Essentiell

Kleine Tode sterben,
und wieder auferstehen,
Wissen, statt zu glauben –
das formt den Charakter
des Menschen.

Grundübel

Meilenweit steinige Wege gehen
und in Treibsand landen –
so ist das Schicksal ehrlicher Politik.

Mein Hobby

Ich weiss nicht, ob ich das schon mal erzählt habe: Ich sammle. Bin also ein Sammler. Will sagen ein passionierter Sammler.

Nein, ich sammle keine Briefmarken. Die blaue Mauritius würde ich sofort zu Bargeld machen. Ich sammle auch keine Münzen, keine Modellautos und keinen Petrus aus Bordeaux. Ich wette, Du kommst nie drauf, was meine Leidenschaft weckt. ZUm Beispiel liegt der Wert eines meiner Objekte bei 20 bis 25 Cent. Eine Wertsteigerung ist für die nächsten 50 Jahre völlig ausgeschlossen. Dennoch kann ich mich nicht beherrschen; seit ich auf dieser Schiene fahrem, weiss ich, wie sich „Sucht“ anfühlt.

Natürlich! Ich vergass zu erwähnen, was ich sammle. Es sind leere Weinflaschen.

Ich habe das gründlich durchdacht: Es gibt nur Gewinner. Der Winzer hat Umsatz, der Weinhändler hat Umsatz, ich habe keinen Umsatz, aber den Wein, und zugleich ein Sammelobjekt. Sollte ich in ferner Zukunft Platzprobleme kriegen, so mache ich meinen Umsatz mit den Querdenkern. Die brauche immer leere Flaschen, zum Werfen, als Molotow-Cocktail oder ähnliches. Oder ich beliefere jene unglücklichen Trucker, die nach Britannien fahren müssen. Ich stelle ein Set zusammen aus Flasche, Plastik-Trichter und einer Serviette. So ist im LKW gut zu pinkeln, wenn man in Dover im Stau steht.

Na, habe ich Ideen, oder habe ich Ideen?

We will survive!

Neulich wurde bekannt, was man in China unter einem Lockdown versteht. Als Wuhan von der ersten Covid-Welle erfasst wurde, hat man ein rigoroses Ausgehverbot über diese Millionenstadt verhängt. Es wurde beobachtet, dass Behörden an Wohnblocks die Haustüren zunageln liessen. In Einzelfällen wurden Wohnblocks die Zugänge zugeschweisst.

In der Folge war zu beobachten, dass verzweifelte Menschen aus den Fenstern hingen, um den Blockwarten klar zu machen, sie hätten nichts mehr zu essen. Die Reaktion der Aufpasser: Halts Maul und mach Dein Fenster zu!

Nun wurde bekannt, dass viele Einwohner Wuhans in dieser Notsituation ihre Haustiere aufgegessen haben. Das ist kein Witz.

Ich bin heilfroh, nun zwei Katzen im Haus zu haben. Wir erwägen, einen richtig fetten Retriever dazuzukaufen – vegan ist nicht unser Ding!

Zur Info:
In DE gibt es 84 Mio. Einwohner.
Sie halten 14 Millionen Hunde.
Man finder 12 Millionen Katzen.
Damit lässt es sich wirtschaften.
2,5 Millionen Nagetiere, und
2,5 Millionen Vögel
ergeben immer noch eine gute Suppe.
Bei 2,2 Millionen anderer Tiere muss man vorsichtig sein.
Schlangen, Alligatoren und Komoro-Warane sind so gefährlich, dass man selbst in der Suppe landen könnte.

Und noch eine Warnung:

Die sogenannten Grossen Tiere in Politik, Wirtschaft und Kultur sind ungeniessbar.

