversion, als Panzerkarton für seefeste Verpackung empfindlicher Güter gleicht.

Vergessen Sie es ganz rasch!

In aller Kürze

Der Goldfisch muss mal

Ich will nichts.
Oder ich will alles.
Aber das will ich.
Habe das da nicht gewollt.

Gut, gut.
Ich will nur Glück.
Ein wenig davon.
Aber ein wenig viel.

Zufrieden?
Zu albern.
Zuschauen?
Eine Zumutung.

Was tun?
Täter werden?
Tatenlos zuschauen.
Habe nichts getan!

Man macht.
Macher sind gut!
Machen die nichts?
Die an der Macht!

Macht?
Danke!
Sauber bleiben.
Bleibe ein kleines Licht.

Armselig.
Leutselig.
Unselig.
Selig sind die Dummen.

Macht macht.
Kriegt Krieg.
Finger fingern
mit List und Hinterlist.

Alles für Dich.
Für Euch das Beste.
Kann nichts dafür.
Eher nichts für alle.

Das Beste ansagen,
das Gute nicht sehen.
Alles normal –
schlecht gelaufen.

Hinschauen –
wegsehen.
Heisse Luft
wärmt nur für den Moment.

Ich bin.
Kleine Welt,
meine Welt.
Für Euch: Kein Platz.

Ehrlich gesagt:
Ergötzlich,
und nützlich,
der Götz.

Guter Gedanke
macht froh.
Ihn leben
macht frei.

Der Schatten

Erster Eindruck: Unmöglich, das Erlebte zu verstehen. Mein Vorstellungsvermögen war ziemlich überfordert. Auch heute noch, mit einigem Abstand fällt es mir schwer, das Geschehnis zu begreifen und es gar niederzuschreiben. Ich versuche es dennoch, weil es abartig und zugleich faszinierend ist – mysteriös, fantastisch, und überaus spannend. Ich möchte, wenn die Geschichte ihr Ende gefunden hat, so lange ich will, und so oft es notwendig ist, wieder einsteigen, versuchen, zu verstehen, ja, das ist es. Einfach verstehen.

Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf, sagt man. Ich, Zweifler über die Massen, durfte erleben, wie sich diese Phrase plötzlich konkretisierte, quasi mit Inhalt füllte, mich erst an meinem Verstand zweifeln liess und schliesslich meine Sinne erweiterte, sie schärfte, und mich für eine neue Sicht auf das vordergründig Irreale vorbereitete.

Pathos ist hier fehl am Platz. Kurz gesagt: Ich bin eines Nachts, so gegen 0 Uhr 30 zu Bett gegangen, und am Morgen gegen 8 Uhr 30 aufgewacht. Es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, nach dem Aufwachen eine Viertelstunde liegen zu bleiben, die Wärme meines Betts zu geniessen, den neuen Tag zu überdenken und dabei ganz allmählich ein Interesse am Kommenden zu entwickeln. An besagtem Morgen genoss ich nichts von alledem. Ich hatte anderes zu tun.

Es musste sich in der Nacht ereignet haben, woran ich in den folgenden Tagen hart zu arbeiten hatte. Nächtens, und während ich tief und fest schlief, schlich sich eine phantastische Geschichte in meine Erinnerung ein. Um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht die Story war phantastisch, sondern das gesamte Ereignis. Am ehesten versteht man die Angelegenheit durch einen Vergleich: Irgendwer hat mir während des Schlafs eine kleine Datei in meinen Speicher geschrieben. Es war ein Hacker an der Arbeit. Zudem ist die Story wahr.  Mit diesem Attribut hat man sie mir in meine Erinnerung eingetragen.

Ich hatte bei dieser Infiltration keine Chance. Die Story ist da, und sie ist wahr. So mein Gehirn, und – schlimm genug – auch mein Verstand. Ein kategorischer Imperativ lässt Zweifel erst garnicht aufkommen. Nun werde damit fertig, Mensch!

Die Frage nach der Herkunft, und auf welchem Wege dieses nie erlebte Abenteuer zu mir gelangte, ist bis zur Stunde unbeantwortet.

Wie bereits gesagt: Die Geschichte hat von mir Besitz ergriffen, sie beschäftigt mich nun unentwegt, und ich musste einen Weg finden, mit der mentalen Okkupation zurechtzukommen, für mich eine recht schwierige Aufgabe. Ein solches Problem hat man schliesslich nicht alle Tage, nicht wahr?

Ich entschied, zu protokollieren, vermutlich als instinktiver Versuch zur Bewältigung einer Krise – es bietet sich dabei zudem die Chance, die neuen Fakten mit anderem Wissen zu verschmelzen, Assoziationen zu entwickeln, Phantasie einfliessen zu lassen und so eine „begründete“ Vermutung zu entwerfen, also einen Zustand zu erreichen, in dem das Ereignis akzeptiert werden kann. Soweit die Hoffnung.

Bis dahin jedoch wurde ich die Empfindung einer Invasion durch Unbekanntes nicht los, wartete auf eine Fortsetzung von Ereignissen, die ich nicht selbst erlebt, und doch als Erinnerung zu dulden habe. Es war belastend, hinter dem Phänomen keinen Zweck erkennen zu können und zugleich fürchten zu müssen, es gäbe in Kürze eine Fortsetzung des scheinbar Sinnlosen, und der Sinn könnte sich unverhofft und auf schmerzhafte Weise offenbaren.

Seit jenem Morgen fürchtete ich den Schlaf, ohne ihn allerdings verhindern zu können. Immerhin schlief ich zunächst nicht mehr des Nachts, sondern zu unmöglichen Zeiten im Verlauf des lichten Tages – als ob damit zu verhindern wäre, was mir längst  widerfahren ist.

Nach einigen Tagen begann ich damit, meinen Status neu zu organisieren, eine wie es schien, reine Schutz massnahme. Es zeigte sich, dass dies richtig gehandelt, wenngleich falsch motiviert war. Wie auch immer – die Qualität des Ergebnisses ist in Ordnung.

Mittlerweile ist es mir gelungen, das Geschehen zu strukturieren. Dazu habe ich z. B. den Begriff „Nachricht“ eingeführt. Nach der Bearbeitung einer Nachricht forsche ich nach dem Substantiellen, zergliedere, deute und ergänze, und versuche dann zu verstehen. Wie es sich in der Folge zeigte, war die Verwendung solcher Technik zweckmässig; sie fördert das Verständnis der Nachricht, und sie nimmt ihr jenen Schrecken, den Nr. 1  noch ausgelöst hatte.

Um es vorweg zu nehmen: Mittlerweile gehe ich wieder abends zu Bett, schlafe tief und fest, und freue mich auf das Erwachen – ist eine neue Nachricht angekommen, oder etwa nicht? Freude oder Enttäuschung? Ja, ich gestehe: Ich werde möglicherweise süchtig nach Neuigkeiten aus dem Irgendwo.

Nachricht 1

ist. bei dir weit bei dir nah. univers wie du. sonne wie du. planet dreht. ist. seite weiss heiss. seite schwarz. egal heiss nicht. weit messen keine zeit. ist. heiss mensch hell. sagen Licht. kalt sagen mensch schatten. verstehen. plus.

+++++

Mit meinem Gedächtnis ist es wahrlich nicht zum besten bestellt. Ich vergesse Telefonnummern, PIN’s, meinen Hochzeitstag, Namen  und geplante Einkäufe. Aber man kann versichert sein, dass ich diese Nachrichten komplett und korrekt wiedergebe. Es ist ein Phänomen, über das ich nicht nachdenken möchte. Die Stress-Symptome habe ich mit Erfolg bekämpft, und ich akzeptiere nun eine unheimliche Begegnung der vierten Art.

Um die Sache abzukürzen: Ich habe Nachricht 1 wie folgt gedeutet:

Es ist wahr. Ich bin weit von Dir entfernt, und doch ganz nah. Lebe in einem anderen Universum als Du, in der Nähe einer Sonne wie Deine, unser Planet dreht sich. Es ist wahr. Eine Seite unseres Planeten ist heiss, und hell. Die andere Seite ist dunkel und kalt. Die Kälte macht mir nichts aus. Die Entfernung zwischen Dir  und mir ist nicht in Zeit zu messen. Es ist wahr. Die Lebewesen auf der hellen Seite unseres Planeten würdest Du „Licht“ nennen. Die auf der dunklen Seite nennst Du „Schatten“. Ich hoffe, Du hast die Nachricht verstanden. Eine neue folgt.

Unversehens hatte ich den Übermittler personifiziert. Irgendwer, nicht irgendetwas hatte mir eine Botschaft gesandt. Ein „Er“, der auf der dunklen Seite seines Planeten lebt. Er bezeichnet sich als Schatten. Eine unglückliche Wortwahl. Wahrschein-lich ist ihm entgangen, dass Schatten körperlos sind. Unsere zumindest.

Hell und Dunkel – Ebony and Ivory living in perfect harmony …. side by side!

Nun, es wurde mir rasch bewusst, dass eine Fortsetzung folgen musste. Aber was um Himmels willen will er von mir? Er wird sicherlich nicht ohne Grund seine Existenz, und die seiner Welt offenbaren. Und wenn er in der Lage ist, auf die geschilderte Weise von mir Besitz zu ergreifen, dann kennt er die Menschen, weiss von ihren üblen Seiten, und muss sich trotzdem sehr sicher fühlen, in seinem Universum, als Schatten auf der dunklen Seite seines Planeten. Schattenmann – Schatten-frau –  Schattenwesen?

Um ehrlich zu bleiben: An dieser Stelle begann ich, an meinem Verstand zu zweifeln, befürchtete nacheinander einige Geisteskrankheiten wie Schizophrenie, Paranoia usw., und dass meine Sinne mir einen Streich spielten, das Ganze sich nur in meiner Phantasie abspielte, und so weiter. Eine solche Reaktion konnte nicht ausbleiben, bis zur

Nachricht 2

ist. mannfrau schatten. ist. Leben muss licht ist. licht nicht schatten nicht licht. ist. 1 ja 2 ja 3 nein. leben ding hinter licht vor. wie du. ist. licht neu schatten. nicht licht. dunkel leben. du licht leben schatten unlicht. verstehen. plus.

+++++

Nun, das war eine harte Nuss. Während mir die Nachricht 1 noch leicht zu entschlüsseln schien, bekam ich hier einige Probleme. Nummer eins liefert nicht genügend Kontext, um Schlüssiges abzuleiten. Einige Versuche und verschiedentliches Variieren ergab das folgende:

Wahr ist. Ich bin ein Schatten und ohne Geschlecht. Ich lebe, weil Licht ist (Licht war). Licht lebt ohne Schatten, und Schatten ohne Licht (also ohne Bindung an Licht? Wie das?). Wahr ist, ich bin ein zweidimensionales Wesen. Ich entstehe, wenn Licht auf einen Gegenstand fällt. Das ist wie auf der Erde. Aus Licht entstehen Schatten, die aber in der Folge das Licht nicht mehr benötigen. Wir leben auf der dunklen Seite. Der Erdenmensch benötigt das Licht, wir Schattenwesen das Dunkel. Du verstehst? Neue Nachricht folgt.

So habe ich Nachricht 2 interpretiert. Ein Schatten entsteht dort auf dieselbe Weise wie bei uns, kann sich aber verselbständigen? Ohne Licht existieren? Der Typ nenn sich Schatten, kanns aber nie und nimmer sein, nicht wahr? Schatten ist nicht die Folge von Licht, sondern von Lichtreduzierung, nicht wahr? Man stelle sich vor, mein Schatten entsteht, und macht sich davon. Ich bin ohne, bis ich ins Licht trete. Ich mache mir dann einen neuen Schatten, aber auch der macht sich davon. Irgendwohin ins Dunkel. Eigenartig. Woher habe ich die Gewissheit, dass es auf der Erde nicht genauso ist? Dass die versammelte Schattenmacht immer der Nacht folgt, rund um den Globus? Dort untertaucht, und als zweidimensionale Wesenheit existiert?

Und welchen Sinn hätte eine andauernde Existenz meines Schattens, unfrei – oder nicht an meinen Körper im Licht gebunden?

Allerdings: Dem Schatten fehlt die dritte Dimension. Das hätte zur Folge, dass man eine unendliche Anzahl übereinander stapeln könnte, ohne auch nur den millionsten Teil eines Millimeters an Raum zu belegen! Ich konstatiere, dass meine Denkweise paranormale Züge annimmt, nehme mir vor, sehr darauf zu achten, dass meine Phantasie nicht in einen pathologischen Geisteszustand abgleitet, Wahnvorstellungen erst garnicht entstehen.

Die folgenden beiden Nächte blieben ohne Heimsuchung. Statt dessen stellte sich das Gefühl ein, betrogen zu werden. Man hat mir ein Puzzle gegeben, bei dem die Hälfte der Teile fehlt.  Dann endlich, in der dritten Nacht nach Nr. 2, folgte

Nachricht  3

ist. viel gleiches ich. ander viel gleiches sich. ich plus ich plus ich viele. ist. er plus er plus er viele. sie plus sie plus sie viele. er plus sie plus ich nein fehler tut nicht. ist. du denken raum nicht. verstehen. plus.

+++++

Ich hatte mich unverzüglich und gut gelaunt an mein Puzzle begeben – er / sie / es hatte mir neue Teilchen angeliefert, und es hatte sich eine brennende Neugier meiner bemächtigt, ich wollte so rasch wie irgend möglich zu einem befriedigenden Ergebnis gelangen, vielleicht damit auch ein Ende des Spuks herbeiführen. Nummer 3 interpretiere ich folgendermassen:

Wahr ist: Ich bestehe aus vielen gleichen Teilen. Die anderen ebenso. Meine Teile sind gleichen Ursprungs. So ist es auch bei den anderen. Es gibt keine Vermischung, das wäre falsch. Es ist wahr, was Du über den Raum denkst, den die Schatten belegen. Du verstehst? Neue Nachricht folgt.

Was für eine Neuigkeit! Ein Schatten als kumuliertes Wesen, alle seine Teile gleichen Ursprungs, aber jedes Teil unterscheidet sich von den bereits vorhandenen – ist es möglich, dass  …… nein. Undenkbar, dass Schattenbilder über-einander projiziert in zweidimensionaler Form die Beschaffenheit dreidimensionaler Dinge speichern könnten. Ich bin froh, im 21. Jahrhundert zu leben. Vor einigen hundert Jahren wäre ich wegen solcher Phantasien  unweigerlich auf einem Scheiterhaufen gestorben.

Ich frage mich nun doch, was auf jenem Planeten geschehen mag. Wer ist Schattenspender? Beleb-tes, Unbelebtes? Lebendes oder Totes? Berge, Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen?

Ich erschrak. Was hatte er nochmal gesagt?

„ist, du denken raum nicht.“

Stimmt, ich benötige keinen Raum.  Das hat er mir übermittelt. Und es bedeutet, ER IST HIER. In dieser Sekunde, und in jeder anderen, die noch kommen wird. Ich stehe unter seiner Kontrolle. Seit wann? Schon immer? Seit neulich? Ich musste Panik bekämpfen – was um Himmels willen geschieht mit mir? Ich werde manipuliert, und fühle mich, als hätte man mir Drogen injiziert, eine Wahrheitsdroge wie Scopolamin etwa. Unversehens erinnere ich mich an ein Lied aus meiner Kinderzeit, das meine Mutter oft in ihrer Küche gesungen hat, und dessen Tenor sich nun als grundlegend falsch zu erweisen scheint – zumindest in meinem Falle:

Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten
sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen
kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

Ich denke, was ich will
und was mich beglückt,
doch alles in der Still´
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch, mein Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei

Bin ich unfrei geworden, oder war ich es gar schon immer?

Zugegeben, ich habe zwölf Stunden lang gelitten, habe gezweifelt, war verzweifelt – und füge mich nun in das Unabänderliche, Was sonst könnte ich tun?

In der darauffolgenden Nacht traf Nachricht Nr. 4 ein. Sie lautet:

ist. denken du. ich viele für eines. ist. ich immer du bist. ich du. kugel halb sand voll wasser. du sand ich wasser. du ich du. verstehen. plus.  +++++

Das entschlüsselte Ergebnis hat mich völlig aus der Fassung gebracht.

Es ist richtig, was Du denkst. Ich bestehe aus vielen Teilen ein und derselben Sache. Ich war immer bei Dir. Stelle Dir eine Kugel vor, die halb mit Sand gefüllt ist, und fülle sie vollends mit Wasser. Du bist der Sand, und ich das Wasser. Du bist ich, und ich bin Du. (Wir sind eins.) Verstehst Du? Ich melde mich wieder.

Ich sehe mich heute ausserstande, mich mit der neuen Entwicklung auseinanderzusetzen. Nicht dass meine Neugierde nachliesse. Ich fiebere der nächsten Botschaft entgegen – und bin dennoch nicht mehr in der Verfassung, das von IHM gezeichnete Bild zu verarbeiten. Ich habe mich in eine Opferrolle zurück-gezogen, leide wie ein getretener Hund. Unvermutet stellt sich der Gedanke ein, die Affaire neige sich ihrem Ende zu, und es käme nun zu einem Shutdown. Aber zu welchem? Was hat IHN dazu bewogen, mit mir diesen ganzen Zirkus zu veranstalten? Ich bin 62 Jahre alt – und ER hat 62 Jahre lang stillgehalten. Wenn ER wirklich mein komplementäres Ich ist, dann sollte ich erfahren, wozu es/er existiert. Cui bono?

