Über · Leichte Kost

Jessas, a Leich‘ !

“ So nimm denn meine Hände
und führe mich
bis an mein Lebensende
und ewiglich ….. „

Dieses Kirchenlied habe ich in meiner Kindheit hassen gelernt. Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich mit dem Schülerchor auf dem Friedhof stand und dieses Lied sang. Das Dorf verlangte Pflichterfüllung auch an den Gräbern!

Der protestantische Pastor (Tautologie!) predigte sich stets in eine Ekstase und fand kein Ende beim Ausbreiten von Märchen über den Toten, und man wunderte sich, dass er noch die Zeit fand, den Sarg in die Grube zu stellen. Dagegen war der katholische Pfarrer (Tautologie!) relativ kurz angebunden; er verbrachte mehr Zeit hinterher im Gasthof. Sympathischer Mann!

Diese Friedhofsbesuche waren für mich beinhart. Nichts von der ganzen Veranstaltung hat mich irgendwie berührt. Ich bin von Geburt an gläubiger Atheist und als solcher privilegiert. Keine Kirche hat mir je Angst vor dem Tode eingetrichtert.

Irgendwo in DE habe ich mal welche aus der Gilde der Sargträger beobachtet. Ich sage nur: Ein Bild für Götter. Da standen so an die acht Gestalten vor der Kirche und in Gespräche vertieft. Schwarze Erscheinungen, in Mänteln, die bis zu den Schuhspitzen reichen. Auf dem Kopf ein rabenschwarzes Ding in der Form eines Schiffsrumpfs, längs aufgesetzt, vorn und achtern echt spitz. Die Männer hatten im Gespräch die Köpfe gesenkt, und ab und zu nickte einer. Ja, sie machten Figura – als Karikaturen zu gross geratener palavernder Krähen. Ich nannte sie spontan „Totenvögel“.

Ich habe mir dann vorgestellt, wie diese Figuren am Grabesrand stehen, die Köpfe tief gesenkt, sodass man von den Gesichtern nichts mehr sieht, und jeder hält ein Tauende in der Hand – und man steht dabei, darf aber nicht lachen ….. Besucher so zu quälen ist wirklich unfein.

Seit meiner Kindheit war ich nur 2 x Friedhofsbesucher. Beide Male wegen Tante Hilde. Ich bin mit ihr zu Begräbnissen gedackelt, weil wir anschliessend im Gasthof bannigen Spass hatten, weil wir beide so richtig mit bösem Humor ausgestattet waren, und mit Cognac-Flaschen ganz eng verwandt.

Warum dieses trostlose Thema? Morgen wird meine Schwägerin bestattet. Das geschieht ohne mich. Ich habe oben erklärt, warum. Es kommt dazu, dass ich nicht reisen kann – und Tante Hilde lebt auch nicht mehr.