Anders darf man die Bestand an Nutzvieh (ohne die Grossen Tiere) betrachten.
Da sind 12,5 Milliuonen Rinder, 27,5 Millionen Schweine, 114 Millionen Hühner,11 Millionen Puten, 3,3 Millionen Enten und Gänse uind 2 Millionen Schafe verfügbar, und anders als in China eine von Empathie getragene Hilfsabereitschaft. Wenn der letzte Wellensittich in der Suppe schwimmt, wird man über den Hühnerbestand herfallen. Und das logistische Problem mit der zugeschweissten Haustür löst die Freiwillige Feuerwehr. Fenster sind nicht nur zum Rausbrüllen von Unflat da, sondern auch zum Reinwerfen von toten Hühnern.

Ein guter Rat:

Leute, kauft weniger Klopapier und mehr Nudeln! Und ein Sack Kartoffeln hat unter jedem Bett genügend Platz. Es dauert, bis die Keime durch die Matratze gewachsen sind und den Schlaf stören.

Alltag auf einem Friedhof

Der Friedshof Ohlsdorf in Hamburg ist mit 389 Hektar der grösste Parkfriedhof der Welt. Es sind hier mehr als 200.000 Grabstätten angelegt. Darum ist es nicht einfach, sich dort zurecht zu finden.

Das bekam auch ein alter Mann zu spüren. Er suchte nach dem Grab von Eduard Pulvermann – nein, nach Pulvermanns Grab, oder nach beidem, und dies, ohne zu wissen, dass Pulvernann in Hamburg Klein Flottbeck eine Reitanlage gebaut hat mit einer Schikane für Pferde, die als Pulvermanns Grab in die Geschichte des Springreitens eingegangen ist, bevor man ihn auf dem Ohlsdorfer Friedhof begrub.

Pulvermanns Opfer

Besagter alter Mann hatte allerdings Koordinaten mit, die auf Ohlsdorf verwiesen, und nun suchte er dieses Grab von Pulvermann auf Position AB25 – 96 bis 100. Vergeblich. Nach 45 Minuten fragte er einen der Arbeiter, wo er dieses Grab finden könne. Dieser gab bereitwillig Auskunft: Von hier da längs, die 3. links, dann die 4. rechts, dort 65 m geradeaus, rechts.

Der Gast bedankte sich, und hörte gerade noch, wie der Arbeiter knurrte: „Immer das selbe! Erst reissen sie aus, dann finden sie nicht mehr nach Hause!“

Kritischer Blick nach innen

Immer nur lächeln und immer vergnügt, immer zufrieden, wie’s immer sich fügt«, singt der Prinz Sou Chong und zeigt auf sein Herz: »Doch wie es da drin aussieht, geht niemand was an.« So geht es zu in den Operetten von Franz Lehár: Der schöne Schein muss gewahrt bleiben – über alle Unglücke hinweg. Da kann man es gut verstehen, wenn die modernen Opernregisseure bei Lehár am liebsten den Hammer zur Hand nehmen, um nachzusehen, was sich im Porzellanherzen des Prinzen Sou Chong denn nun verbirgt.

Sie entdecken nackte Verzweiflung hinter der Hochstimmung, den Geist der Intoleranz in der Leichtlebigkeit und dass es garantiert doppelt so schlimm ist, wenn der Buffo zu trällern beginnt: »’s ist alles halb so schlimm.«

Diese Textpassage habe ich in der „Zeit“ gestohlen; Claus Spahn hat sie in einen Kommentar geschrieben.

Ich hatte ein wenig in meinen Erinnerungen gegraben, weil mir die Frage durch den Kopf geisterte, inwieweit ich der Versuchung zum Selbstbetrug erliege, also wie schief das Bild meiner kleinen Welt geraten ist – da stolpere ich doch über meine eigene Mülltonne, ich meine jene im Gedächtnis, und dort finde ich meinen ersten Operettenbesuch. Es gab „Das Land des Lächelns“ von Lehár, und dort ist besagter Prinz Sou Chong zu Hause. Ich war 10 oder 11 Jahre alt und für die grossen Musikdramen noch nicht gereift. (lieber fidel als Fidelio!)

