Die gute alte Zeit

Im Neandertal

Es gibt Zeiten, und es geschehen Ereignisse, die mich immer wieder dazu bewegen, die gute alte Zeit anzurufen.Wie war es doch idyllisch, als wir vor 300.000 Jahren das Neandertal besiedelten und Erkrath zu unserer Hauptstadt ausriefen! Kein Mensch brauchte einen Staat, schon garnicht einen sauteuren Beamtenapparat; man hat seine Angelegenheiten im Clan geregelt, alle Regelungen hatten Gesetzescharakter, und wer daneben langte, kriegte es mit dem Satmmesältesten und seinen Helfern zu tun. Ohne Redereien wurde das Urteil vollzogen, und die Wölfe hatten eine Mahlzeit, ohne jagen zu müssen. Alles lief rund, und mit 35 wurde gestorben. Von Unzufriedenheit und Klagen ist bis heute nichts zu hören.

Jaja, das Heute – es ist unser grösstes Problem. Menschliche Intelligenz, dieses hinterhältige Gift hat eine Entwicklung in Gang gesetzt, die uns heute einfach überfordert. Man darf vermuten, dass die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft bis vor 150 Jahren in einem Tempo ablief, dem der Mensch folgen konnte. Man hat irgendwann das Rad erfunden, und jedermann war vom Nutzen dieses Teils zu überzeugen. Aber versuche einmal, dem Herrn Jedermann eine CNC-gesteuerte Werkzeugmaschine zu erklären. Jedermann ergreift die Flucht!

Nun, die hier angedeutete Synchronität der technischen mit der menschlichen Entwicklung hat in unserer, der so sehr gerühmten „modernen“ Zeit ihr Ende gefunden. Wissensbasen erweitern sich explosionsartig, und der Mensch muss sich auf Segmente spezialisieren. Siehe das Fach Biologie!

Also wollen wir zurück 9in die gute alte Zeit? Um Gottes Willen! Bloss das nicht. Wir würden dort eingehen wie eine Primel. Überzüchtet und degeneriert, wie wir sind.
Wi pflanzen aus Jux hinter dem Haus einen Tomatenstrach im Blumentopf und freuen uns einen Kullerkeks, wenn dort 3 Tomaten reif und schmackhaft werden. Dies ist aber keine Basis für die Ernährung einer Familie mit 11 Kindern. Ich höre die Brut schon meutern:“Mama, wo is’n ALDI? ALDI ist weg!“ Und Mama macht klar:“ Hier habt Ihr eine Pellkartoffel! Und jetzt ist Ruhe, oder ich komme mit der Keule!“
Und Vater kriegt keine Marlboro und raucht nun Thymian, in Birkenrinde gewickelt.
Aber so ist es. Irgendeine Generation müsste die Schmerzen der Rückbesinnung ertragen, die bittetre Medizin schlucken. Mutter hätte wohl einen Vorrat an Dosensuppen angelegt, und zu Weihnachten gäbe es dann einige Löffel Erbseneintopf von Erasco …. ich glaube, jetzt geht der Gaul mit mir durch!