Auf dem Friedhof zu Hause

Heute hat mich wieder einmal eine Info überrascht. Man kann in Baumärkten tatsächlich Friedhofserde kaufen. Ich habe diese Info überprüft; sie ist korrekt. Natürlich bin ich frustriert, denn ich habe mich als Experten für Erden gesehen. Schliesslich musste ich zu Lebzeiten meiner Frau alle möglichen Sorten Dreck in Tüten tonnenweise kaufen, aber über Friedhofserde bin ich nie gestolpert.

Nun sitze ich hier und grüble. Handelt es sich um Erde, die man von Friedhöfen abgeerntet hat? Oder ist es Erde, die man zum Friedhof schleppt und auf Gräbern anhäuft, weil Friedhöfe im allgemeinen nicht über ausreichend Mutterboden verfügen? Ich recherchiere.

Kein Mensch sagt mir, welche Sorte verkauft wird. Man ordert im Baumarkt korrekter „Graberde“. 20 Liter kosten so um 8 oiro 50. Mit Glück steht auf dem Plastiksack, ob diese Erde ausgegraben wurde oder eingegraben werden soll. Aber: Ich lese Warnungen wie diese: Knochenfunde in Graberde. Graberde giftig. Leichengift in Graberde.

Und nun erkläre mir einer, was auf deutschen Friedhöfen abgeht. Normal ist das nicht.
Ich habe Angst. Ich will da nicht hin! Auch nicht tot!

In meinem Testament habe ich bestimmt, dass man mich in einen Ofen schiebt, und die Asche in einem Friedwald verbuddelt; die Urne ist aus Maisstärke gefertigt und vergammelt. So bin ich über den Tod hinaus noch nützlich – als mineralischer Dünger.

Für meine Seele wird auch gut vorgesorgt. Meine Tochter wird über meiner Urne ein paar Radieschen pflanzen. Dann kann ich mir diese Radieschen von unten ansehen. Das Bierchen träume ich dazu, und alles ist schön.