Aus „Weihnachten 2020“

Wir hatten uns über die Weihnachtstage zu dritt in meiner Hütte verkrochen, meine beiden Nachkommen, bereits jenseits der 50 und Singles, und ich. Zähle ich die Katzen mit, dann waren wir zu fünft.

Fünf Atheisten, jeder nur sich selbst und seinem Wohlbefinden verpflichtet, ohne einen Bezug auf das Besondere der Feiertage verbrachten also gemeinsam die drei freien Tage wie alle freien Tage das Jahr über. Und man darf gewiss sein: Keiner hat irgendwas vermisst. Anders: Wir gingen Weihnachten so weit wie möglich aus dem Weg.

Dennoch haben diese Tage etwas für uns Bemerkenswertes hervorgebracht. Das war etwas zum Essen und heisst – warum auch immer – Russenfilet. Es war mein Vorschlag, und ich bin damit auf Protest gestossen. Man war wohl der Meinung, so etwas Seltsames wie Rotkohl und Reis könne man nicht unbeschadet essen. Aber ich koche nicht gerne, und wenns denn sein muss, dann wenigstens interessant bis riskant. Deshalb waren die Toasts am Vorabend auch, gelinde gesagt, der Mülltonne ganz nahe, und nur der Hunger hat sie reingetrieben, in den menschlichen Verdauungsapparat.

Zurück zum Russenfilet. Es ist ein Schweinefilet, normal hergerichtet, also angebraten und im Backofen mit Niedrigtemperatur fertiggegart. Russisch ist da garnix. Aber der Rotkohl, mit Rotwein und Kochsahne gegart und mit Curry und Cayennepfeffer gewürzt hats gebracht. Das Ergebnis sieht im Pott aus wie ein Eintopf, aber man wirft die Filetscheiben rein, dann sieht aus wie Eintopf, aber mit Fleisch. Angerichtet auf einem Reis-Bett wird ein Essen draus, das in meiner Familie immer als „Reis mit Scheiss“ tituliert wird, was immer ein Kompliment sein soll. Kurz, es war lecker, und es blieb nur ein leerer Topf übrig, und jede Menge Reis. Die Rotkohlmumpe brüllt förmlich nach einem frischen Baguette!

Sollte es sich ergeben. dass Russenfilet wieder mal gefragt ist, so werde ich den Rotkohl in meinen chinesischen Essschalen servieren, einen Suppenlöffel dazu legen, das Filet gegart in bissengrosse Stücke zerhacken und beifügen, und Stangenweissbrot zum Zerreissen dazu legen.
Mehr ist Tinnef!

Den polnischen Bigosch esse ich auch so. Das ist ein echter Eintopf von besonnderer Qualität. In der Herstellung ist Bigosch jedoch ungleich aufwendiger. Das Russenfilet bereitest Du zu, während Du gegen 12 Gegner simultan Schach spielst.