Das Telefon klingelt

Heute ist Montag.
Hm.
Besser: Der heutige Tag heisst Montag.
Man ist nicht einfach Montag! Oder etwa doch?
Anscheinend bin ich verwirrt.
Ich habe Alter.
Gütiger Himmel, lass es gut sein!

Dieser, der heutige Montag ist kein Tag wie die vorangegangenen Montage.
Es erreicht uns die Nachricht, dass wieder einmal ein Familienmitglied sich anschickt, zu sterben. Solch ein Ereignis reisst uns aus der Lethargie des Alltags. Ungewohnte Emotionen beflügeln den Geist, und in dessen Hintergrund braut sich Dunkles zusammen.
Sind es Anflüge von Traurigkeit? Die Zeit wird es zeigen.

Unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass Trauer und Trost zur selben Zeit die Gefühle bestimmen. Eine Nachricht kann schlecht und zugleich gut sein. Wohl dem, der in der Lage ist, beide Zustände als gleichwertig zu akzeptieren.

Aktuell entsteht das Tröstliche aus der Tatsache, dass die Kranke den Tod herbeigesehnt hat, dass sie ein „gesegnetes Alter“ erreicht hat, und dass man bei vaskulärer Demenz nicht mehr von „Leben“ reden kann. Von Erlösung mag ich nicht sprechen. Das hat mir zu viel Pathos. Sagen wir: Man wird aus dem Leben entlassen; man ist dann frei für das Floating in memories.

Nun könnte ich, ein 80-jähriger Furcht entwickeln, indem ich feststelle, dass „die Einschläge immer näher kommen“. Quark. Meine Familie wird nicht mit Granaten beseitigt. Wir sterben, weil der Ofen leergebrannt ist, also wie es sich gehört. Dies wird so durchgehalten unter der Bedingung, dass wir mindestens 85 werden. Dann gehen wir, ohne zu meckern. Und darum rechne ich fest damit, noch 4 – 6 Jahre runterzureissen, bevor ich mein Essbesteck abliefere. Um das verständlicher zu formulieren: Es sind noch zwischen 480 und 720 Flaschen Riesling bis zu meinem Abgang. Ich erspare uns, das noch in Leberwurstsemmeln umzurechnen. Ok?