Heute morgen erhielt ich mit einer neuen Nachricht die ultimative Anwort.

Nachricht 5

ist. du plus ich gleich eins. nennen körper du. nennen seele ich. ist. ich in dich muss. univers mein alle wie ich unzahl. kann geboren wieder. nein oder ja. wir emotion machen. kontrolle auch müssen. ist. kommen du nah zu mich. wissen nicht. muss kommen. heute zeit ende mein dein. muss. muss. muss. verstehen. null.

Ich habe eben diese Nachricht mit grosser Sorgfalt studiert und erkenne, ich halte den Schlüssel zur Wahrheit endlich in der Hand. Ich werde langsam und so genau wie möglich formulieren. Beginne zu glauben, was ich lese und zu verstehen. Nein, alles verstehe ich natürlich nicht. Es bleibt mir zum Beispiel ein Rätsel, warum man mir gestattete, diese Angelegenheit aufzuzeichnen. Mag sein, dass es keinen Unterschied macht. Die Story ist sowohl unglaublich als auch unglaubhaft. Erzählte ich davon, so würde man mich auf meinen Geisteszustand untersuchen wollen. Ich sollte es damit halten wie mit dem anderen grossen und rätselhaften Wunder, der Frau. Nicht ohne Grund sagt man: Der Kenner schweigt, und geniesst.

Es ist wahr. Du und ich sind eins. Du bist der Körper, und ich die Seele. Du brauchst mich, und ich bin in Dir. In meinem Universum sind alle Seelen versammelt. Wir sind nicht zählbar. Wir warten auf eine Wiedergeburt. Unsere Aufgabe ist die Katalyse, wir setzen Eure Gefühle frei. Wir kontrollieren. Ich bin zu Dir gekommen, weil Du mich entdeckt hast, ohne es zu wissen. Ich hatte keine Wahl. Heute endet unsere Zeit. Deine und meine. So lautet das Gesetz. Du verstehst? Es folgt keine neue Nachricht.

Ich bin geschockt. Was ist, wenn Er die Wahrheit sagt? Wenn ich nicht sofort diesen Text sichere, fehlt ihm die Pointe, keiner wird  ….. kei …..

Kulturpessimismus (Vorsicht! Gift!)

Die Theorie:
Eine kulturkritische Betrachtung, die das gegenwärtige Stadium des kulturellen Entwicklungsprozesses einer Gesellschaft als einen in sich logischen und unausweichlichen Verfallsprozess deutet.
Die Praxis (Bericht Focus 29.4.2002):
Binnen weniger Minuten tötete Robert S. im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen. Im Folgenden wird der zeitliche Hergang des Amoklaufes vom Freitag geschildert, der auf Mitteilungen der Polizei beruht:

Anfang Bericht

Morgens: Robert S. verabschiedet sich von seinen Eltern. Sie gehen davon aus, dass er an diesem Tag Abiturprüfung im Gutenberg-Gymnasium hat, und wünschen ihm viel Glück.

Gegen 10.45 Uhr: Robert S. betritt das Gymnasium und vermummt sich auf der Toilette in schwarzen Kleidungsstücken.

11.05 Uhr: Der Hausmeister hört Schüsse und alarmiert die Polizei.

11.10 Uhr: Das Sondereinsatzkommando wird informiert.

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 15 Menschen tot.

Ende Bericht


Oh ja, es sieht nach billiger Effekthascherei aus, versucht man, aus dem Erfurter Drama einen Beweis für den fortschreitenden Zerfall unserer Kultur abzuleiten.
Wer aber in diesen lausigen Tagen ein wenig grübelt, das kleine Einmaleins beherrscht, und willens ist, ehrlich zu analysieren, dem kriecht die Angst ins Gedärm.
So geschehen bei mir.
Es hat mich einigermassen betroffen gemacht, dass der Bundesinnenminister Waffengesetze verschärfen möchte. Mag sein, dass er dies am besten beherrscht. Mag sein, dass sich in solchen Aktionen seine Fähigkeiten erschöpfen. Man kennt das, und man verübelt es ihm nicht einmal. Dennoch: Du stehst unmittelbar vor dem Höllentor und wagst es nicht, hindurchzuschreiten – aus Angst, es könnte Dir dort die Wahrheit über den Weg laufen, oder es könnte ein Richter fragen: Was ist Dein Beitrag, Mensch?
Der Innenminister verschärft Gesetze. Damit wird natürlich alles besser. Man muss aus dem rechten Lager kommen, um an Unfug dieser Art glauben zu können. Aber der Mann muss ja irgendwas tun, nicht wahr? Action!

mailto: innenminister@berlin.oje


Minister,


anscheinend sind Sie und Ihre Beamten nicht in der Lage, oder nicht willens, diese schlimme Erfurter Tragödie korrekt aufzuarbeiten. Ich bin in Rente und habe ausreichend Zeit und Musse, das für Sie zu erledigen. Ob Ihnen das passt, oder nicht, ist mir relativ gleichgültig. Lesen Sie einfach weiter, und lernen Sie!


· Der Erfurter Massenmord im Gutenberg-Gymnasium ist ein konsequenter Racheakt eines in seelische Schieflage geratenen jungen Menschen. Gleichartiges ist zu allen Zeiten geschehen, Alltag in einer gewalttätigen Welt


· Der Tod eines Menschen, ja, auch solch sinnloser Tod ist schmerzlich für die Angehörigen. Sie verdienen Rücksichtnahme und Mitgefühl.


· Es ist nicht die ganze Nation betroffen. Dies in die Welt zu posaunen ist billige Propaganda.


· Die Erfurter Ereignisse werden journalistisch erbarmungslos vermarktet. Sie bringen Einschaltquote und Auflage. Diese Widerwärtigkeit zwingt den Zuschauer und Leser, sich angeekelt abzuwenden. Oder sie animiert zur Suche nach blutigen Bildern im Internet – je nach Veranlagung. Aber sie behindert das Nachdenken.


· Gleiches gilt für Politikerreisen nach Erfurt. Betroffenheit mimen oder – im besten Falle – sentimental werden wird als Imagewerbung erkannt, und besonders in Wahlkampfzeiten korrekt verübelt.


· Talkshows im Fernsehn kreisen wie selbstverständlich um dieses Thema. Dort geht man nach der Methode Hühnerhof vor: Scharren an der Oberfläche, und gelegentlich laut gackernd ein Körnchen (Wahrheit?) hochhalten, bekunden, man habe etwas, oder alles erkannt und verstanden. Es werden 3 kluge Bemerkungen in 60 Minuten Geschwätz verpackt geboten.


· Wer hat in den letzten 2 Jahrzehnten je den Begriff „Gewalt“ definiert? Sie auch nicht, Minister! „Keine Zeit, keine Zeit. Muss Gesetze verschärfen!“


· HOT meint: Bildung und Erziehung sind in einem wahrlich desolaten Zustand. Benutzen wir doch hilfsweise einige hinlänglich bekannte Klischees, um uns auf die Verifizierung dieser Feststellung vorzuarbeiten.

· In den Schulbussen wird tagtäglich randaliert. Schüler terrorisieren ihresgleichen, und Erwachsene: Was willst Du alter Sack hier? Mach, dass Du rauskommst! (O-Ton)


· Höflichkeit ist Schwäche. Es werden statt dessen die Ellenbogen gestählt.


· In der Schule sitzen mehrheitlich unfähige, faule oder resignierende Lehrkräfte. Ihre Aufgabe ist es nicht, die Kinder zu erziehen. Sie können nicht ersetzen, was die Eltern versäumen.


· In den Pausen wird geraucht, gedealt, geraubt, erpresst, genötigt, gesoffen. Drei Elfjährige mit einer Flasche Doppelkorn – Pausenaufsicht findet nicht statt. (Eigenbeobachtung)


· Lehrer sind rechtlos, sprachlos, haben ihre Ideale verloren und gehen womöglich mit 45 aufgeraucht in Pension. (Eigenbeobachtung)


· Schulbehörden sind blind. Oder sie spielen Blindekuh. Es hat den Stab nicht zu interessieren, wer an der Front draufgeht.

Anmerkung: HOT hat selbst zwei Kinder über die Runden bringen müssen., und Erfahrungen als Schulelternrat gesammelt.


· Kultuspolitiker sind primär Ex-Partei-funktionäre; sie sehen den Kulturbetrieb als Selbstläufer, der keine intelligente Politik abverlangt.


· Die Bundesregierung ist nicht zuständig. Kultur ist Ländersache.


· Das also ist das Klima, in dem Kinder ihre Bildung erhalten, und dafür gute Arbeitsleistungen erbringen sollen, in dem beispielsweise das bekannt schlechte PISA-Ergebnis gediehen ist.
Dieses Szenarium existiert. Offenkundig mangelt es allen Verantwortlichen an Vorstellungskraft. Sie sind nicht in der Lage, zu spüren, was sie unseren Kindern mit einem derartig konditionierten Lernangebot antun. Aber sie können jederzeit ansagen, was es kostet.


· Kommen wir zur Rolle der Eltern. Sie vernachlässigen ihre erzieherischen Aufgaben. Was geht, wird mit Geld erledigt. Was mit Geld nicht funktioniert, mit Fernsehn. Und was man weder mit Geld noch mit Fernsehn erledigen kann, das wird durch Grosszügigkeit ausgeglichen. Hauptsache, es herrscht Ruhe im Haus.


· Im übrigen sind Eltern froh und glücklich, wenn ihre Kinder sich auf der freien Wildbahn behaupten. Sie haben das „Recht des Stärkeren“ verinnerlicht, wissen, dass Weicheier auf der Strecke bleiben.


· Selbst berechtigte Angriffe auf ihre Nachkommen werden mit äusserster Härte abgewehrt. Beliebter Pennäler-Spruch: Das sag ich meinen Eltern, die bringen Dich vor Gericht! (Eigenbeobachtung)


· Solcherart gediehene Kinder sind an das Nehmen gewöhnt. Sie nehmen, wo sie Nützliches kriegen können. Auch z. B. Lehrbücher aus der Uni-Bibliothek. Mittlerweile darf man sie getrost als Kotzbrocken bezeichnen.


· Man trifft sie in den Unternehmen wieder. Dort wird das Hauen und Stechen fortgesetzt. Schwächere haben gegen sie keine Chance. Sie sind in den Chefetagen gerne gesehen und bilden den Führungsnachwuchs. In ihnen erkennen die Bosse sich selbst.


· Oben wird Unfähigkeit durch Brutalität gegen die Mitarbeiter ersetzt. Man übt die Verwendung von Begriffen wie Lean management und Synergieeffekte morgens vor dem Spiegel. Arbeitsplatzvernichtung statt Umsatz ist in Mode. Das hat Folgen:


· Der Vater verliert seinen Job, damit seine Vorbildfunktion, und der Sohn keilt umso mehr, um im Spiel zu bleiben. Einige gewinnen, aber viele verlieren.


· Die Politik glänzt durch Abwesenheit, oder sie redet sich mit armseligen Sprüchen um Kopf und Kragen. („Ich bin ein Automann!)

Dies also ist das Klima, in dem soziales Denken und Handeln gedeihen sollen.
Schliesslich die Erfurter Tragödie: Wie um alles in der Welt kann so etwas geschehen? Bei uns in Deutschland! Wo hier doch alles so toll ist! Die ganze Nation ist sooo betroffen! Und die halbe rennt zu Gedenkgottesdiensten.
Ich sagte ja eingangs, ich würde Klischees benutzen. Man muss hier natürlich relativieren. Ich will das nun versuchen, und zugestehen:
Auf jeden negativen Fall kommen drei positive. Es ist die an Stammtischen so beliebte Art zu diskutieren. Einer kennt da einen Fall, und ein anderer drei andere Fälle. Und alle übersehen das Wichtige:
Auf dem Weg in die soziale Verantwortlichkeit sind zu viele junge Leute auf der Strecke geblieben. Sie sind oft falschen Zielen nachgejagt, haben sie nicht erreicht und bleiben irgendwo desillusioniert, frustriert und ohne neue Perspektive hängen. Verlierer.
Es reichen 25 Prozent irgendwie asozial gepolter Bürger aus, um eine Gesellschaft nachhaltig zu schädigen. Längst ist ein entsprechendes Schneeballsystem in Bewegung gesetzt. Wir registrieren die Folgen, dikutieren die Ursachen, reden und reden, und es scheint unmöglich, den Verfallsprozess anzuhalten. Man sieht nicht, was man nicht sehen will. Also muss man nichts unternehmen. Man ist ja nur auf Zeit gewählt. Sollen die nächsten, die anderen sich kümmern!
Wenn Sie nicht gerade Gestze verschärfen müssen, lesen Sie doch mal bei Oswald Spengler nach, in seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“.
Noch ein netter Aspekt: Der Mensch verfügt heutzutage über Atomwaffen. Sie bietet die unglaubliche Chance, auf schnellstem Weg einen kulturellen Neuanfang zu organisieren. Gewiss, das ist blanker Zynismus. Noch. Warten wir´s mal ab.

Familie Schwarz-Kittel

Wildschweine sind eurasischen Ursprungs und hören auf den lateinischen Namen „Sus scrofa“. Wie Eurasier zu lateinischen Namen gekommen sind, weiss ich leider auch nicht.

Ich stelle Dir hier eine typische Wildschwein-Familie vor:

Da ist der Boss. Er heisst KEILER und ist von Beruf Vater, Mutterverehrer und Kinderschreck.

Nun folgt seine Chefin. Ihr Name lautet BACHE. Bache Schwarz-Kittel. Auf Bäurisch nennt man ihren Beruf auch eine Muttersau.

Meist hat sie 8 bis 12 Kinder. Zur Zeit sind es 10. Förster reden immer von FRISCHLINGEN. Ich sage dazu Rischlinge, aber das hat private Gründe.

Das ist unsere Wildschweinfamilie, immerhin 12 Mitglieder stark, eine richtige Grossfamilie. Es ist wohl am einfachsten, von VaterS, MutterS und KleineS zu erzählen. Du kannst es Dir denken: S steht immer für „Schwein“!

Die FamilieS wohnt im Wald und frisst, was immer ihr vor die Schnauzen kommt. Besonders emsig sind dabei die Rischlinge, weil sie noch klein sind und wachsen müssen. WildeS lieben Beeren, Pflanzen und Pilze. Läuft ihnen ein kleines Tierchen vors Maul, ein Frosch, 12 Schnecken oder 144 Käfer, so sind sie für den Leckerbissen stets dankbar. Stossen sie etwa auf eine eingegrabene Leiche, dann wird ein richtiges Festmahl veranstaltet. Unsere WildS sind Allesfresser. Gebildete Menschen nennen diese Gattung auch Omniphage. Sie ernähren sich nach dem Grundsatz: Hauptsache viel, es macht dick und man kann grosse Haufen knöten! Auf diese Weise lassen es sich die Wildschweine im Wald gut gehen, und einmal im Jahr werden neue KleineS 6-12 gemacht.

Kommt dann der Winter mit Schnee und Frost, so werden die Zeiten ziemlich hart für unsere Familie. Sogar VaterS hat nun seine Predigten vergessen. Den ganzen Sommer über hat er die Familie genervt mit seinem Spruch: „Bleibt weg vom dunklen Dorf. Dort wohnen die wilden Menschen! Sie braten Euch in Sahne und Wacholderbeeren und fressen Euch!“

Wenn VaterS aber hungert, dann zieht es auch ihn in die Gärten des Dorfs. Es ist halt Grünkohlzeit; zwar ist der Geist willig, aber das Fleisch so schwach.

Mit lautem Grunzen fordert er MutterS auf, die KleinenS vor sich herzutreiben. So werden des Nachts die dunklen Menschengärten besucht. VaterS verwendet jetzt eine andere Predigt: Der liebe Gott lässt für alle wachsen!

Also ist alles Fressbare nicht mehr sicher. VaterS wird nun richtig waghalsig, obwohl ihm bekannt ist, dass er auf der Abschussliste des örtlichen Jagdvereins ganz oben steht.

MutterS hat 6 Seiten des Magazins „Jagd und Hege“ gefressen und weiss darum ganz genau, dass sie nicht erschossen werden darf, wenn sie KleineS bei sich hat. Und diese sind eh geschützt, solange sie sich nicht das Normgewicht angefressen haben.

In einer hellen Vollmondnacht ist FamilieS nun in den Küchengarten von Hans Heinrich Lüders, einem Kartoffelbauern, eingebrochen. Vierhundert Quadratmeter Grünkohl luden zur ausgiebigen Grünfutter-Mahlzeit ein. Das hatte Lüders auch geglaubt. Deshalb wachte er argwöhnisch über seinem Lieblingsgemüse – Pech fuer VaterS, wie sich gleich zeigte.

So geschah es, dass Hans Heinrich durch allzu laute Fressgeräusche erwachte, nach draussen schlich und seinen Hund von der Kette losmachte. „Los, Sauhund!“ kommandierte er, genauso, wie er mit Kalle, seinem Erntehelfer immer umspringt.

Hasso, der Jagdhund, tat zunächst so, als verstünde er garnichts, legte sich auf die Seite und mimte den Asthmatiker. Das brachte ihm gemäss der allgemeinen Lüders´schen Lebensregeln – Kalle kennt sie schon – einen Tritt ein. Hasso erhob sich und ging erst mal rasch auf Distanz.

