Mit’m Radl unterwegs – Ziel verfehlt

Letzten Mittwoch hat es Henry erwischt. Er war mit dem Rad unterwegs, und in seinem Einkaufskörbchen ist wohl sein Schicksal mitgefahren. Jedenfalls wollte Henry die Strassenseite wechseln und übersah dabei einen 3-achsigen MAN-Truck. Der fuhr ihm beide Beine ab und rollte ihm mit dem hinteren Räderpaar über den Brustkorb. Dann hielt der Truck an, und es herrschte auf der Strasse Totenstille.

Henry erhob sich, erfasste das Desaster und kam zu der Überzeugung, tot zu sein. Der Trucker war ausgestiegen, zum selben Ergebnis gekommen, und nun ergänzte er die Szenerie, indem er – irgendwie geschockt – sich in den Rinnstein übergab. Henry wandte sich angeekelt ab und schaute sich um.

Eben hatte er noch registriert, dass dieser Mittwoch ebenso trist war wie sein ganzes Leben, man möchte es eine Sinfonie in Grau nennen, als ihn die Stimme des Alten auf seinen Platz rief. So machte er sich auf de Weg in ein anderes Universum, jene Sphäre, die man auf Erden die Ewigkeit nennt.

Der Weg dorthin war weit, sehr weit. Die Reisezeit allerdings war kurz, zu kurz. Den Alten kümmerte die Befindlichkeit seines Zugangs wenig. Henry wurde gesagt, er solle nun seine Lebensgeschichte aufarbeiten und besonders auf sein Fehlverhalten achten. Henry tat, wie ihm geheissen, und war dabei sehr gewissenhaft. Und nachdem er sein Resummée gezogen hatte, begann er von vorne und ackerte sein Leben erneut durch. Er kam wieder zum Ende, nur um festzustellen, dass er mit seinem Job noch nicht fertig war. Schliesslich stellte er beim 7. Durchgang fest, wo er nun zu Hause war. Er erkannte: Es ist die Hölle, und sein Leben ist das Feuer, das ihn ohne Ende peinigen wird!