Neues zum Brexit – 36 –

Allmählich wird es in GB heller; leider ist es nicht das Licht der Sonne, das für einen besseren Blick sorgt.

Im Jahr 2012 erschien in GB ein Buch mit dem Titel „Britannia unchained“. Es werden 5 Autoren genannt; alle sassen oder sitzen noch heute in Ministersesseln der Johnson-Junta.

Grossbritannien ohne Ketten – die Autoren entwerfen das Bild eines politischen Systems, das komplett entsozialisiert ist, indem man alle Normen zum Schutz der Arbeitnehmer, der Kranken, der Arbeitslosen, der Mütter usw. beseitigt hat. Es ist die brutalst denkbare Form des Kapitalismus, und man gehört in einer derart entarteten Gesellschaft zur Upperclass oder man ist zum Sklavendasein verdammt.

Übersetzt: Sobald sie an ihren Arbeitsplatz kommen gehören die Briten zu den schlimmsten Faulpelzen der Welt. Sie arbeiten nur wenige Stunden, gehen früh in Rente und ihre Produktivität ist armselig. Dort, wo indische Kinder danach streben, Doktor oder Geschäftsann zu werden, sind die Briten mehr an Fussball und Popmusik interessiert.

Dieses Buch ist anscheinend die Bibel für die Tories, also für Johnson und seine Leute.
Schritt 1 ist mit dem Brexit erledigt, die „Ketten“ der EU sind abgestreift. Im zweiten, dem heute laufenden Verfahren werden die Arbeitnehmerrechte abgeschafft. Das läuft. Schritt 3 ist ebenfalls in Arbeit; das NHS, also das Nationale Gesundheitssystem ist bereits zu 35% privatisiert. Andere staatliche Institutionen sollen folgen. Alle wichtigen Strukturen werden so geschädigt, dass sie nicht mehr funktionieren. In einer weiteren Phase soll das Ganze verändert wieder aufgebaut werden, und zwar so effizient, dass GB wieder eine Weltmacht wird und darstellt. Mit GB sind natürlich nicht alle gemeint, sondern nur die prominenten „Oberen Zehntausend“.

Ich gestehe: Alles, was ich hier niedergeschrieben habe, kann ich kaum glauben. Es ähnelt einer kurzen Replik mit Aktualitätsanspruch auf Orwells „1984“, scheint eine Utopie, besser: eine Dystopie zu sein, aber es gibt immerhin dieses Buch, es gibt auch die Autoren in Johnsons Umfeld, und es gibt Aktivitäten aus diesem Buch. Vor allem kennen wie die Grossmachtansprüche von britischen Politikern in unserer Zeit. Sie sind historisch. Der Verlust der Macht über Kolonien ist eine dumme Sache, also hat man sich dazu entschlossen, die eigene Bevölkerung auszubeuten, getreu dem Motto: Es muss ja weitergehen, und irgendetwas geht immer!

Kurz: Alles passt zusammen. Und man darf gespannt sein, ob das Werk gelingt. Aber in jedem Falle wird es für die Bürger eine sauteure Angelegenheit.