Schliesslich kam aus Lüders Kreativabteilung das Kommando „Fass!“ . Hasso erschrak. Es war also Krieg, und er sollte eine Schlacht schlagen! Schon kam sein General näher und hob zu einem weiteren Tritt an, aber Hasso war jetzt auf der Hut. Derart angespornt, legte er sich erst mal in den Grünkohl und wartet ab.

VaterS bekam bei Hassos Anblick eine Krise. Er hat in seinem ganzen Leben noch nie einen Hund verstan-den. Hündisch ist Fremdsprache. Hasso wedelte nun mit dem Schwanz. VaterS glaubte daraus zuableiten zu müssen, dass eine Attacke kurz bevorstand. Also würde er sofort angreifen, und damit die Familie schützen. Angriff sei nun mal die beste Verteidigung. Nur: Reden ist eine Sache, Tun eine andere. Schliesslich hatte er in jungen Jahren einen Zeitungsartikel über die Energie-Masse-Relation gefressen und kannte deshalb dieEinstein-Gleichung E=mc hoch2 , die er, so oft sich eine Gelegenheit bot, anzuwenden versuchte, obgleich er Wissen als Belastung empfand, triebhemmend, und damit als gefährliche Dummheit. So war das stets, und auch in dieser Nacht. Dennoch war jetzt Action erforderlich.

VaterS setzte gemessen seine 330 Kilo in Bewegung, musste auf Tempo kommen. Das braucht 2 – 3 Umrundungen von irgendwas. Das Irgendwas hiess zur Zeit Hasso. Der lag schon wieder wie hingegossen, nun im Grünkohl, für Lüders unsichtbar geworden, und freute sich. Jou, jou!, dachte er, spielen ist schön, besser als Krieg! Und dann noch mit einem so grossen Hund! Bedächtig ueberlegte er, auf welche Weise er in das Spiel eingreifen könne.

Der Bauer war entsetzt. Zwölf Wildschweine im Grünkohl, und der Hundhat sich verpisst!

VaterS hatte endlich sein Angriffstempo erreicht. Er schob seine Hauer nach draussen und versuchte, gefährlich auszusehen. MutterS sah´s und kriegte eine Gänsehaut.

Hasso verstärkte sein Schwanzwedeln. VaterS sah´s und plante seine erste Attacke. Zur Sicherheit dreht er noch 2 Runden und erhöhte so das Tempo.

Dem Bauern Lüders fiel die Pyjamahose über die Knie. Damit war er für den Moment kampfunfähig.

Hasso traf eine Entscheidung, nahm Tempo auf und schob sich vor VaterS in den Kreis. Gemeinsam liefen sie einige Runden durch den Grünkohl. Macht Spass!, dachte Hasso! Bei VaterS lösten sich erste Flatulenzen, denn Kohl bläht (ja, auch der!).

Bauer Lüders bemerkte dies, als die wilde Jagd endlich dicht bei ihm vorbeikam. Er verstand nichts mehr, verlor die Fassung und damit auch sein äusseres Gleichgewicht. Ruecklings landet er in der Petersilie, konnte aber nicht lachen.

Mittlerweile hatte Hasso sich daran erinnert, dass er ein Jagdhund ist. Er beschleunigte, und hatte nach 3 weiteren Runden VaterS nicht mehr hinter, sondern vor sich. Genauer, er hatte nun den Hintern von VaterS vor sich. Verhinderte schliesslich mit Mühe eine Überrundung, das hätte VaterS möglicherweise demotiviert.

Nach kurzer Zeit liess er sich wieder zurückfallen, bemerkte: Oh Gott! Der grosse Hund hat Grünkohl gefressen! So kann man doch nicht spielen! Hasso mimte nun den Frischluft-Fanatiker und schob sich an die rechte Seite von VaterS.

Der hatte urplötzlich genug von dem Blödsinn. Versuchte, aus dem Kreis auszubrechen, erwischt aber den falschen Moment. Aus dem Kreis wurde eine Gerade. Sie führte darum „geradewegs“ auf Nachbars Gartenzaun zu. VaterS wusste, das war keine Hürde. Augen zu, und 330 kg gingen durch den Lattenzaun wie ein Messer durch die Butter. Eine Vollbremsung verursachte drüben eine Bremsspur von etwa 17 Metern. VaterS registrierte Feldsalat, drehte sich um und guckte, ganz Triumpf.

MutterS war stolz. Strammer Bursche, mein Keiler!, dachte sie.

Bauer Lüders sass immer noch in der Petersilie. Von unten wurde es ihm arg kalt. Hasso wollte wieder spielen, darf aber nicht hinüber in Nachbars Garten. Bei ihm machte sich Frust breit.

Die KleinenS standen herum und pupten inzwischen auch. Alle zwölf. Helle Töne erfüllten die Nacht.

Nun entspannte der Bauer und dachte, er sei im Kino. Psychedelische Kreise vermittelten ihm Erfahrungen, wie man sie sonst nur beim Exstasy-Schlucken gewinnt.

VaterS kommandierte: Alles mir nach! Nahm wieder Tempo auf und machte noch ein Loch in Nachbars Zaun. Wollte Hasso nicht mehr begegnen.

MutterS zählte rasch ihre Kinder durch – alle da. Also los, Vatern nach!

Hasso dachte nun an die Flatulenzen und liess sich wieder umfallen. Der Bauer wollte auch nicht hinterher.

In leichtem Galopp verschwand die FamilieS im Wald. War doch noch eine interessante Nacht geworden! MutterS überlegte, dass frisches Gemüse so gesund, sei, und gut für die Kleinen, wegen der Vitamine.

Auch Hasso hatte diese Nacht genossen. Toll Jagd gespielt, trotz allem! Hoffentlich kommen die mal wieder! Mit Herrchen geht das lange nicht so gut! Und der riecht schliesslich auch nicht besser …..

Hans Heinrich Lüders war nun wieder von dieser Welt. Erhob sich aus der Petersilie und zupfte seinen Pyjama zurecht. So was aber auch. Der ganze Grünkohl ist hin, halb gefressen, halb zertreten und halb geerntet. Für ihn sind auch drei Halbe etwas Ganzes.

Die krause Petersilie sieht auch nicht mehr frisch aus. Der Zaun! Muss Bretter kaufen. Der Nachbar ist ja so pingelig. Wo ist Hasso? Komm her, Burschi! Toll, wie Du die Sau gejagt hast! Gut gemacht! Was man mit einem Tritt alles bewirken kann!

Hasso sah sich sein Herrchen an und erinnerte sich sofort an einen Knochen, den er in der Frühe vergraben hatte. Das wäre jetzt das Richtige. Geht buddeln.

Und für den kommenden Tag nahm er sich vor, mit der Nase am Boden unserer Familie in den Wald zu folgen, sollte er von der Kette loskommen. Wärmende Gedanken erfüllten sein Hundehirn: Klasse Typ, der Grosse. Vielleicht kann man da mal Urlaub machen

Überall kehrte nun Ruhe ein. Bauer Lüders hörte während seiner Schadensaufnahme seine Frau schnarchen.

FamilieS erreichte bei flotter Gangart rasch ihren Schlaf- und Ruheplatz. VaterS sinnierte noch. Hatte er nun den Feldsalat bei Lüders oder bei seinem Nachbarn gerochen? Wie war das denn bloss noch mal? Mal nachschauen, morgen Nacht. Die KleinenS müssen wieder mitkommen; haben noch viel zu lernen! Kleinigkeit, der morsche Bretterzaun. Wo ich herkomme, stehen richtige, gesunde Bäume!

Klasse Nachwuchs. Nicht aus der Ruhe zu bringen. Nie Angst gezeigt. Versager, dieser Hund. Morgen trete ich ihn in die Scholle. Aber Schwanzwedeln hat er drauf, das muss man ihm lassen. Wenn ich sowas mache, bin ich nur wieder …. besser, den Tag zu verschlafen!

(Schw)einsichten

Kann man ein Schwein lieben?
Man kann. Ich kenne einen Fall, in dem ein geliebtes Schwein geschlachtet werden musste, und die Familie sich weigerte, es aufzuessen. Das Fall-Muster: Das Schwein als Hund.

Muss man ein Schwein lieben?
Das nein, und vor allem dann nein, wenn das Schwein ein Mensch ist. Das Fall-Muster: Der Mensch als Sau.

Darf man ein Schwein lieben?
Nein. Sodomie ist ein Straftatbestand. Auch Unzucht mit Abhängigen wird bestraft. Das Fall-Muster: Das
Schwein als Mensch,

Soll man ein Schwein lieben?
Saudumme Frage. Aber man soll immer bedenken, dass das Schwein nicht nur Nutzvieh ist, mehr als ein nützlicher Idiot. Schweine sind intelligent. Fall-Muster: Das Schwein als Intelligenz-Bestie.

Dem Schwein wird´s allerdings völlig wurscht sein.

Allgegenwärtig ist das Schwein
in unserm Menschenleben,
ohne von uns geliebt zu sein.
Es hat so viel zu geben .

Zuvörderst dient es uns bei Tisch
als Schinken, Schnitzel und Kotlett,
und Lendchen, rosa, zart und frisch,
Grillrippchen mit und ohne Fett …..

Gesülzt, gekocht oder gebraten
geniesst der Mensch, der nicht Muslim,
das Schwein zu Sossen, Kraut, Salaten
bei Blumenschmuck, und mit Benimm.

Wir sollten doch an solchen Tagen,
nach einem wirklich guten Essen
gemeinsam herzlich Danke sagen:
„Dank, liebes Schwein, sei unvergessen!“

Der Schweinefreund hat auch bedacht
dass Schweine stets geduldig bleiben,
wenn man sie mal zum Buhmann macht,
um sich mit anderen zu reiben.

Du blöde Sau! Du dummes Schwein!
Du Drecksau, Sülzkopp, wilde Sau!
In heilgem Zorn wird man gemein,
Die Knoechel weiss, Gesichter blau!

Ganz bayrisch wirds, wenn ohne Faxen
der Loisl durch die Kneipe brüllt:
Geh schleich´Di, schwing die krumma Haxn!
und Haxnduft den Gastraum fuellt.

So mancher Mensch ist sehr geknickt,
mit Liebe sich zum Schweine wendet,
weils Pumperl ihn ganz böse zwickt
und´s Schwein Aortenklappen spendet.

Als Glückssymbol – na, unentbehrlich!
Was täte man nur ohne „Schwein“.
Mensch, sag es einmal wirklich ehrlich:
So´n Ferkelchen kann niedlich sein!

Und nicht zuletzt der Bauernstand
Profit verspricht die Ferkelei.
Es grunzt munter im Bauernland,
noch immer gilt: Landluft macht frei!

Mag sein, dass es die Stadtluft war,
die einst den Menschen frei gemacht.
Dem Schwein stellt es sich anders dar:
Freiheit ist für´s Wildschwein gedacht,

so lang, bis dann im Morgenrot
die Büchse knallt; ein letzter Schmerz,
der Jäger bruellt dann los: Sau tot!
Ein Blattschuss, mitten durch das Herz!

Nun, auch noch dies. Es spricht sich rum
im Koben und in Schweinekreisen.
Das Hausschwein ist ja nun nicht dumm
kann die Behauptung schon beweisen,

dass man nur noch als Hausschwein sicher.
Und sterben muss nunmal ein jeder.
Der Bauer auch! (Hinten Gekicher!)
Der ist dann hin – ich Schweineleder!
Reinkarnation – auf Schweine-Art
ist nicht nach jedermanns Geschmack.
Der Mensch arbeitet lieber hart.
Arbeit macht frei!, schrieb Menschenpack.

Hat je ein Schwein so was geschrieben?

Der Misanthrop: Jaaawoll! Alles Schweine!

Der Tierfreund: Wer einen Menschen
als Schwein bezeichnet,
beleidigt eine ganze Tiergattung.

Der Humangenetiker: Charakter ist eine ererbte Eigenschaft, die ihre Auspraegung …….

Der Altruist: Dies ist Ausdruck fuer die Verirrung
einer menschlichen Seele, quasi ein Hilferuf ….

Der Politiker: Das ist zu lange her.
Davon weiss ich nichts.

Der Priester: Alles geschieht
nach Gottes weisem Ratschluss!

Der Beamte: Zu allen Zeiten galten in Deutschland die
Grundsaetze, wonach Recht und Ordnung …..

Der Neo-Nazi: Ausländer rauuuusss!!

Der gute Deutsche: Ich lese jeden Tag die Bildzeitung!

Das Hausschwein: Der Mensch ist auch eine Sau!
Nur anders.

Dementia senilis

(oder Normalsein als Lebensaufgabe)

Dementia senilis, zu deutsch: Altersschwachsinn.
Ich denke, man sollte vielleicht nicht darüber witzeln. Sich eher fragen, wie es um den eigenen Verstand bestellt ist.

Ein normaler Mensch tut das natürlich nicht. Er ist sich seiner Sache sicher. Bei ihm ist alles in Ordnung, und das bisschen Vergesslichkeit ist in seinem Alter völlig normal. In seiner Familie sind alle alt geworden, und es gab nicht einen einzigen Fall von Demenz. Wie es sich für eine gute deutsche Familie gehört. Stets gesund an Körper, Geist und Seele, zudem blond und blauäugig, schnell wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart wie Krupp-Stahl. Das, auch wenn solche Werte heute nicht mehr so sehr nachgefragt werden. Heinrich Himmlers Lebensborn eV hat längst ausge- dient, und wir vermischen uns mit allem, was hier herumläuft und attraktiv aussieht. Sprachlich, gene-tisch, kulturell – jeder kann machen, was er will, und jeder kann kochen, was er kann, man nennt die Dinge nach eigenem Gusto, sollen die anderen sich anstrengen, um MultiKulti zu verstehen, jene Sprachentwicklungsstufe, in der sich Deutsch, Türkisch, Italienisch, Englisch, Französisch und Spanisch vermischen, die Melange mit Comic- und Prolo-Slang gewürzt ist, und zu guter Letzt um Computer- und SMS-Sprüche sinnig ergänzt wird.

Ich werder im Alter vergesslich.
Ich starte auch meinen Browser und weiss dann nicht mehr, was ich im Internet eigentlich wollte. Suche aus reiner Verlegenheit nach einem neuen Spiel, hole es und schmeiss es wieder weg, weils mich nicht interessiert, oder weil ich die Regeln nicht kapiere.

Aber selbstverständlich bin auch ich normal. Und zwar völlig. Das Dumme ist nur: Ich habe vergessen, was normal eigentlich heisst. Der Norm entsprechend vielleicht? Und wenn ja, welcher? Der gesellschaftlichen Norm entsprechend? Welcher Gesellschaft bitte schön? Und wie soll ich eine gültige Norm entdecken, verstehen, in einer Gesellschaft, die so multikulti ist, dass ich schon nicht mehr weiss, ob ich mir für einen Spaziergang ein Kopftuch umbinden und endlos „Äiii Macker!“ rezitierend eine Paella aus der Hosentasche löffeln soll – das alles strengt mich zu sehr an.

Ich vermute, ich bin normal, aber anders. Moment. Anders normal …. als normal Normale – klingt ziemlich schwachsinnig. Ich muss gleich mal meinen Schlüsselbund suchen.

Wenn sich Beamte und Politiker aus der Staatskasse bedienen wollen, dann machen sie sich ein Gesetz, beschliessen es, und greifen zu. Belege dafür sind beispielsweise das Diätengesetz, das Parteienfinanzierungsgesetz und das Beamtenbesoldungsgesetz mit einem unübersichtlichen Anhang an Durchführungsverordnungen und ähnlichen Verschleierungsinstrumenten.

Ich selbst bin in dieser Frage schon katholisch. Benutze denselben Trick zur ideellen Bereicherung; ich mache mir meinen Standard für Normal selbst, und dann messe ich meinen Zustand an dieser Latte, und siehe: Ich bin tatsächlich wie jeder andere auch stinknormal.

Individuelle Normalitäten existieren parallel. Wo sie aufeinandertreffen, herrscht Spannung, die sich im schlimmsten Fall in einem Krieg entladen kann. Nun gut, ich will weiss Gott nicht behaupten, es würden wegen Nasebohren Kriege begonnen. Eher kleine, persönliche Konflikte: Kannst Du das nicht lassen, Du altes Schwein? Man kennt das. Toleranz ist, wenn man trotzdem lacht. Ich antworte: Das Schwein lasse ich Dir noch durchgehen, aber wegen des Alt sehen wir uns vor Gericht!

Menschen können ja so unerquicklich sein. Allzuviele Zeitgenossen haben – wie man das bei Green Peace ausdrückt – soviel Charme und Charisma wie das hintere Ende eines ungenehmigten Abflussrohrs. Man möchte böswillig unterstellen, sie seien nicht normal, sondern normacid.
Der Magensaft sollte normacid sein, damit er ein Eisbein auch dann zersetzt, wenn einer den Knochen mitgegessen hat, nicht wahr? Es kann nämlich nicht jeder ein Gewölle hervorwürgen, nur weil er vergessen hat, das Huhn zu rupfen, bevor er daraus ein Ragout zubereitet.