Wenn ich die 7,2 Milliarden Menschen zu einem virtuellen Wesen zusammenfüge, das ich Prinz Sou Chong nenne, und ich schaue mir diesen „Menschen“ genau an, so werde ich Herrn Spahn wohl zustimmen müssen. Ich, das Individuum habe natürlich einen hochwirksamen Verdrängungsmechanismus, der Schutz vor Beschädigung der Seele bietet. Hier liegt kein Selbstbetrug vor. Ich bin nicht unwissend, sondern ich weiss, und verdränge. Vive la différence!

Ich überlege gerade, ob das „gesund“ ist. ………. doch, es ist gesund. Die Alternative wäre nämlich, nun nach einem Strick zu suchen.

Aber ich stehe nun wieder im Zwielicht. Was ist da? Angst? Lebensangst? Nein, es ist maximal Verunsicherung. Zur Sicherheit lese ich nun lieber bei Joseph von Eichendorff nach:

Dämmrung will die Flügel spreiten,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken zieh’n wie schwere Träume –
Was will dieses Grau´n bedeuten?

Hast ein Reh du lieb vor andern,
Laß es nicht alleine grasen,
Jäger zieh’n im Wald’ und blasen,
Stimmen hin und wider wandern.

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug’ und Munde,
Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches bleibt in Nacht verloren –
Hüte dich, bleib’ wach und munter!

Mit der letzten Strophe seines Gedichts „Zwielicht“ sagt er mir: Alter, mach Dir nicht ins Hemd! Dramatisch ist in Deiner Situation garnichts, aber pass ein bisschen auf Dich auf, und baue auf die Zukunft.
Und meine Absicht, meinen Selbstbetrug zu identifizieren? Meine Interessen daran sind einfach erloschen. Sollen andere suchen. Ich – heute – nicht!

Jessas, a Leich‘ !

“ So nimm denn meine Hände
und führe mich
bis an mein Lebensende
und ewiglich ….. „

Dieses Kirchenlied habe ich in meiner Kindheit hassen gelernt. Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich mit dem Schülerchor auf dem Friedhof stand und dieses Lied sang. Das Dorf verlangte Pflichterfüllung auch an den Gräbern!

Der protestantische Pastor (Tautologie!) predigte sich stets in eine Ekstase und fand kein Ende beim Ausbreiten von Märchen über den Toten, und man wunderte sich, dass er noch die Zeit fand, den Sarg in die Grube zu stellen. Dagegen war der katholische Pfarrer (Tautologie!) relativ kurz angebunden; er verbrachte mehr Zeit hinterher im Gasthof. Sympathischer Mann!

Diese Friedhofsbesuche waren für mich beinhart. Nichts von der ganzen Veranstaltung hat mich irgendwie berührt. Ich bin von Geburt an gläubiger Atheist und als solcher privilegiert. Keine Kirche hat mir je Angst vor dem Tode eingetrichtert.

Irgendwo in DE habe ich mal welche aus der Gilde der Sargträger beobachtet. Ich sage nur: Ein Bild für Götter. Da standen so an die acht Gestalten vor der Kirche und in Gespräche vertieft. Schwarze Erscheinungen, in Mänteln, die bis zu den Schuhspitzen reichen. Auf dem Kopf ein rabenschwarzes Ding in der Form eines Schiffsrumpfs, längs aufgesetzt, vorn und achtern echt spitz. Die Männer hatten im Gespräch die Köpfe gesenkt, und ab und zu nickte einer. Ja, sie machten Figura – als Karikaturen zu gross geratener palavernder Krähen. Ich nannte sie spontan „Totenvögel“.

Ich habe mir dann vorgestellt, wie diese Figuren am Grabesrand stehen, die Köpfe tief gesenkt, sodass man von den Gesichtern nichts mehr sieht, und jeder hält ein Tauende in der Hand – und man steht dabei, darf aber nicht lachen ….. Besucher so zu quälen ist wirklich unfein.

