Auf fremdem Terrain

Zum Teufel! Wie heisst das winzige Wesen noch mal, das zur Zeit auf unserem Planeten sein Unwesen treibt? Kaum zu glauben; das Ding ist extrem prominent, hält Millionen aus der Krone der Schöpfung auf Trab, und ich kenne nur seinen Spitznamen „Corona“.

Ich habe von nichts eine Ahnung. Man fragt rasch das Netz. Es weiss alles.

Das Ding ist ein Virus. Und es heisst SARS-CoV-2.

SARS ist sein Vorname. Er bedeutet Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom.

Erwischt mich das Virus, so werde ich krank. Diese Krankheit heisst COVID-19 (Abkürzung für englisch coronavirus disease 2019).

Nun ist eine Variante in aller Munde. Sie heisst B 1.1.7. Diese Bezeichnung ist typischer Labor-Slang. Ich suche noch nach einem Namen, schwanke zwischen Boris, Angela und Donald. Etwas phantasielos, nicht wahr? Es hat sich leider das Spike-Protein , somit die aufgesetzten Stöpsel zum Andocken an die Zellwand so verändert, dass das Eindringen in die Zelle schneller und leichter geschieht als bisher.

Und wo kommt nun das „Corona“ her? Ist doch ganz einfach: Die Peplomere, die nach außen ragenden Proteinstrukturen der Virushülle, die Andock-Spikes also sind hübsch kronenförmig (lateinisch: corona → Krone) angeordnet.

So. Das wars schon. Meine Tochter würde mir nun vorhalten, ich liesse wieder mal den Oberlehrer raushängen. Ich könnte dagegenhalten. Bin für Ordnung in meinem Oberstübchen. Mehr nicht. Jaaa, ich müsste deshalb noch lange nicht schreiben und ins Netz … falsch! Ich muss schreiben, sonst kann ich es mir nicht merken. Mein Gedächtnis ist wie ein Eimer ohne Boden!

Fast hätte ich sie vergessen: Die Virologen. Sie sind sehr zahlreich, und sie alle fühlen sich berufen, die Welt zu belehren. Heute früh ragte einer aus der Menge heraus wie der Koloss von Knossos: Herr Stürmer. Er tauchte mit einer Neuigkeit von fundamentaler Bedeutung auf:

„Das Virus kennt keine Grenzen!“

Hab ich nicht gewusst. Wer hätte das gedacht!