Das Auf-ein-normales-Mass-zurückführen nennt man normalisieren. Im allgemeinen kann man so jede Form der Kindererziehung nennen. Strittig ist allerdings noch immer, ob man die Prügelstrafe als kraftvolles Normalisieren bezeichnen darf. Willst Du nicht ein Normaler sein, dann schlag ich mit dem Rohrstock drein! Insbesondere entfacht das anzunehmende Ungleichgewicht der Kräfte immer wieder neue Diskussionen. Extrem-Normalisierer vertreten dabei den Standpunkt: Das ist mein Kind, und ich kann damit machen, was ich will!

Von der etruskischen Kultur ist nicht allzu viel zurückgeblieben, aber der Begriff Norm gehört zur Hinterlassenschaft dieser Kultur, selbst wenn die Griechen und später die Römer beim Hinterlassen die Finger im Spiel hatten. Seitdem ist dieser Wortstamm prächtig gediehen und hat sogar eine Norma Jeane Mortensen hervorgebracht, die wir als Marylin Monroe erlebt haben.

Genau genommen bin ich der Meinung, dass Menschen weder normal noch anormal sein können, oder gar sollten. Dinge – ja. 1 Meter = 10 Dezimeter = 100 Centimeter. Alles bestens, das muss normal sein, schon wegen des Milchkaufens.

Normal sein ist eine undefinierbare Grösse kollektivistischer Werte, kein Normalmass für Menschen, sondern eine subjektive Beurteilung von Sichtweisen. Der Mensch ist ein Idividuum, ein Unikat, mit nichts als sich selbst zu vergleichen.

Das ist der Unikatsbeweis.
Ein Mathe-Lehrer: Leerer Scheiss!
Nichts weiter als nur Schabernack.
Nur leeres Stroh im Jutesack.
Ist schliesslich auch nicht ernst gemeint,
Mathematik ist eh mein Feind,
beweist mir stets dass ich zu dumm,
bei Zahl und Formel bleib ich stumm.
Doch Z a h l e n ist stets meine Sache –
Es scheint, s´ist meines Weibes Rache!

Risum teneatis amici!
Verkneift Euch das Lachen, Freunde!
(Horatius, de arte poetica)

Reflektionen

Hast Du noch nie ´ne blöde Idee gehabt? Ja? Siehst Du. Ach ja, ich verstehe. Du schreibst es nicht gleich auf! Ich schon. Oft.
Man sieht erst richtig, wenn man es hingeschrieben hat. Und dann kann es zu spät sein. Steckt erst mal Geld oder Arbeit drin, hat es einen neuen Wert gekriegt. Und dann einfach wegschmeissen?
Schau mal:

Im Kopf ist nur Makulatur –
Übervolles fliesst über.
Schreib´s hin, dann mache Remedur –
Bald klebt Tapete drüber.

Auch ein Weg nicht wahr? Raus damit, und entsorgt! Mögen andere sich damit herumärgern. Diese Taktik ist ohnehin längst geübt. Man lernt sie in der Schule kennen (wer interessiert sich schon für Aufsatzschreiben),
und selbst an den Universitäten werden die jungen Leute mit Studieninhalten vollgestopft, die zu geistigen Obstipationen führen und nur per Laxativum gelindert werden können – z. B. könnte man es mit Alkohol versuchen, denn: Im Wein liegt Wahrheit! Und das hülfe beim Aussortieren dessen, was unter die Tapete gehört.

Die Pizza bruzzelt still im Ofen,
noch duftet sie so wie sie soll.
Noch tut der Käse goldig loofen,
des Bäckers Stimmung dreht nach moll.

Die Augen zu – er träumt vom Bett,
schon holt ihn sich der Schlummer.
Im Ofen brennt derweil das Fett,
der Pizza-Brand macht Kummer.

Kohle verströmt Salami-Duft.
So schwarz, und doch so lecker!
Der Bäcker aus der Küche ruft:
Er will nun kein Gemecker.

Die Hausfrau sieht: Hilfe tut not,
und schleicht sich leis zum Schrank.
Die Kinder kriegen Butterbrot,
der Bäcker einen Dank!

Hier mehr zu tun bringt garnichts ein,
der Pleite voll bewusst
pfeift sich der Bäcker einen rein,
ertränkt im Schnaps den Frust.

Pizza und Bäcker , wie verreckt
so liegen sie vereint
nun in der Küche hingestreckt –
es war nur gut gemeint!

Sowas kennt man. Wenn Dir Dein Computer verreckt, und Du hast einen format c: hinter, und einen kompletten Neuaufbau vor Dir, und zudem einen Topf feurige Bohnensuppe auf dem Herd in der Küche – ja dann wird´s lustig. Du rennst nur noch hin und her, hier clicken, dort umrühren, hier einem Idioten von Programmierer auf blöde Fragen antworten, dort
die Hitze runterregeln, zu spät, wie es sich gleich zeigen wird, und wieder zurück, um ein Download zu checken und eine Setup.exe zu suchen, zurück in die Küche, weil’s stinkt – natürlich sind die Bohnen nun angekokelt, das machst Du noch zweimal, dann hast Du am PC den Faden verloren und in der Küche Dein Mittagessen – und im Kühlschrank stinkt der Tilsiter wie ein Güllewagen im Hochsommer, während das Brot im Schrank damit begonnen hat, seine Form von straight on nach curled zu ändern und dabei die Hälfte an Gewicht zu verlieren. Endlich bemerkst Du, dass Du etwas falsch gemacht hast.
Aber es keiner da, der Dir sagen würde, was es war. Dramen, wie das Leben sie schreibt.

Ich bin dumm wie Bohnenstroh
So sehn wir mich schon immer.
Und dennoch gut gelaunt und froh –
Wieso? Hab keinen Schimmer!

Mal tu ich dies, mal tu ich das!
Ganz wie der Zufall will.
Ich fühl mich wie ein leeres Fass
und mein Verstand steht still.

Nur ab und an geht es mir schlecht,
Momente werden licht.
Ich sage etwas, habe recht,
und mein Verstand erbricht.

So schrieb ich es an meinem Tisch.
Egal, wie ich es will:
Es ist wie mit gekochtem Fisch –
mal mit, mal ohne Dill.

Das Understatement – Unterbewertung, Untertreibung?
Ich bin so dumm wie Bohnenstroh – eine Unterbewertung? Oder eine Untertreibung? Nicht so dumm, oder noch dümmer? Lassen wir es einfach beim Understatement, und Du kannst Dir etwas Passendes aussuchen.

Ich bin so dumm wie Bohnenstroh – das hat irgendwie Rhythmus, nicht wahr? Man muss es einfach verwursten.

Wie ich mich selbst sehe? Mit Verlaub: Dem Vergleich mit Bohnenstroh möchte ich nur ungern standhalten müssen. Ich halte es lieber mit dem Cherubinischen Wandersmann (geistreiche Sinn- und Schlussreime):

Ich bin, ich weiss nicht wer.
Ich komme, ich weiss nicht woher.
Ich gehe, ich weiss nicht wohin.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!

Ja, ich liebe diesen Spruch.
Angelus Silesius, im Deutschen Schlesischer Bote,
lebte von 1624 bis 1677 in Breslau,
war geistlicher Dichter
und hiess eigentlich
Johannes Scheffler.

Abschaffung der Politik

· Machtmissbrauch
· Egomanie
· Selbstüberschätzung
· Habgier
· kriminelle Energie
· Menschenverachtung

Das sind wesentliche Merkmale für die politischen Systeme der Gegenwart. Unfassbar, dass die Menschheit in ihrer Jahrzehntausende andauernden Entwicklungsgeschichte nicht in der Lage war, für die Wahrnehmung ihrer vitalen Interessen eine humane Organisationsform zu entwickeln.

Die staatstragenden Systeme sind zerrüttet, instabil geworden durch Unfähigkeit, Kumpanei im Interessenverbund, und durch Korruption. Politik und öffentliche Verwaltung schaden mehr, als sie nützen. Ihre Bilanz ist deutlich negativ.

Man könnte diesem Endzeitszenario
einen brutalen Touch hinzufügen, indem
man die Hauptakteure des Kalten Kriegs
auf das berüchtigte Knöpfchen drücken lässt:
Atomkrieg vernichtet
die nördliche Hemisphäre der Erde, sie ist
für zirka 5000 Jahre nicht bewohnbar,
wenige Überlebende mit geringen Überlebenschancen,
Verantwortung für den Mega-Hit trägt der andere.
Die Regierungsbunker sind überfüllt, aber
keiner traut sich auf die Strasse: Dort wartet der Mob.
Vergiss es. Schaurig schön, aber zu brutal.

Die Regeln zur Besetzung politischer Spitzenpositio-nen lassen jede Schandtat zu. Schullehrer und Maurergesellen wurden Verteidigungsminister, ein Finanzbeamter Ministerpräsident, ein Western-Held wurde zum US-Präsidenten gewählt, und ein Bodybuilder versucht es ihm gleichzutun, Psycho-pathen ordnen Völkermord an – es wird nichts Ekliges ausgelassen.

Zu allem Übel führen zu jedem Machtzentrum zahllose Schleimspuren; Hof- und Gefälligkeitsjournalismus erzeugen die übelste Sorte verrotzter Linien in Richtung Lichtgestalten der Staatsgeschäfte.

Ich habe mein Abitur mit Mühe geschafft,
lasse ein Fernstudium der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau
bei einem anerkannten Institut folgen,
lege mein Examen an der Universität Linz ab und promoviere an der Universität von Haiti. Parteifreunde besorgen mir den Honorarprofessor in Saarbrücken, und ich bin Prof. Dr. Hans Otto Triebelmann.
Nun äussere ich mich kontrovers zum Thema Wehrpflicht, und schon läuft der Laden. Ich bin drin, für jedes politische Amt hoch-, um
nicht zu sagen überqualifiziert.
Nun noch einige saudumme Sprüche, und jeder politisch Interessierte
im deutschsprachigen Raums kennt
Prof. Dr. HOT.

Ich benötigte für diese Entwicklung
ein gutes Gedächtnis
und einen wohlhabenden Onkel,
der mich für kurze Zeit
finanziell über Wasser hielt.

Kackfrech war ich schon im Kindergarten,
und die stählernen Ellenbogen
kann ich mir antrainieren.
Mein Ziel ist Verteidigungsminister.
Ich habe bereits im Sandkasten
mit Soldaten gespielt

Die internationalen Organisationen mit Namen wie UNO, NATO und EU sind mit dem Tage der Gründung zum funktionsunfähigen Popanz geraten. Unsinnige Spielregeln wie das Veto-Recht einzelner Staaten, Kungelei um Wirtschaftsinteressen, Chauvinismus, Machtdemonstration und andere Widerwärtigkeiten haben allzu häufig vernünftige Ergebnisse verhindert.

Wenn ich Nein sage, so ist das kein Nein,
sondern ein grundsätzliches Ja,
ein bedingtes Ja gewissermassen,
das zwar ein Nein einschliesst,also nicht ausschliesst,
damit nicht aussschliesslich ein unbedingtes Ja darstellt,
sondern vielmehr ein unbedingtes Ja und Nein,
ein entschiedenes Jein also,
mit dem das deutsche Volk seinen Willen
unmissverständlich zum Ausdruck bringen will,
und bringen wird.

(Prof. Dr. Hans Otto Triebelmann in seiner Antrittsrede als Staatssekretär für Feldwegebau und Schlaglochbeseitigung)

Manche mögen einwenden, dass die Welt so schlecht auch wieder nicht sein kann.
Jeder Fehler hält die Wirtschaft in Gange.
Heute bauen wir Unnötiges,
und morgen lassen wir es wieder abreissen.
Das bringt die Binnenkonjunktur in Schwung!
Schafft Arbeitsplätze.
Gucken Sie doch mal über Ihren Tellerrand,
um Himmelswillen!
Diesen Effekt haben Sie nicht,
wenn Sie schwarze Kinder füttern!
Das bringt sowieso nichts,
weil wir diese Menschen noch füttern müssten,
wenn sie 70 Jahre alt geworden sind.
Ich zitiere hier nur das gesunde Volksempfinden!

(Prof. Dr. HOT in BILD)

Zum Begreifen der Zustände auf unserem Globus ist ein Mindestmass an Intelligenz erforderlich; nur so wird es möglich, zu verstehen, dass private Existenzen durchaus lebenswert sein können und dennoch das Kollektiv „Mensch“ tödlich erkrankt sein kann. Die Ignoranz der Ersten Welt verhindert die Wahrnehmung von Hoffnungen der Zweiten Welt und des menschlichen Elends in der Dritten Welt. Der Einzelne fühlt sich nicht in der Pflicht und verweist auf seine Steuerzahlungen und die Politik – vergebens, wie er weiss.

Augen zu, und durch! Haben wir immer so gemacht.
Nur die Starken überleben!
Endzeit – Eiszeit!
Die Tigerstaaten sind nicht aufzuhalten,
wohl aber die verelendeten.
Man ist oben, oder unten. In der Mitte ist nichts.
Die sind links oder rechts. Nicht in der Mitte.
Wir sind eine Kulturnation:
Gesellschaftlich oben oder unten,
politisch in der Mitte.
das ist unsere Stärke.
Wer das nicht versteht,
soll sich in die Ostzone davonmachen.
Gott im Himmel, ich weiss: Die Wiedervereinigung.
Was für ein Saustall.
Aber die Starken überleben. Richte Dich drauf ein!

(Prof. Dr. HOT auf dem Oktoberfest)

Man kann es drehen und wenden – es wird nichts Gutes draus. Darum fordere ich

die Abschaffung der Politik.

Begründung: Die Politik hat sich über Jahrhunderte als unfähig erwiesen, den Menschen zu dienlich zu sein. Zu „dienen“. Sie ist nur fähig zu herrschen.

Zugleich, und mit derselben Begründung, fordere ich

die Abschaffung der öffentlichen Verwaltung
in ihrer heutigen Form, voran die Beseitigung des Beamtenstands. Er ist entbehrlich, wenn Politik nicht mehr existiert. Er hat stets der politischen Macht gedient, eher selten den Bürgern.

Du hast es doch nicht vergessen?
Dies ist eine Science fiction-Geschichte!
Man wird doch einmal träumen dürfen, nicht wahr?
Ist eine solche Vorstellung nicht gigantisch?
Im Norden sagen wir: Hau wech den Scheiss!
Tom Clancy-Leser kennen das.
Ein Japs haut den Scheiss wech –
beide Häuser des US-Kongresses,
einschliesslich aller Minister –
Ex-CIA-Mann Jack Ryan for president!
Tom Clancy meint, es wird schon gehen.
Alles ist machbar.
Wenns en miniature klappt, dann auch im grossen Stil.

(HOT privat)

Mit der Beseitigung dieser Institutionen muss die Einrichtung einer neuen, in ihrem Kern deutlich verbesserte Organisation des Gemeinwesens einhergehen. Daraus leite ich den dritten Teil meiner Forderung ab:

Einrichtung einer Weltregierung

Ja was denn sonst? Es muss ja, denn anders wäre es
ja langweilig, und schliesslich sind wir alle
im Umgang mit dem Chaos nicht so bewandert,
dass wir uns die Anarchie als Staatsform
auch nur vorstellen könnten.
Weltregierung muss sein,
sonst ist es nicht fiktiv genug.

(HOT privat)

Aktivitäten, zeitliche Abläufe und Abhängigkeiten werden in einem Netzplan abgebildet; er ist verbindlicher Handlungsrahmen für alle mit der Neuordnung betrauten Personen. Politikern und Beamten ist die Mitwirkung an dieser Aufgabe ausdrücklich untersagt.

Da hast Du es. Die Idee ist, dass der Volkskörper
todsterbenskrank ist
und endlich gesund gemacht werden muss.
Die Menschheit hat Pest und Cholera ausgerottet.
Nun ist die nächste Seuche dran.
AIDS kann warten.
Ich liebe Begriffe wie Menschenmaterial und Volkskörper.

(HOT zur Steuerreform)

· Alle Politiker und Beamte werden per Stichtag in den Ruhestand versetzt. Es wird ihnen eine Rente gewährt, die sich am landesspezifischen Durchschnitt der Rente für einen Industriearbeiter ausrichtet. Es ist den Betroffenenen untersagt, öffentliche Aufgaben zu übernehmen. Auf den Ersatz von während der Amtszeit verursachten Schäden wird grundsätzlich verzichtet, solange Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit ausgeschlossen werden können. Sind solche Verschulden jedoch nachgewiesen, bleiben strafrechtliche Konsequenzen und die Haftung mit dem Privatvermögen des Betroffenen vorbehalten.

Gewiss, hier riecht es verdächtig nach Vergeltung.
Du darfst Deiner Nase vertrauen.
Aber diese Massnahme wäre in meiner Utopie unverzichtbar.
Man muss Ursachen bekämpfen, nicht Symptome.
Ich kenne einen Lehrer, der kerngesund mit 39
wegen gesundheitlicher Gründe
in den Vorruhestand gegangen ist.
Nun kann man ihn auf dem Tennisplatz treffen. Aus diesem, und anderen Fällen leite ich die Zumutbarkeit der Massnahme ab.
Das ausgesprochene Berufsverbot ist eine
Notwehrmassnahme und darum
moralisch gerechtfertigt.

(HOT privat)

· Personen , die mit öffentlichen Aufgaben befasst sind, werden ausnahmslos den in der Privatwirtschaft Beschäftigten gleichgestellt. Privilegien und Dienstränge sind beseitigt. Die Vergütung ist ausschliesslich aufgaben- und leistungsorientiert.

