Alltag

Ich griff mir neulich einen, den einzigen Becher Joghurt aus dem Kühlschrank. Nun bin ich – leider – als Vielfrass berüchtigt. Bei privaten Einladungen hat schon mal die Hausfrau meinen Teller gefüllt, um mich vor der Versuchung zu schützen, wieder mal das Buffet zu plündern. Ja, ein wenig peinlich ist das schon. Aber ich war bei der Joghurt,

Es war eine Heidelbeer-Joghurt im 500 Gramm-Becher. Grössere Packungseinheiten für Fruchtjoghurts habe ich leider nicht gefunden, und wenn nur einer der 500-Gramm-Portionen da ist, übe auch ich mich in Bescheidenheit und kaufe nur einen. Da bin ich sehr konsequent.

Ich kontrolliere also zu Hause das Haltbarkeitsdatum. Da bin ich sehr penibel. Dann ziehe ich den Deckel ab, falte ihn zweimal, das spart Platz im Abfallkorb, und schiebe den Becher ein wenig zur Seite; nun stand er genau dort, wo sich der Ellenbogen meines rechten Arms hin und her zu bewegen beliebt.

Hast Du schon mal 500 Gramm Heidelbeer-Joghurt auf den Boden geschmissen? Ich – ja! Es war ein Erlebnis der besonderen Art. An der Unfallstelle ruht natürlich die Hauptmenge als flacher, cremiger Haufen, und obenauf liegt der Plastikbecher wie von einer Kalt-Mamsell hindekoriert. Die kinetische Energie der Joghurt sorgte dafür, dass sich die Masse ein wenig ausbreitete auf geschätzt 5 Quadratdezimeter. Die Joghurt schimmerte ein wenig in Blau, wegen der Blaubeeren, und ich zählte genau 6 schwarze Punkte, das waren die Blaubeeren selbst. Blaubeeren für Braunbären – das geht anders, denke ich, da ist doch noch eine Packung Heidelbeeren im Eiskasten ….. Pech gehabt.

Während ich so gedacht habe, registrierte ich meine Schweinerei komplett. Erst mal klebte mir ca. 1/8 Becher Joghurt am rechten Hosenbein. Dann eine Hauptmenge als Häufchen, und schliesslich die Spritzer auf ca. 1 qm Laminat, Stuhlbeine, Bücherregal, Tischbeine, Computer, Schuhe, diverse Kabel, zwei Pappkartons, 3 Leitzordner und Papierkorb. Und das alles fast lautlos! Da gab es keinen Knall wie bei einer Handgranate; ich hört lediglich so etwas wie „Plop!“, und der Anlass für eine gründliche Büroreinigung war da.

„Papa, geh mal weg, ich mach das. Geh in die Küche, das ist noch eine Erdbeer-Joghurt.“ Von wegen. Da war nichts dergleichen. Aber: Wie schön, wenn sich in der Not immer wieder ein Helfer findet, oder wie in meinem Fall eine Helferin.

Ich sollte vielleicht meine Joghurts auf dem Fussboden sitzend essen. Wenn dann etwas passiert, fällts nicht so tief, und die Schweinerei hält sich in Grenzen. Möglich, dass ich dann auch noch einen Teil der Joghurt essen könnte. Ich schiebe ein sauberes Blatt Papier unter die Mumpe, und kann dann gemütlich vom Fussboden essen.

Oder ich kaufe mir 3 x 200 Gramm-Becher. Fällt einer runter, dann sind die Folgen nicht so gravierend, und ich hätte dann auch 100 Gramm mehr zum Naschen. Ich sehe schon, die Sache verlangt nach gründlichem Denken und einer guten Logistik. Bis zu einem brauchbaren Konzept esse ich lieber mal einen Apfel. Gut gekaut ist der völlig ungefährlich.