Seit meiner Kindheit war ich nur 2 x Friedhofsbesucher. Beide Male wegen Tante Hilde. Ich bin mit ihr zu Begräbnissen gedackelt, weil wir anschliessend im Gasthof bannigen Spass hatten, weil wir beide so richtig mit bösem Humor ausgestattet waren, und mit Cognac-Flaschen ganz eng verwandt.

Warum dieses trostlose Thema? Morgen wird meine Schwägerin bestattet. Das geschieht ohne mich. Ich habe oben erklärt, warum. Es kommt dazu, dass ich nicht reisen kann – und Tante Hilde lebt auch nicht mehr.

Mein Teppich und ich

Arkis findet es krass, dass ich von einem Teppich schrieb, der an Hund leidet. Jaaa, Arkis, sage ich, rein sachbezogen muss man dies auch krass finden. Wenn da aber ein kleiner Seiden-Täbris liegt, der mit 1 Mio. Knoten pro qm handgeknüpft ist, und wenn man Gelegeheit hatte, zuzuschauen, wie so ein Ding entsteht, und wieviele Wochen Arbeit investiert sind, dann bildet man sich ein, da hätte eine Frau ihre Seele mit hineingeknüpft. Wenn Du gezwungen wirst, so einen Teppich zu kaufen, und Du weisst, dass man Dich beim Preis über den Tisch gezogen hat, so verbindet sich bei der Bezahlung auch Deine eigene Seele mit diesem Sch …. ding!

Anschliessend liegt das „gute Stück“ irgendwo auf dem Fussboden, und jedermann latscht drüber, gleich, ob auf Socken oder in Wanderstiefeln mit grobem Profil und Hundeköddel dran. Und ich sage: Das schmerzt, und das lasse ich mir nicht nehmen. Zu den Gründen:

Unter uns Pfarrerstöchtern: Solcherart Schmerzen sind immer – ich betone: immer – ein Grund, eine Flasche Riesling zu öffnen. Der Riesling ist gesünder, und er schmeckt besser als Ibuprofen.

Ein Gleichnis

Bist Du als Schneeflocke unterwegs,
zauberhaft mit fraktaler Geometrie
und dabei kalt wie ein Eisblock,
so meide die Sonne,
denn ihre Strahlenpracht tötet,
und Du wirst tief fallen,
fallen wie eine Träne,
und Gäa, die Erdenmutter
wird Dich aufnehmen
in ihr warmen Schoss.
Suche nach den Schattenreichen,
wo Eiseskälte das Leben bestimmt,
wo jeder sich mit jedem verbindet
in dem Bemühen, über das Land
und über die Menschen zu herrschen,
Grenzen des Handelns zu ziehen
und stark zu sein unter Gleichgesinnten,
den Alten, den kalten arktischen Fürsten,
den Weissen Genossen des Eises.

Haiku 120

Ein Dorsch kommt an Land.
Geht zu Fuss trotz viel Verkehr.
Nennt sich nun Flunder.

Haiku 119

Es ist sommerlich.
Der Käse stinkt erbärmlich.
Einsam stirbt ein Baum.

Haiku 118

Wasser fliesst talwärts,
doch der Bach versiegt im Sand.
Buschwindröschen blühn.

Haiku 116

Wilhelm Busch

Die Alten trauern,
und sie weinen in den Wein.
Ein Hund frisst Bockwurst.

Haiku 115

Lass Blumen sprechen.
So reden viele Leute.
Hass tötet Liebe.

Haiku 114

Die Mäuse tanzen.
Ein alter Kater säuft zu viel Gin.
Kälte dringt ins Haus.

Haiku 113

Ein Rabe fliegt,
und findet seine Beute.
Schwarz ist sehr modern.

Haiku 112

Die Nacht sinkt herab.
Der Hund kackt große Haufen.
Ein Teppich leidet.