Ja, die Bosheiten nehmen kein Ende.
Eine zieht die nächste nach sich.
In meiner Phantasiewelt wird ein Beamter
im Rang des Amtmanns zum Oberamtmann befördert,
nur weil er die Verweilzeit
auf seinem Bierarsch ausgesessen
und keine Schnellhefter geklaut hat.
Seine Arbeitsleistung interessiert kein Schwein –
nein, auch nicht den Vorgesetzten.
Kannst Du Dir vorstellen, dass in einem Bauamt
zwei junge Beamte
mit dem Verkauf von durchschnittlich 9 Mülltüten täglich beschäftigt werden,
sodass diese Typen damit begonnen haben,
im örtlichen Telefonbuch zu lesen? Nein?
Keine Sorge, alles Science fiction!

(HOT privat)

· Die Hierarchien der öffentlichen Verwaltung werden neu gestaltet. Eine weltweit tätige Unternehmensberatung mit Erfahrung aus dem öffentlichen Dienst wird mit der Konzeption beauftragt. Die Einrichtung eines öffentlichen Dienstes hat höchste Priorität. Gleichzeitig wird unverzüglich ein kommissarischer Senat, bestehend aus fünf Personen unterschiedlicher Nationalität als oberste Entscheidungsinstanz eingesetzt.

In meiner fremden Welt sind die Hierarchien
durch die Einrichtung vieler Ebenen
zu eigenartigen Gebilden gediehen.
Eigenartig mögen sie sein,
aber sie nutzen den Hierarchen.
Viele Stufen – viele Titel – viele Aufstiegsmöglichkeiten – viel Knete.

Ja küss´die Hand, Frau Unteramtmann! Dem Herrn Amtmann geht´s prächtig, hoff i! Hat er heute wieder neun Müllbeuterln verkauft?
Ja prächtig, Frau Unteramtmann! Küss die Hand, und servus!

An dieser Stelle wird erstmalig diese äusserst merkwürdige Nationalitätenfrage thematisiert;
in undifferenzierter Denke wird
offener und versteckter Chauvinismus gepflegt,
und gar gefordert.
Es reicht nicht , ein Mensch zu sein.
Nein, ich muss ein Deutscher sein, und darauf auch noch stolz. Andernfalls: Vaterlandsverräter!
Kein Mensch hat mir bisher erklärt,
warum ich etwas sein muss,
was ich eh bin, was mir angeboren ist, unabänderlich, wie meine Haarfarbe.
Ich bin stolz, ein Brünetter zu sein!
Naja. In einer SF-Geschichte geht sowas zur Not.

(HOT privat)

Die Weltregierung wird nach folgenden Grundsätzen gestaltet:

· Staatsform ist die Föderation. Einziger Grund ist die Sicherstellung der kulturellen Identität beigetretener Völker. Volk in diesem Sinne sind nicht allein Nationen, sondern auch Volksstämme.

Ja, das wird die Bayern aber freuen!
Sie bleiben Deutsche,
sie bleiben Bayern,
sie bleiben Träger von Dirndl und Lederhose und –
sie tanzen weiterhin ihren Schuhplattler.
Vor allem anderen aber bleibts dabei:
Wer nach 12 Uhr mittags eine Weisswurscht zutzelt,
ist ein Depp!
Ich hoffe, das Stammesprivileg giesst Öl auf die Wogen, macht vergessen, dass man künftig für Bäderaffairen und Amigo-Spiele
nach Stammheim
in den Hochsicherheitsknast gehen wird.

(HOT privat)

· Sie erhält eine Verfassung, die den Föderalismus im einzelnen regelt.

· Der Beitritt zum Staatenverbund ist freiwillig. Beitrittswillige Staaten dürfen nicht zurückgewiesen werden. Ebenso ist ein späterer Ausschluss oder ein freiwilliger Austritt aus der Staatengemeinschaft ausgeschlossen. Mit dem Beitritt werden für die betreffende Nation alle Vorschriften und Regelungen des Weltregierungssystems wirksam. Sie können, falls nicht auf andere Weise möglich, mit Hilfe staatlicher Gewalt durchgesetzt werden.

Willst Du nicht mein Bruder sein,
so schlag ich Dir den Schädel ein!
Unfug.
Der Mensch bleibt, wie er ist.
Darum setzt ihm das Kollektiv Schranken.
Es ist ein gutes Rechtsprinzip,
wenn der Gemeinnutz Vorrang erhält
vor dem Eigennutz.

Ich hatte eine Zeitlang ein Problem mit der Vorstellung, die USA wollten meinem Staatenverbund beitreten.
Inzwischen ist mir klar,
dass sie das nicht tun würden.
Die sind nicht so.
Und es gut so. Ihnen fehlt noch die sittliche Reife.
Das dauert …..
(HOT privat)

· Im Staatenbund herrscht das Gleichheitsprinzip. Die Wahrnehmung nationaler Interessen ist ausgeschlossen. Die soziale Gleichstellung aller im Verbund vereinten Nationen ist oberstes Ziel.

Ich fürchte, nun ist Frankreich auch draussen.
Ein Segen, dass die Franzosen mit den USA
nichts am Hut haben.
Ich beginne zu ahnen, wie Spaltpilze wirken werden.
Lega Nord in Italien, FPÖ in Austria, Bayern in Germany, alle Staaten, die sich zu den Geberländern rechnen werden – sie alle
werden gequält aufschreien und einen Qualm in der Küche entfachen, dass die Bürger den Durchblick völlig verlieren.

(HOT am Stammtisch)

· Die Nationalität der Mitgliedsstaaten mit ihren kulturellen Eigenheiten bleibt unangetastet. Lediglich das staatliche Bildungssystem wird international vereinheitlicht.

Ja, wir werden uns erneut um die Frage
nach dem Kruzifix im Klassenzimmer
streiten müssen.
Mir schwebt vor, das Kreuz in die Wand einzumauern, sodass es erst garnicht
abgenommen werden kann.
Und wenns nicht runterfällt,
kanns auch keine Kinder verletzen.
Prinzipienreitende Eltern lässt man
durch den Pedell auf die Strasse werfen.
Schon ist eine Ruh`!
In Sachen Bildungssystem könnte man Deutschland
den Nehmer-Ländern zurechnen –
wegen des Platzes 25
in der letzten PISA-Studie.
(HOT beim Kultusminister)

· Die Organisation des Regierungssystems verhindert, dass Macht in die Hände einer einzelnen Person oder einer einzelstaatlichen Mehrheit gelangt. Die Ressorts werden durch Fachkommissionen verwaltet, die aus mindestens fünf, aber höchstens neun Mitgliedern bestehen. Sie entscheiden ggfs. mit einfacher Mehrheit.

· Jede Fachkommission delegiert ein Mitglied in das höchste Staatsorgan, den Senat. Die Mitarbeit in diesem Gremium ist ehrenamtlich.

· Regieren bedeutet die Anwendung von Fachwissen zum Wohl der Allgemeinheit. Bewerber um ein Regierungsamt müssen ihre fachspezifische Qualifikation nachweisen. Sie werden durch eine unabhängige Kommission ernannt. Ziel ist, die besten Köpfe zusammenzuführen. Die Nationalität der Kandidaten bleibt ausser Ansatz. Wahlen finden nicht statt. Die Amtszeit der Kommissionsmitglieder ist unbefristet.

Kommissionen statt Ministerien –
nicht gerade sensationell.
Fachleute statt Politiker – haben wir schon.
Ehrenamtliche Arbeit – Phantasie eines Kranken.
Mehrheitsentscheidung – primitiv!
Unser Minister
entscheidet immer einstimmig.
Wo bleibt hier die SF?
Ist etwa gemeint, das Regieren in die Hände
von Wissenschaftlern zu legen?

(HOT alarmiert)

· Die Ernennungskommission wird Amtsinhaber entfernen, wenn ihre Unfähigkeit und/oder Unredlichkeit offenkundig geworden ist. Rechtsmittel gegen die Entfernung aus dem Amt sind nicht zulässig.

Da haben wir´s.
Unfähige oder Unredliche
aus dem Amt zu entfernen –
das haben wir in der Realität
garnicht nötig.
Solche Figuren bleiben von ganz allein im Amt.
Besonders schlitzohrige Gesellen
lassen sich sogar wiederwählen.
Die gewaltsame Entfernung aus dem Amt, womöglich um den Preis einer Grundrente,
wie sie jedem Bürger zukommen wird –
schlicht unsozial.
Wie schön, dass wir das anders geregelt haben.

(HOT im Stimmungstief)

· Das Regierungssystem wird durch eine unabhängige Kontrollkommission überwacht. Ihr stehen ausnahmslos alle öffentlichen Einrichtungen zur Seite. Sie stellt auch sicher, dass die Gesetze verfassungskonform sind. Im Einzelfall kann sie das Recht beanspruchen, letzte Entscheidungsinstanz zu sein. Es ist keine Revision gegen ihre Entscheidungen möglich. Wohl aber kann bei begründetem Verdacht des Amtsmissbrauchs die Justiz eingeschaltet werden. Zu diesem Zweck muss ein temporär tätiger Senat des Verfassungsgerichts eingerichtet werden.

Das alte Problem:
Wer aber bewacht den Wächter?
Kurz gesagt: Wer sich ein Konstrukt ausdenkt,
das Kontrolle beinhaltet,
soll sich nicht wundern,
wenn kontrolliert werden muss, ob die Kontrollinstanz
kontrolliert.
Wir haben das heute in dieser Form nicht nötig.
Es gibt die Proforma-Kontrolle des Bundesrechnungshofs,
die noch nie und niemanden gestört hat,
und basta.
Das kostet einige Millliarden Euro
Steuergelder – peanuts.
(HOT ist nun gegen alles)

· Die Rechtssysteme werden vereinheitlicht. Konflikte aus der föderalen Konstruktion des Staatenverbunds werden dem Verfassungs-gericht vorgetragen. Er entscheidet endgültig.

· Amtssprache ist Englisch. Nationale Sprachen und Dialekte sind Kulturgüter und förderungswürdig.

Erst der Euro, und jetzt das?
Wir ging das nochmal:
I am, you are, he, she, it is shit?

(HOT in Panik)

· Kirchenkonkordate und andere, den Staat und die Kirche gemeinsam betreffenden Vereinbarungen werden ersatzlos ausser Kraft gesetzt. Die Religionsfreiheit ist gewährleistet.

Darf nicht kommentiert werden.
Verletzt religiöse Gefühle.
Die Säkularisierung glaubten wir abgeschlossen.
Was steht eigentlich in diesen Konkordaten?
Konkordia – die Eintracht … oh oh

(HOT nachdenklich)

· Das Wirtschaftssystem wird nach dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft umgestaltet. Zeitlich begrenzte, dirigistische Massnahmen zum Zwecke der Ausrichtung auf dieses Ziel sind zulässig. Die Zwangsverstaatlichung einzelner Unternehmen oder ganzer Wirtschaftszweige darf nur befristet, längstens für fünfzehn Jahre durchgeführt werden. Zwangsenteignungen bedürfen der Zustimmung eines Wirtschaftssenats des Verfassungsgerichts.

Was heisst hier: Umgestaltet?
Was glaubst Du denn, was wir hier praktizieren?
Dirigistische Massnahmen des Staates? Völlig unmöglich. Wie bitte? Die EU? Das ist was ganz anderes. Davon verstehst Du nichts.
Zwangsverstaatlichung, Zwangsenteignung sind für das freie Unternehmertum unannehmbar – was soll nur aus dem Spritpreis werden, wenn man uns nach den Feiertagen die Klitsche wegnimmt?
Ruhig, Leute – es ist nur eine SF-Geschichte!

(HOT will ruhiger werden)

· Arbeit ist Bürgerpflicht. Sie kann angeordnet werden, wenn keine zwingenden Gründe für die Freistellung nachgewiesen werden. Arbeitsverweigerung bleibt straffrei. In diesem Fall besteht kein Unterstützungsanspruch.

Das ist jetzt mal wieder ein Hit.
Da freut sich der Stammtischbruder:
Habe ich schon immer gesagt.
Man muss dem Pack auf die Beine helfen.
Heute sind wir da schwach auf der Brust.
Wird aber auch Zeit.

(HOT zeigt Begeisterung)

Es werden über die bisher genannten hinaus die folgenden Kommissionen eingerichtet:

· Kommission für das Polizeiwesen

Sie führt eine Polizei-Einheit mit paramilitärischer Ausbildung. Die Zugehörigkeit ist freiwillig. Ausbildungs- und Ausrüstungsstandards sollen höchste Effizienz sicherstellen. Ihre Aufgaben sind die innere und die äussere Sicherheit. Wird ihr Einsatz gegen einen Mitgliedsstaat erforderlich, so entscheiden dies der Regierungssenat, die Kontrollkommision und das Verfassungsgericht gemeinsam mit Dreiviertel-Mehrheit.

Der Strafvollzug ist Aufgabe der Polizei.

Wer sich in Gefahr begibt,
kann darin umkommen.
Darum ist kein Soldat der Bundeswehr
daran interessiert,
irgendwo hinzugehen, wo geschossen wird.
Der Sold wird kassiert für die Präsenz
in der Etappe.
Dort, wo auch der Generalstab steckt –
in Sicherheit.
Ist ein toter General eigentlich schlimmer
als ein toter Gefreiter?
Weg mit solchem Ballast.
Wir stecken das Geld in die Polizei;
Polizisten setzen sich Gefahren
für Leib und Leben aus,
ohne deshalb zu jammern.
Ein toter Polizist ist schlimmer
als ein toter General.

(HOT in der Spur)

· Kommission für das Sozialwesen

Ihre Aufgaben ergeben sich aus den Themenkreisen Arbeit, Rente und Sozalhilfe. Jede arbeitsfähige, aber arbeitslose Person ist verpflichtet, in einer der Sozialstellen um Arbeit nachzufragen. Dort wird Sozialhilfe dann gewährt, wenn Arbeit nicht angewiesen werden kann. Arbeitssuchende sind verpflichtet, auch unterqualifizierte Arbeit anzunehmen; die Sozialstellen wiederum sind verpflichtet, schnellstmöglich einen der persönlichen Qualifikation entsprechenden Arbeitsplatz anzubieten. Sozialhilfe garantiert das Existenzminimum. Dieses wird in Abständen von 6 Monaten auf Tragfähigkeit überprüft. Das Arbeitsentgelt für eine Vollzeittätigkeit beträgt mindestens 230 Prozent der Sozialhilfe. Wird Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen, dann wird Sozialhilfe in dieser Höhe gewährt. Die Kindergeldregelung bleibt davon unberührt. Das Solidaritätsprinzip in der Rentenversicherung bleibt gewährleistet. Es wird eine Grundrente an alle Versicherten gezahlt, sobald sie Anspruch auf Rentenzahlung haben. Eine private Zusatzversicherung ist zu erzwingen – die Voraussetzungen schafft die Kommission für das Sozialwesen.

Man sagt, Arbeit mache das Leben süss.
Ich vermute, dieser Euphemismus
stammt aus der Feder
eines der Grimm-Brüder.

Der Wurm, er schuftet sich halbtot,
in seinem Kampf ums täglich Brot,
und baggert durch die Erde.
Viel bleibt ihm nicht, und in der Not
erfleht er von dem Würmergott
die Scheisse einer Rinderherde.

Der Mensch ist besser dran.
Er muss keinen Mist fressen, obschon ers tut,
weils ihm vorgesetzt wird.
Er muss keine Löcher graben
und aus 500 g Erde
die Energie herauszufiltern, die er für einen Zentimeter Wachstum braucht –
nichts dergleichen.
Statt dessen einen 8-Stunden-Arbeitstag,
stets Nahrhaftes auf dem Tisch,
dazu die Vitaminpillen von Dr. R.,
Ruhe und Erholung, TV –
nur nicht für alle.
Irgendwo sollen Menschen leben,
die schlechter dran sind als der Wurm.
Teile ich das, was ich habe,
mit einem dieser Menschen,
so geht es uns beiden gut.
Nur: Teilen ist wider die menschliche Natur.
Das Individuum tut sich da ein wenig schwer, also muss die Gemeinschaft die Sache in die Hand nehmen und auf eine verträgliche Weise die Umverteilung der Güter durchführen.
Und solange jedermann zahlen muss,
wird die Gegenleistung
in Form von Arbeit abverlangt.
Neu: Von jedermann, der kann.

(HOT zieht jetzt mit)

· Kommission für auswärtige Angelegenheiten

Erklärtes Ziel ist es, diese Kommission aufzulösen. Solange Einzelstaaten ihre Selbständigkeit bewahren, wird diese Kommission die Beziehungen koordinieren. Die Entscheidungsgewalt liegt in den Fachkommissionen. Diplomatische Vertretungen sind nicht vorgesehen.

Aufgabe dieser Leute wäre es,
sich selbst überflüssig zu machen.
Mag sein, dass heute jeder Staat
seinen Reiseminister benötigt.
Nur was treiben mehrere hundert Beschäftigte
im Auswärtigen Amt?
Beispiel: Aufgabe des deutsch-amerikanischen Koordinators ist die Stärkung der transatlantischen Beziehungen.
(O-Text aus dem Aussenministerium)
Stöpsel ziehen – Luft rauslassen –
ein schöner Traum.
Fiktion, leider.

(HOT privat)

· Kommission für innere Angelegenheiten

Ihre Aufgaben besteht in der Führung der Polizei, der Personenregister, des Katastrophenschutzes, die Personalverwaltung für die im öffentlichen Dienst Beschäftigten, ausgenommen deren disziplinarische Angelegenheiten, sowie die Integration neuer Beitrittsstaaten, ferner andere administrativer Aufgaben, soweit sie nicht durch andere Kommissionen übernommen werden können.

Staatliche Administration ist unvermeidbar.
Verschlanken – ja.
Neu strukturieren – ja.
Leistungsfähigkeit ohne Rücksicht
auf die Kosten – ja.
Zentraler Dienstleister? – Genau das.

(Hot stolz)

· Kommission für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten

Ihre Aufgabe ist die Regelung der Einnahmen- und Ausgabenpraxis der Staatengemeinschaft. Zuvörderst hat sie ein Besteuerungssystem zu pflegen, das für jedermann verständlich bleibt, die Transparenz der Steuerpflicht für Unternehmen wie für Privatpersonen sicherstellt, sozial gerecht bleibt, und die Staatsausgaben finanziert. Sie wird bei den Staatsausgaben durch ein System von Finanzstellen unterstützt. Die Entscheidungsträger in diesen Stellen werden bei vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführtem Verlust von staatlichen Mitteln mit Strafe und dem Ersatz des Schadens bedroht. Im Bereich der Wirtschaft liegt ihre Zuständigkeit bei den Förderungsmassnahmen sowie den staatlichen Zwangsmassnahmen wie Privatisierung staatlicher oder Verstaatlichung privater Unternehmen.

Der Staat praktiziert heute
noch immer ein System,
das man kameralistische Buchführung
nennen kann.
Sie basiert auf der Rechnungslegung
für Einnahmen und Ausgaben,
und praktiziert einen Vergleich
mit den Haushaltsplänen.
Dieses System ist von einer modernen,
aussagefähigen Kostenrechnung
so weit entfernt wie der Mond von der Erde.
Aber es ist bequem zu handhaben.
Unternehmen der Privatwirtschaft könnten
mit derlei Firlefanz nicht bestehen,
und gingen in Konkurs.
Staaten prinzipiell auch.
Die deutsche Schuldenuhr
tickt unaufhaltsam,
sie zählt mittlerweile
weit über der Billionen-Marke.
Die Verursacher verhalten sich merkwürdig still.

(HOT inkompetent)

· Kommission für Justizangelegenheiten

Aufgabe dieser Kommission ist die Vorbereitung neuer Gesetze sowie die Gerichtsbarkeit, ausgenommen sind die Verfassungsangelegenheiten. Sie bestellt die Richter, und beruft sie ab. Für die Dauer ihrer Amtszeit bleiben die Richter in jeder Beziehung unabhängig, sind nur an das geschriebene Recht gebunden. Richtern und hauptamtlichen Staatsanwälten ist jede Art der Nebentätigkeit untersagt.

Die für die nationalstaatlichen Kulturangelegen-heiten notwendigen rechtlichen Regelungen verbleiben in deren Verantwortung. Rechtsfragen, die im Zusammenhang mit selbständigen Nationalstaaten stehen, liegen in der Zuständigkeit dieser Kommission.

No comment.

· Kommission für Bildung

Bildung und Forschung sind für eine gedeihliche Zukunft des Staatenbundes von herausragender Bedeutung. Die ständig fortschreitenden gesellschaftlichen Veränderungen erfordern eine permanente Anpassung. Sie erfasst sowohl Lerninhalte als auch Lehrmethoden. Ständige Fortbildung der mit Bildungsaufgaben befassten Bürger ist Pflicht.

Staatlich geförderte Forschung findet ausschliesslich in staatlichen Einrichtungen statt. Die Federführung obliegt den Universitäten. Forschungsergebnisse bleiben Eigentum der Staatengemeinschaft.
Ihre privatwirtschaftliche Nutzung kann gegen Lizenzgebühren oder andere Geld- oder geldwerte Leistungen, wie z. B. Sponsoring gestattet werden.

Die Kommission für Bildung wird ein System zur Kontrolle der Leistung in Bildung sowie in Lehre und Forschung einrichten. Bei mangelhaften Leistungen können Lehrende ohne Einhaltung von Fristen aus dem Amt entfernt werden. Die dazu benötigte abschliessende Beurteilung obliegt dieser Kommission.

Der Kommentar eines Profs
der Universität Hamburg:
„Sie haben ja einen Dachschaden!“
Spricht Bände, nicht wahr?

· Kommission für Landwirtschaft und Ernährung

Es ist die Aufgabe dieser Kommission, für die Bürger der Staatengemeinschaft eine ausreichende Versorgung mit gesunden Nahrungsmitteln sicherzustellen. Zu diesem Zweck wird sie neben Forschungs- auch Produktionseinrichtungen mitfinanzieren. Hierbei handelt es sich um zweckgebundene Subventionen an Landwirtschaft und Industrie.

Weitergehende Subventionen werden nicht gewährt.

Des weiteren wird diese Kommission der Gesetzgebung in Fragen des Lebensmittelrechts zuarbeiten, und die Qualität der angebotenen Produkte kontrollieren. Sie hat die Befugnis, Produktionsbetriebe befristet oder unbefristet zu schliessen, wenn nachweislich gegen das Lebensmittelrecht verstossen wird.

Die Kommission wird den biologischen Anbau forcieren.

Haben wir alles.
Und wenn wir etwas noch nicht haben,
so arbeiten wir dran.
Wenn wir aber noch nicht dran arbeiten,
so wollen wir es doch,
und wir werden es auch tun.
Sofern wir aber nichts tun,
so heisst das noch lange nicht,
dass wir es nicht wollten,
sondern, dass wir es nicht können.
Nachdem wir das klargestellt haben,
ist klar geworden:
Man muss dauernd
vom Fahrrad fallen,
um solche Ideen zu entwickeln.

(Karl N., Landwirt)

· Kommission für Bau- und Verkehrswesen

Diese Kommission hat zum Ziel, im Bereich der Mitgliedsstaaten für eine angemessene Form des Wohnungsbaus zu sorgen und dabei insbesondere moderne Hygienestandards durchzusetzen.

Neben dem privaten ist der soziale, staatlich geförderte Wohnungbau eine tragende Säule. Die Kommission wird für eine stringent am Bedarf orientierte Bauleistung Sorge tragen. Die Höhe der Mieten für staatlich finanzierte Wohnungen bemisst sich an der Familiengrösse und dem Gesamt-Nettoeinkommen der Familie.

Der öffentliche Wohnungsbau wird für die Entwicklung und Beachtung von Leitlinien Sorge tragen, deren Zielsetzung humanes Wohnen sein wird. Ghetto-Bildung für Randgruppen jeglicher Art sind auszuschliessen. Urbanes Wohnen wird ausdrücklich gefördert.

Im Verkehrswesen werden vordringlich zwei Ziele verfolgt. Zum einen müssen die Verkehrswege instandgehalten werden, zum anderen der Gütertransport vom Individualverkehr getrennt werden. Transport per Bahn und Schiff werden durch Investitionen in deren Verkehrswege gefördert. Desselbe gilt für den öffentlichen Personenverkehr. Fahrzeuge mit Schadstoff-Emmission werden nach einer Übergangsfrist von maximal 7 Jahren aus dem Verkehr gezogen und auf Staatskosten verschrottet bzw. recycled.
Deshalb wird der öffentliche Nahverkehr vordringlich ausgebaut.
Die Finanzierung dieser Massnahme wird durch eine zweckgebundene Verwendung der Mineralölsteuer sichergestellt.

Just-in time-Verfahren und artverwandte Methoden zur Senkung der Kapitalbindung in den Lägern der Privatwirtschaft durch Verlagerung der Bestände auf rollenden Verkehr sind untersagt.

· Sitz der Weltregierung:

Regierungssitz ist Butzbach (Hessen)

Eigenartig; was für eine Utopie! Man sollte denken, die Menschen hätten ihr Gemeinwesen in eine solche oder ähnliche Richtung entwickelt. Man sollte annehmen, die leidvollen Jahrhunderte hätten zur Anwendung der Vernunft geführt und fruchtbare Wirkungen gezeitigt.

Sie haben.
Nur ist das Ergebnis geringfügig anders geraten.

Eine Kleinigkeit

Fundsache aus unserem Garten: Ein Zettel in einem Wurmloch!

Der Wurm, er schuftet sich halbtot,

in seinem Kampf um täglich Brot,

und baggert durch die Erde.

Viel bleibt ihm nicht, und in der Not

erfleht er von dem Würmergott

die Scheisse einer Rinderherde.

Spiegel-Sichten

Ist Dir schon mal ein Spiegel zerbrochen? Ich glaube, man sagt, ein solches Ereignis bringe Unglück. Mag sein. Ich bin in der Welt des Aberglaubens nicht so recht zu Hause. Nicht  so recht? Das impliziert „ein wenig“ – vielleicht genauso viel, wie ich zu gestehen vermag. Es ist unvermeidbar, dass man den Aber-glauben in sich selbst kennenlernt. Immerhin geschehen Ereignisse auf mehr als eigentümliche Weise – in der Wirklichkeit.

Dennoch: Ein zerbrochener Spiegel gehört nicht zu jenen Objekten, die mir dunkle Gedanken aufzu-zwingen vermögen. Wohl aber eröffnet der Blick in einen zerbrochenen Spiegel, dessen Teile sich beim Fall auf den Fussboden in drei Dimensionen asymmetrisch angeordnet haben, sehr fremdartige Sichten – so fremdartig wie die neue Ordnung des Spiegels.

Zugegeben, es ist ein schwieriges Unterfangen, einen solchen Zustand eines grossen Spiegels zu rekonstruieren. Ein teures zudem. Sollte Dir solcherart Unbill dennoch einmal widerfahren, dann fluche. Einmal, zweimal. Und dann nimm Dir Zeit. Schaue hin, und bemerke, was Du entdeckst, und welche Gedanken Dich bewegen.

Spiegel verkehren ihre Sicht der Dinge,
setzen Zeichen,
brechen und schaffen neue Sichten.

Sie sagen damit: Schaue,
Mensch, und bedenke:
Negatives ist Spiegelung des Positiven.

Fehlendes hat stets besonderen Wert!
Brüche und Verluste – auch das ist Leben.

Sei mutig, Mensch,
und richte Deinen Blick
in die Ferne.
Hier ist Gegenwart,
dort aber die Zukunft.

Vertraue deinem zweiten Blick.
Die Spiegel sagen: Schaue,
und folge Deinen Gedanken.

Sie sagen:
Sei mutig, Mensch!
Schritt für Schritt nach vorn
ist neue Wirklichkeit,
rückwärts gewandt
ist längst gelebtes Leben.

Begegnung mit einem Vogel

Ich hörte soeben ins Net-Radio und hielt mich bei einer hübschen Melodie auf; es waren die „Conversations with Angels“ von Ariell. In Sekundenschnelle hatte sich ein Gast eingefunden, sass plötzlich in meinem geöffneten Fenster, auf der Fensterbank,  just auf einem Roman von Frank McCourt mit dem Titel „Die Asche meiner Mutter“.

Merkwürdig, denke ich, und wage nicht, mich  zu rühren.

Die Musik wechselte zu Secret garden mit der „Hymn to Hope“, und der Spatz sass noch immer vor meiner Nase und blickte mich unverwandt an. Ich vermutete, dass es Vögel geben mag, die nicht korrekt ticken.

Die Hymn to Hope jedenfalls trifft Dich auf die gleiche Weise wie das Ave Maria von Bach/Gounod, wenn Du in der passenden Stimmung bist. Sie ist einfach schön. Vielleicht eine Spur zu pathetisch. Vielleicht ein wenig schnulzig. Aber sie trifft die Seele – mittschiffs, wenn man unvorbereitet ist.

Wieder wechselte die Musik, nun zum „Divertimento“  von Secret garden. Das geht etwas flotter, ein wenig lauter. Der Spatz wandte sich ab und flog davon.

Ich habe mir mein Buch genau angesehen. Dort waren zwei winzige Wassertröpfchen zu sehen.

Sachen gibt´s, nicht wahr?

Dann wäre da noch die Musik!

Musik bis der Arzt kommt, oder der Nachbar, weil er endlich seine letzte Nachtschicht wegschlafen möchte.

Diese Koreaner! Blasen einen Hamburger Shanty seelenvoll auf einer Mundharmonika, und senden ihn als new age music – das hat doch was!

Ich denke, dass man sich für Musik einen eigenen Masstab suchen sollte – sofern man damit etwas am Hut hat.

Die Musik ist eine Klangwelt besonderer Art. In ihr sind gewaltige Bögen gespannt, von den Gregorianischen Gesängen bis zum Tekkno, vom Didgeridoo bis zum elektronischen Keyboard, von Hamburg bis Hawaii.

Wir sind mittlerweile daran gewähnt, Musik als Hintergrundgeräusch zu konsumieren. Gut, dagegen gibt es nichts einzuwenden. Nur: Es ist eben nicht Musikhören im eigentlichen Sinne.

Musik verdient Aufmerksamkeit. Ich glaube, dass man erst bei ungeteilter Aufmerksamkeit entscheiden kann, ob man eine Komposition mag, oder nicht.

Möglich, man entdeckt Schönheit, wo man sie nie vermutet hätte. Ich hatte an anderer Stelle schon auf dieses Phänomen hingewiesen, mit einem Sechs-zeiler von Marie von Ebner-Eschenbach. Er ist es wert, wiederholt, ja sogar auswendig gelernt zu werden:

Ein kleines Lied, wie gehts nur an,

dass man so lieb es haben kann?

Was hat es nur? Erzähle.

Es liegt darin ein wenig Klang,

ein wenig Wohllaut und Gesang,

und eine ganze Seele.

Diese Sprache ist von schlichter Schönheit –  es ist gesprochene Musik.

Öffne Dein Herz, mein Freund, und höre zu. Sie hat ohne Pathos, in klarer Sprache ausgedrückt, wofür mir die Worte fehlen.

Vielleicht gehts so: Wir können aus Musik nur heraushören, was hineingeschrieben wurde. Legt der Autor Seele in sein Werk, dann können wir sie vielleicht wahrnehmen. Vielleicht meint, dass auch unsere Seele auf Empfang geschaltet sein muss.

Musikgenuss ist ein Brückenschlag der Seelen – vom Komponisten zum Interpreten zum Hörer.

Ich habe irgendwo gelesen, Gemeinschaft sei eine Sache der Seele. Im Zustand der Harmonie einer Gemeinschaft kannst Du glückliche Momente erleben.

Teufel noch eins. Mag sein,  ich bin hier sentimental im Sinne von rührselig geworden.  Na und? Man muss doch mal darüber nachdenken dürfen, warum die Musik in der Psychotherapie eine so grosse Rolle spielt, und warum Musik zu Tränen rühren kann, oder? Was liegt darin? Erzähle!

Kann es sein, dass Du mich immer noch nicht verstehst? Dann höre wieder mal bei QUEEN und Freddy Mercury

rein …..

One man, one goal, one mission,

one heart, one soul, just one solution,

one flash of light – yeah one god, one vision!

Think positive!

Ich sollte mir wohl abgewöhnen, auf alles, was mir auf den Keks geht, umgehend zu reagieren. Die eben geschriebene Mail an einen Bürgerservice ist wieder ein Beispiel für die Vergeblichkeit ehrlichen Bemühens und die Flüchtigkeit nicht zu Ende gedachter Gedanken. Es ist, als ob Du einen Brückenpfeiler fertiggebaut, und dabei vergessen hast, dem Beton Zement unterzumischen. Das Ding steht, sieht gut aus, wird trocken, und ein Windhauch weht es um und weg. Es endet in einer Sandwolke, und Du darfst wieder von vorne beginnen.

Warum nur macht man immer wieder die gleichen Fehler? Nicht nur Du und ich sind von dieser Schwäche befallen – nein, es ist die ganze Welt. Gesund oder krank, jung oder alt, mit oder ohne Hirn – immer die gleiche  Sch …. Du weisst schon.

Think positive!

Auch Schatten färben ab. Wenn Du lange genug auf der Schattenseite verweilst, kriegst Du selbst einen. Am Ende stört Dich der Krümel auf dem Damast, und Du reibst, zerdrückst ihn zu einem schwarzen Fleck, um Dich gleich darüber zu erregen, dass weisse Tischtücher so selten geworden seien, Deine Familie sich über Dich schwarz ärgert und sich mit weissem Gesicht verdrückt – es ist Zeit, mein Freund, zum Psychiater zu pilgern und mit der ersten von kostspieligen 54 Sitzungen à 20 Minuten zu beginnen. Den mit dem Doktor kannst Du Dir nicht leisten, also nimmst Du den ohne Doktor in Anspruch, der hat nur einen Stundensatz von …. naja, 60 mal 100 geteilt durch 2, das macht ungefähr 3000 für 20 mal 100 geteilt durch 2 macht 1000 Minuten, wobei 3000 geteilt durch 1000 gleich 3 durch 1 macht 3 für eine Minute, also 3 mal 60 gleich 180 pro Stunde, Euro natürlich, und das wären 360 Mark Stundenlohn. Mitgekriegt? Überleg mal! Das kriegt der von mir? Und alles wegen eines Schwarzbrotflecks auf dem Damast-Tischtuch?

Think positive. Kürzer: Think! Diesen markanten Spruch hatte bekanntlich Jim Watson, der grosse alte IBM-Boss so über seinem Schreibtisch aufgehängt, dass seine Besucher ihn unvermeidlich zur Kenntnis nehmen mussten. Ein Wort, ein Programm. Setzt man positive hinzu, könnte auf Jimmies plate auch Laugh! stehen. Oder Heute schon gelacht?

Sag mal: Kann es eigentlich wahr sein, dass wir 180 Eier löhnen, nur um uns von einem Psycho-Fritzen fragen zu lassen, ob wir heute schon gelacht haben? Und wenn ja, warum? Oder wenn nein, warum gerade eben?

  • Herr Risch, warum lachen Sie?
  • Ich lache über mich selbst!
  • Darf ich wissen, Roland, was Sie an sich selbst so lustig finden?
  • Nein, Klaus-Heinrich, nein, das dürfen Sie nicht!
  • Aber Herr Risch, haben Sie kein Vertrauen zu mir?
  • Doch, Herr Pümpel, das habe ich, aber nicht zu mir!
  • Aber das sollten Sie mir jetzt doch erklären. Mögen Sie?
  • Nein, Herr Pümpel, ich mag nicht.
  • Gut, Herr Risch. Das ist schon einmal ein guter Anfang. Wir haben schon am ersten Tag einen Fortschritt zu verzeichnen!

RRRRRRing!

Klaus-Heinrich Pümpels Küchenwecker kündigt das Ende der ersten Sitzung an, nur ganze vier Minuten zu früh, was bei 20 Minuten gleich 20 Prozent Fehlzeit ausmacht, was 12 Euro entspricht, die ich für nothing zahle, und ich beschliesse, noch ein wenig zu bleiben, werde aber Richtung Tür geschubst, denn draussen steht ein anderer Patient, für andere 16 Minuten, und ich beschliesse erneut, und spontan, diesen Menschen nicht zu befragen, ob er da drinnen schon mal gelacht hat, über sich selbst, und darüber, dass er noch 53 mal hierherkommen muss – soll – darf – ich selbst habe ja nichts unterschrieben – Herr Risch, das ist jetzt garnicht zum Lachen – , aber Jim Watson will mir nicht aus dem Sinn gehen mit seinem THINK! und ich mit meinem Konter LAUGH!, im kategorischen Imperativ voll durchformuliert, kurz, knapp, wahr – nur:

Verdammt nochmal!  Ich habe bei Pümpel tatsächlich herzhaft abgelacht! Überleg mal. Der Sack hat es geschafft. Und dafür soll er auch 60 Eier kassieren. Aber – das ist ab sofort beschlossen und Gesetz – nur diese ersten 60, und ab sofort werde ich kostenlos lachen. Ich denke an Pümpel, ich denke an mich, ich denke an den Höllenstuhl, der statt der berühmten Couch für die Patienten bereitsteht, und ich denke an 60 Euro – und schon geht es mir gut. Naja, sagen wir mal: Besser. Gut gehts mir erst, wenn ich ungepümpelt lache. Wenn ich die Nachrichten des Tages als Witz erlebe.

Wenn mich die Toten des Tages nur noch nachdenklich stimmen, aber nicht mehr  wütend.

Wenn ich meinem Computer mitten auf die Festplatte schreiben kann: Wie, Du machst wieder Zicken? Hier hast Du meine Antwort. C:\\format c: – und servus, Du Depp!

Und wenn ich einem Pümpel ins Gesicht grinsen kann mit der Bemerkung:

Bei mir können Sie lange picken,

bis Sie ans Hirn kommen!

USA auf Raubzug

Dies ist Robert Leroy Mercer. Er ist Amerikaner, 75 Jahre alt und hat als Hedgefondsmanager Milliarden USD zusammenverdient. Man darf getrost davon ausgehen, dass er einer der schlimmsten Finger ist, die je den Planeten Erde gepiesackt haben.

Reichtum zieht eine üble Wirkung hinterher, die Langeweile. Superreiche brauchen eines nicht: Geld. Sie haben so viel, dass sie es nicht mehr zählen konnen. Und so fragen sie sich, was sie mit dem Kapital anfangen könnten. So ergibt sich die Erkenntnis, dass nur noch die Macht über andere, besser: die Macht über Staaten und Wirtschaftssysteme genügend Reize zu bieten haben.

Was tut man dann? Ein Bob Mercer, intelligent bis in die Haarspitzen spendet 25 Millionen USD für den Wahlkampf von Donald Trump, einen anderen schlimmen Finger. Und er spendet nicht aus Sympathie, sondern weil Trump ihm von Nutzen sein wird. Er hat sich den Psychopathen gekauft, und der hat alles unterzeichnet, was man ihm vorgelegt hat.

Inzwischen weiss man, dass Mercer auch britische Politiker gekauft hat. GB war das schwächste Glied in der Kette, die sich EU nennt. Mercers Absicht ist, die EU als Wirtschaftsblock zu schwächen. Eine kranke EU braucht er für einen grossen Plan, den sich der „Club der Milliardäre“ ausgedacht hat. Siehe dazu Infos zur Trilateralen Commission, die nur noch dürftig verdeckt von der Weltherrschaft des Kapitals unter Abschaffung der Demokratie träumt, die also ein globales Feudalsystem errichten möchte, in welchem man die Bürger als moderne Arbeitssklaven hält.

Wir dürfen erwarten, dass Mercer’s Aktionenund die anderer Figuren demnächst weitere Ziele ins Visier nehmen; was mag die Merkel kosten, wenn ich sie für meine Zwecke kaufen möchte?

Ich sehe ein, dass ich hier heftige Schwarzmalerei betreibe. Wie nennt man so etwas heute? Verschwörungstheorie? Muss ich an Warren Buffet erinnern, der sich öffentlich zum Krieg Arm gegen Reich bekannte und aufrichtig erklärte, die Reichen würden gewinnen?
Warum, glaubst Du, reist Steve Bannon neuerdings durch Europa und redet mit den Staatsführern? Er war Mercers Aufpsser bei Trump, irgendwann verbrannt, und nun hat er einen neuen Job: Spaltpilze in die EU säen. Die Polen hat er schon im Sack. Man erzählt, neulich habe man ihn in Italien gesehen. Vermutlich feilt er derzeit an den verrotteten
Kettengliedern der EU herum. Und verrottet ist die EU auf ganzer Linie. Warten wir ab, was mit dem Nordirland-Prpblem zustande kommt. Die Briten haben nun einen neuen Vorschlag dazu unterbreitet. Das Good friday agreement soll weiterhin gültig sein, aber man ignoriert einfach, was drin steht. Ich hoffe, in Brüssel gibt es nun einen Aufschrei, den ich in Hamburg noch höre, oder ein gleichwertigen Riesengelächter. Würde die EU dieses „Angebot“ annehmen, so stünde ein gewaltiges Tor als Zugang zum europäischen Binnenmarkt offen: Keine Normen, keine Verbote, keine Kontrollen, kein Zoll – nichts dergleichen. Dann könnten die Deutschen aus China alles kaufen und fressen, was krank macht, inklusive vergiftetem Milchpulver für Kleinkindernahrung.

Weils mir gerade einfällt: In GB sind die allermeisten Arztpraxen staatlich, gehören zum Nationalen Gesundheitssystem NHS. Nun wird die Regierung diese Praxen an eine amerikanische Gesellschaft verkaufen. Man nennt das Privatisieren. Nun sollen die Praxen Gewinne erwirtschaften. Bürger bezahlen, ein US-Laden kassiert ab.
Der Stolz Britanniens, das NHS hat plötzlich eines seiner zwei Beine verloren. Das zweite Bein, die Krankenhäuser sind später dran. Aber alles wird unter der Decke abgewickelt. Man will ja keinen Volksaufstand.

Es ist an der Zeit, gegen die USA vorzugehen. Sie sind noch immer auf Raubzügen unterwegs. Nach dem WK II haben sie deutsche Technologie geklaut und in den USA aufgebaut, heute nutzen sie weltweit 21 Stationen mit ihrem System ECHELON für Wirtschaftsspionage, und es war ein internationales Konglomerat an tüchtigen Leuten, die das Silikon valley berühmt machte. Wie bitte? Die Raketentechnik?Gestatte das ich grinse.
Ohne Komponenten aus dem Ausland fliegt eine US-Rakete keine 3 m hoch. Vermutlich.

Tut sie doch. Die Grundlagen stammen aus Peenemünde, wo Wernher von Braun für unseren Adolf forschte. Haben die Amis auch geklaut.

Man könnte stundenlang so weiterschwadronieren; ich beende zwangsweise meinen Spaziergang durch die halbe Welt. Ist kein Spass. Es fühlt sich an wie ein Spaziergang im ersten Becken eines Klärwerks, wo das Dicke abgefischt wird. Hier stinkt es so übel, dass ich mir das Korrekturlesen schenke. Und ich?

Was ist von einem Typen zu halten, der – ein Stück zurück – das traurige Los einer Salatgurke besingt, um dann hier zu zeigen, dass er auch nur eine Gurke ist? Wohl wahr – eine Essiggurke, sauer und ohne Dill, mehr aber auch nicht.

Gesuch an den Bürgerservice einer Partei

mailto: bürgerservice@bcd.de

Guten Tag!

Heute nehme ich mir die Freiheit, Sie um Rat zu fragen.
Das Problem: Meine erwachsene Tochter Carola hat eine grosse Klappe, weswegen ich sie Carola magna nenne, und keinen Job. Ich denke, sie sollte ihre rhetorische Begabung vermarkten, und bei aufmerksamer Beobachtung der bundesdeutschen Politik- und Wirtschaftsszenerie eröffnen sich mir beeindruckende Einsichten. Alles läuft auf denselben Punkt zu: Meine Tochter Carola gehört genau dorthin – ihre Welt ist das Statement.

Ich nehme an, dass Sie mein Anliegen nicht auf Anhieb begreifen. Darum möchte ich mit einigen Beispielen aufwarten, um Ihnen zu verdeutlichen, worum es mir geht, und wo der Nutzen eines Agreements liegen könnte.

Beispiel Verkehrsminister: Die Mineralöl-Multi´s erhö-hen zu Ostern die Spritpreise. Der Minister wartet zur Vorsicht ab, bis die Aktion abgeschlossen, und die Autofahrer verärgert sind. Dann meldet er sich mit einer Drohung zu Wort – Prüfung durch Kartellamt etc. werden entrüstet hervorgestossen – und jeder denkende Mensch richtet seinen Zorn auf besagten Bundesminister, weil jeder weiss, wie die Preisab-sprachen durchgeführt werden, nämlich unter zwei Ohren am Telefon, mit Zerhacker dazwischen, usw.
Hätte der Verkehrsminister drei Wochen vor Ostern vor der Preistreiberei gewarnt, er würde heute noch dümmer aussehen. Sein Statement danach war schon dumm genug.

Was hätte nun meine Tochter Carola formuliert?

„Wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Diese ist so frei, dass sie den Multi´s sogar gestattet, die Volkswirtschaft zu schädigen. Daran ist nicht zu rütteln. Es wird mir ein Rätsel bleiben, wieso die Autofahrerlobby nicht wirksamen Widerstand organisiert. Der Boykott einer einzelnen Gesellschaft würde auch die anderen Mores lehren. Die Macht des Konsumenten sollte organisiert werden, und wenn der ADAC das nicht tun möchte, dann kann man seine Mitgliedschaft kündigen. Ich habe das heute getan.“

Zweites Beispiel: Der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, seines Zeichens ein Verbandsfunktionär der alten Garde mit Denkweisen aus dem 19. Jahrhundert fordert mit beeindruckender Regelmässigkeit die Reduzierung der Unternehmenssteuern (erhöht den Unternehmensgewinn), die Reduzierung der Staatsquote (geringere Sozialbeiträge erhöhen den Unternehmensgewinn), die Lockerung des Kündigungsschutzes (Arbeitnehmer feuern erhöht den Unternehmensgewinn), Greencards für alle Branchen (Einsparung von Ausbildungskosten erhöhen den Unternehmensgewinn), Abschaffung der Flächentarife und die Einführung von Niedriglohnklassen (geringere Personalkosten erhöhen den Unternehmensgewinn), und andere derartige Schmankerln. Ich höre dem Mann fasziniert zu – und fürchte um seinen Geisteszustand. Der will wirklich wieder beim Jahr 1890 anfangen.
Seine stereotyp wiederholten Forderungen mögen den Schluss zulassen, dass es den Mitgliedern des BDA ausreichen mag, wenn ihr oberster Vertreter so daherredet, wie er redet. Ich sage immer: Chefs sind halt so. Sie haben ihre Stärke im Ellenbogen; weiter oben wären sie nur hinderlich.

Und was würde meine Carola daraus machen:

„Wir können sagen, was wir wollen. Alles ist erlaubt. Nur keine Wiederholungen. Wenn ein Statement benötigt wird, dann sage mir, warum, und ich baue Dir eines zusammen. Aber niemals Wiederholungen. Verwendet man seine Waffe zu oft, verliert die ihre Schärfe. Heute sagen wir das Folgende:
Es ist die innerste Überzeugung des BDA und seiner Mitglieder, dass unser Gemeinwesen nur auf der Grundlage eines sozialen Gleichgewichts zufrieden-stellend funktionieren kann. Das schliesst eine gerechte Verteilung des erarbeiteten Wohlstands mit ein. Die Welt hat sich in den letzten 40 Jahren gravierend verändert, und auch unsere Gesellschaft ist davon betroffen. Die Methoden der 50er Jahre können heute nicht mehr angewandt werden. Die soziale Marktwirtschaft ist neu zu definieren. Der BDA. und insbesondere sein Präsident bemühen sich, gemeinsam mit Politik und Wissenschaft eine Standortbestimmung durchzuführen, um einen tragfähigen Weg in die Zukunft finden zu können. Die Bundesregierung hat sich bisher diesem Vorhaben verweigert, aber wir sind nicht beeindruckt. Wenn nicht diese, dann wird die nächste Regierung in die Pflicht genommen.“

So wird Stroh gedroschen, nicht wahr?
Oder nehmen wir den Immer-noch-Präsidenten der Bundesärztekammer. Dieses Ungeheuer ist öffentlich für ein sozialverträgliches Ableben alter und und kranker Menschen eingetreten. Er meint damit: Lasst sie doch sterben, das entlastet das Sozialsystem so, dass die Arzthonorare wieder steigen können. Man hat dieses Statement unter der Hand als Produkt einer Dementia senilis abgetan, nur wird das dem Sachverhalt nicht gerecht. Der solcherart bekundete Bruch des hippokratischen Eids hat den Betroffenen keinesfalls seine Approbation gekostet. Nicht mal sein Amt war je gefährdet – und die Öffentlichkeit fragt sich zu Recht nach dem Standort der Ärzte, die sich widerspruchslos auf diese Weise vertreten lassen. Immerhin kostet ein Diabetiker monatlich so um 400 Euro; wann wird seine Notschlachtung angeordnet?

Ja, was hätte meine Tochter Carola in dieser Situation gesagt?

Vielleicht dieses: „Der moderne Mensch wird alt. Wer 50 Jahre malocht hat, dem gebühren weitere 50 Jahre zum Genuss von Lebensqualität. Das ist gerecht, und zur Verwirklichung dieses Ziel arbeiten Ärzte und die Pharma-Forschung Hand in Hand. Dabei ist für jedermann einsichtig, dass die hohe Lebenserwartung einen hohen Preis hat. Es ist nicht gerechtfertigt, dass nur die jungen Menschen diesen Preis zahlen müssen. Solidarität hat dort ihre Grenzen, wo sie die Existenz des Solidarischen gefährdet. Darum ist es unumgänglich, dass unsere Älteren, sind sie aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden, im Rahmen ihrer finanziellen Ausstattung ihre Gesundheit mitfinan-zieren. Wir fordern Beitragsfreiheit für Empfänger geringer Renten, und angemessene Beiträge für Rentner mit hohen Einkommen. Und wir fordern die Bundesregierung auf, endlich ihre Hausaufgaben zu diesem Thema zu machen.“

Datei speichern unter ….. Statement 247.doc – und vergessen. Nie wieder anfassen, das Ding!

Noch ein letztes Beispiel. Da gibt es einen Haupt-geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Diese Type formulierte, es ginge nicht an, dass Arbeitsfähige ab 56 Rente kassieren, und plädierte für die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre. Dabei zeigt er sich an der Tatsache, dass ein Arbeitnehmer mit 55 schon ohne Chance auf einen neuen Job ist, gänzlich uninte-ressiert. Die zugrunde liegende Denke scheint zu sein, dass es korrekt wäre, die älteren Leute zu feuern, und sie bis zum 67. Lebensjahr der Langzeitarbeitslosigkeit zu übereignen, die durch Arbeitslosenversicherungsbeiträge und Steuermittel finanziert werden soll. Lässt man sie mit 55 in die Rente gehen, muss die Rentenversicherung, zu einem erheblichen Teil von den Arbeitgebern mitzufinanzieren, für den Lebensunterhalt der Arbeitslosen eintreten.
Dieser Schlauberger scheint beim Präsidenten des BDA in die Lehre gegangen zu sein, bläst nun die Backen auf, und trötet in dieselbe Posaune. Die ministerielle Abfuhr war dementsprechend. Immerhin hatte man seine Stimme vernommen, und auf höchster Ebene nervös reagiert. Was will ein Funktionär mehr? Die Mitglieder des DIHKT werdens zufrieden sein, ihr Mann hat sich Gehör verschafft!

Und was hätte meine Carola aus der Sache gemacht?

Wahrscheinlich: War´s das, was Sie beabsichtigten? Ja? Dann haben Sie es gut und richtig gemacht. Sollten Sie jemals etwas anderes im Sinne haben als Wind um die Ecke zu schaufeln, so fragen Sie mich um Himmelswillen, bevor Sie den Mund aufmachen. Alles klar, Doktorchen?

Sehen Sie, das ist es, was ich meine. Man kann auch dummes Zeug auf einem höheren Niveau reden, aber das ist nun mal nicht die Art deutscher Funktionäre. Ein wenig Kultur täte der Sache ganz gut, aber diese Leute profitieren von einem kulturell hochstehenden Entgeltsystem, aber sie liefern Ergebnisse der finsteren Art, sozusagen Antikultur.

Ich vermag einzusehen, dass ich gerechterweise nur beurteilen kann, was bei mir hier unten ankommt. So isses. Was aber, wenn bei mir nur Mist ankommt? Soll ich etwa vor dem Radio sitzen, zuhören und dann feststellen: Oh, Mist! Wie schön! Ich liebe diesen Müll, brauche ihn wie das täglich Brot! Weiter so, Herr Doktor XYZ, Sie sind eine reine Freude!

Nein, das nicht. Dann sind wir uns bis dahin einig. Bleibt nur noch zu klären, warum der Typ in ein Mikro spricht. Ist das billiger als ein Rundschreiben an die Mitglieder? So machts noch einen Sinn. Wenns aber für die Öffentlichkeit gesagt wird: Sollten dann nicht die Regeln der Public relations gelten? Ach, die kennt dort keiner? Gewiss, genauso siehts aus. Und das bringt mich wieder an die Seite meiner Tochter Carola. Sie kennt diese Regeln. Sie kann helfen. Schaden abwenden. Dummköpfe auf ein vernünftiges Ziel ausrichten. Und sie hat ein Schandmaul.

Also komme ich jetzt zu meiner Bitte. Ich würde gerne von Ihnen erfahren, was man tun muss, um in einer Partei wie der Ihren, oder einer Gewerkschaft, oder einem Verband arbeiten zu können. Wo sind Pöstchen frei? Bei wem kann man sich bewerben? Wo ist die Not am grössten?

Wenn Sie mir einen Tip geben könnten, wäre das riesig!

Das wird nie was. Kein Parteibuch! Es reicht nicht, den Bundeskanzler aus dem Fernsehn zu kennen. Der Bürgerservice ist auch nur dazu da, den eMail-Dreck wegzufiltern, und Werbematerial zu verteilen. Ja, es gibt schon Einzelfälle, bei denen sich ein Bürgerservice um Belange eines einzelnen Bürgers gekümmert hat. Wenns Werbewirkung brachte, natürlich. Oder das private Interesse eines dieser Referenten geweckt war.
Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel.

Eisensulfat

Kennst Du Eisensulfat? Bravo! Aber für alle Nicht-Chemiker gibts nun die Fachinformation zu diesem spannenden Stichwort:

Eigenschaften:  Eisensulfat war früher unter dem Namen Eisenvitriol bekannt. Reines Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat bildet hellblaue Kristalle, die aber schon durch minimale Verunreinigungen von Eisen(III)-salzen grün gefärbt werden. An der Luft verwittern die hellblauen Kristalle unter Wasserabgabe und Oxidation. Die Kristalle sind gut in Wasser und in Ethylenglycol löslich, in Ethanol und Aceton dagegen unlöslich. In einer gesättigten Lösung bildet sich bei 56,6 °C das Tetrahydrat, bei 65 °C das Monohydrat, das auch beim weiteren Erhitzen erhalten bleibt. Nach dem Verdampfen des zuvor erhitzten Wassers aus der Lösung erhält man das Monohydrat als weißes Pulver, das sich oberhalb von 400 °C unter Schwefeldioxidabspaltung zersetzt.

Herstellung:  Die Herstellung erfolgt durch das Auflösen und Kochen von Eisen oder Eisenabfällen in Schwefelsäure. Das Produkt wird in eine Schale filtriert und mit Wasser verdünnt. Aus der kalten Lösung kristallisiert das Eisen(II)-sulfat-Heptahydrat in Kristallen aus.

Verwendung:  Wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung anderer Eisenverbindungen, z.B. beim Glühen entsteht Eisenoxid zur Herstellung von Eisengallustinten (unter Zusatz von Gerbsäure); in der Medizin für Eisenpräparate; in der Tiermedizin als Blutstillungsmittel bei Maul- und Klauenseuche; zur Konservierung von Holz; zur Herstellung von Eisenoxidpigmenten als Flockungsmittel bei der Abwasserreinigung; als Katalysator bei der Ammoniaksynthese, in der analytischen Chemie zum Nachweis von Nitriten und Nitraten.

In gereinigter Form bekommt man Eisensulfat als Medikament gegen Eisenmangel im Blut, und andere Erkrankungen dieses Formenkreises.

Bekanntlich wird Eisen für die Bildung des Hämoglobin benötigt.

Ich habe alles recherchiert, auf Richtigkeit überprüft und abgeschmeckt. Ich hatte 3 Durchfälle und eine Nahtoderfahrung, die 7 Stunden dauerte. Nun bin ich sicher: Alles stimmt!

Gerade habe ich davon 20 kg gekauft. Wir streuen das Zeug einfach in den Garten, genauer: Auf den Rasen.

Das ist pfiffig, nicht wahr?

Wenn Du 250 qm mit Eisensulfat bestreust, hast Du einen Rostfleck mit einer Ausdehnung von genau 250 qm.

Nein, es geht bei der Aktion keineswegs um Eisenmangel und Hämoglobin-Bildung. das hast Du Dir schon gedacht? Wir wären ein richtig gutes Team, Du und ich. Nein, das blaue Pulver verschafft der Graspflanze Luft zum Atmen, indem es die Moose abtötet. Wir greifen auf diese Weise aktiv in einen Verdrängungswettbewerb ein, um eine grüne Pflanze auszurotten und eine andere grüne Pflanze zu fördern. Dies riecht ein wenig nach Nonsens, nicht wahr? Wundere Dich nicht – die Idee ist britisch! Dort hat vor Jahrhunderten ein Gärtner entschieden, dass ein Rasen aus Gras, und nicht aus Moos zu bestehen hat. Seitdem quälen sich Hobbygärtner und Rasenstücke Jahr für Jahr um die Reinerhaltung eines englisch

genannten Rasens – ob der Boden das nun mitmacht oder nicht, ist dabei völlig ohne Belang.

Vorgehensweise:

Erst wird gekalkt. Das Ausstreuen von Gartenkalk (hier ohne Zusatz von Petersilienerde) findet im November statt. Die Massnahme soll gegen Moos wirken – eine Fama.

Dann wird im Frühjahr Eisensulfat gestreut. Das soll den Kalk bei seinem unausgeschlafenen Kampf unterstützen. Nach einer Woche ist der Rasen nicht mehr grün, sondern erdfarben. Nun wird doppelt schweres Geschütz aufgefahren: Eisensulfat! Die Wiese wird nun schwarz. Totes Moos ist merkwürdigerweise schwarz.

Es hat sich jedoch gezeigt, dass Brachythecium rutabulum und Rhytidiadelphus squarrosus resistenter gegen die Chemie sind, als man das erwartet. Es ist leichter, Menschen umzubringen als diese beiden Übeltäter. Also noch mal 30 kg drueber, noch eine Woche warten, dann noch einige Wochen, weils wieder zu regnen begonnen hat, und schliesslich kommt der KO für die Moose – diesmal per Vertikutierer. Einmal längs, einmal quer, und das Zeug liegt lose in der Landschaft. Der Rasen ist  erledigt, sieht nicht mehr englisch aus, sondern eher kartoffelig..

Nun würde ein schöner Orkan guttun, den Rest besorgen, den Abfall nämlich zum Nachbarn in den Garten wehen. Aber es kommt kein Orkan. Nicht mal ein Lüftchen unterstützt, also kann man den ganzen Mist zusammenkratzen, in Säcke stopfen und zur Deponie bringen.

Wenn Du nun glaubst, Du wärst damit durch, liegst Du ein reichliches Ende daneben. Noch während Du die kahlen Stellen mit Berliner Tiergartenmischung, einer allseits beliebten Grassamenmischung bestreust, beginnt der harte Kern unter den Graspflanzen, obschon bis auf die Wurzel runtergeschrubbt, explosionsartig zu wachsen. Ein rascher Blick auf die leeren Plastikeimer bestätigt den fürchterlichen Verdacht: Im Eisensulfat war Dünger enthalten! Und Du erinnerst Dich an die Jahre zuvor, wo alles genauso abgelaufen war – und die unbedachte Rasendüngung vom frühen Frühjahr an bis kurz vor Weihnachten im 3-Tage-Rhythmus Rasenmähen erforderlich machte. Anderthalb Stunden hechelst Du hinter Deiner Maschine her, und am Ende weisst Du nicht, wohin mit dem grünen Dreck. Also 17 km zur Deponie, 17 km retour. Beim Abschied ein lachender Aufseher: Also, wir sehen uns in drei Tagen wieder! Machs gut! Betroffen rollst Du vom Hof – auch der noch!

Irgendwer hat mir mal geraten, ich solle ein paar Stangen Dynamit in den Garten werfen, und den Rest die Natur besorgen lassen. Wie recht der hatte …..

Nun, der guten Ordnung halber sollte ich hinzufügen, dass der Garten nicht mein Reich ist, sondern neuerdings das meiner Tochter. Seit ich vor vielen Jahren beim Jäten junge Rittersporn-Pflänzchen als Unkraut erkannt und ausgerissen habe, herrscht für mich so etwas wie Gartenverbot, und ich darf in demselben nur unter Aufsicht arbeiten – wenn überhaupt. Denn seit jenem denkwürdigen Tag trage ich das Etikett Achtung! Zu blöde für Gartenarbeit!. Das trifft sich allerdings ganz gut. Diese grüne Hölle vor meinem Fenster ist mir von Grund auf absolut schnurz. Ich würde eine Betonplatte mit 6 bis 8 Blumenkübeln vorziehen. Leider Gottes lässt es sich jedoch nicht vermeiden, dass ich in die Kalamitäten des Gartenlebens hineingezogen werde:

Halte mal die Leiter, ich will da oben was abschneiden (Ich käme ohne Leiter an das Etwas ran).

Wickel mal das Kabel auf. Mir ist das zu schwer. (Ich hätte es nie abgewickelt).

Mähe mal den Rasen, aber fahre mir nicht über die Blumen! (Ich … siehe Betonplatte)

Setz mal den Komposthaufen um (siehe Kapitel Erdbewegungen).

Schaff die Hecken weg! Im Spätherbst entsteht eine LKW-Ladung sogenanntes Schnittgut beim Zurück-schneiden von allem, was blöderweise höher als 3 cm aus der Erde herausgewachsen ist. Das muss dann mit dem PKW entsorgt werden. Damit diese Aktion kostenlos bleibt, fährt man gleich mehrere Deponien an, das macht dann bei 5 Deponien und zwei kostenlosen Ladungen immerhin 10 Ladungen in einem grossen Kombi. Die ganz groben Sachen bringe ich mit einem geliehenen Anhänger weg.

Der Deponiewärter:

Sag mal, warst Du heute nicht schon mal hier? Mit ´nem Hänger?

Jou, Mann, aber das war das Zeug meines Beifahrers. Das hier ist nun meines, und ich komme nochmal!

Schliesslich erinnert sich der Deponiemann an meine Spenden für seine Kaffekasse, und er beruhigt: Komm heute noch einmal, und morgen kannst Du wieder, da hat ein Kollege hier Dienst, der Dich noch nicht gesehen hat. Rasch fahre ich am selben Tag noch zweimal hin. Was weg ist, ist weg!

Oder das Kommando lautet: Fahr mit´m Hänger, und bring eine Ladung Kompost mit! (Kostet 15 Euro! Ich sage nur: Erdbewegungen!)

Ist ja alles ok, bis Du vor dem grossen Komposthaufen stehst und auf den Radlader wartest. Erfahrene Komposterdekäufer haben ihre Blattschaufel gleich mitgebracht, und in der Hand, denn nun kommt der Deponiemann auf dem Radlader und macht Deinen kleinen Anhänger richtig voll. Das bedeutet, dass Du ihn aus dem schwarzen Dreck wieder ausbuddeln musst. Vollmachen setzt der Typ gleich mit begraben.

Ausgraben, und Flucht vom Platz. Und dann mit viel Geduld schön langsam nach Hause gondeln. Einmal bin ich mit vollem Hänger zu schnell gefahren. Es war schon beinahe ungerecht, verschont geblieben zu sein. Dummheit sollte bestraft werden. Als der Hänger aufzuschaukeln begann, setzten unverzüglich Schweissausbrüche ein. Auch beim Hintermann. Statt zu überholen ging der in die Eisen und nahm rasch einen 300-m-Abstand. Aber wie Luis Trenker immer zu sagen pflegte: Gut gangen is! Ich hatte lediglich die Hälfte der Komposterde auf der Piste gelassen. 7 Euro 50 futsch.

Man sagt, die Wüste sei auf dem Vormarsch nach Norden. Dauert es damit noch lange, bis sie Hamburg erreicht? Ich frage nur, weil das Moos dann keine Chancen mehr hat, und weil Kamele sich dann richtig wohlfühlen.

Von der Schwierigkeit, korrekt prominent zu sein

Diese Lotte. Ich mag sie wirklich, und erst recht Bine, ihre Tochter. Warum, zu Teufel, werden solche Menschen nicht Bundeskanzler, oder US-Präsident? Möglicherweise ist es erforderlich, über Jahre, vielmehr über Jahrzehnte eine Technik der selektiven Wahrnehmung so zu verinnerlichen, dass sie sich zum bedingten Reflex entwickelt – dann hat man einen Schaden, und erst dann ist man reif für eine Spitzenposition in der Politik.
Selektiv nimmt man sich dann nur noch selbst wahr, und hilfsweise jene, die der eigenen Sache dienlich sind, oder die der eigenen Sache schaden. Eine Milliarde Menschen kann nur noch als „Material“ erkannt werden, das wahrzunehmen eine unnütze Belastung sein würde, und jener Teil davon, der dieselbe Nationalität besitzt wie man selbst, ist maximal als „Wählermaterial“ nützlich. Affen gleich bekommt das Wahlvolk Zucker, wenn es mal wieder an der Zeit ist.
Hast Du mal Prominente auf freier Wildbahn beobachtet? In der Öffentlichkeit tragen viele einen hochroten Kopf auf dem Halse, weil es so verdammt anstrengt, Eindruck zu machen, und sie gehen, als hätten sie sich einen fürchterlichen Wolf gelaufen –Karrikaturen ihrer selbst!
Wie hat mich ein 78jähriger Schauspieler beeindruckt, der morgens um halb acht an der Flughafen-Bar auftauchte und brummte: Mann, reich mir sofort einen 3-fachen Bourbon rüber, ich hab´ vielleicht einen Brand!
Zwei Film- und Theaterschauspieler/innen , also eine Sie und ein Er in der Flughafenbar. Ich sitze am Nachbartisch. Sie unterhalten sich – in Theatersprache, also besonders laut, besonders deutlich, sodass man auch in der hinteren Reihe ihren Dialog ohne Anstrengung mithören kann. Ich hatte beide beriets in Action gesehen, war deshalb verblüfft:
Spielen sie nun als Private ihre Rolle weiter, oder spielen sie ihre Rollen so, wie sie privat gehäkelt sind? Um ehrlich zu sein, ich weiss es bis heute nicht.
Infame Menschen glauben festgestellt zu haben, dass manche prominente Schauspieler keine solche sind, sondern nur sich selbst spielen können. Dann besteht deren Leistung also darin, erstens einen Haufen Text zu lernen, diesen zweitens korrekt in Handlungen wiederzugeben, und drittens 60 Vorstellungen en suite durchzuhalten, und das vielleicht ein Arbeitsleben lang. Ein Facharbeiter bewältigt eine ähnliche Aufgabe, wird aber nicht prominent. Daraus ergibt sich: Verkaufe schönen Schein, und Du wirst beneidet und bewundert.
Ich sage Dir: Lass´ sie. Schau sie Dir an, und erfreue Dich daran, wie sie sich zum Affen machen, sich für wichtig bis unentbehrlich halten, wie sie im Understatement vom Kulturbetrieb reden und sich selbst für unverzichtbare Träger der Kultur halten, wie sie Anordnungen für ihren Tod treffen, die weit jenseits des guten Geschmacks liegen – das alles ist doch wirklich komisch, oder? Eine Realty soap, oder?
Kaum die Hälfte der Promi´s bringt eine derartige Normalität – gut, ich lasse mit mir streiten, ob die erlebte Prominenz statistisch signifikant sein kann. Wahrscheinlich ist sie es nicht, aber ich habe jetzt erst wieder eine Bundeskanzlerin erlebt – meine ist das nicht.