Zum Brexit – 18 –

Manchmal ist es hilfreich, ein Problemfeld aus der Vogelperspektive zu beobachten. In Sachen Grossbritannien erkennt man dann das Folgende.

Mit dem Verlassen der EU hat man Fesseln gelöst. Dort fixierte Standards muss man nicht mehr beachten. Europäische Werte und Normen bestimmen das Denken und Handeln nicht mehr.

So kann man ungehindert staatliche Institutionen privatisieren. Das bringt Geld.

Man schafft alle teuren Sozialleistungen ab. Das bringt Geld.

Die Unterschicht wird in die Rolle der modernen Arbeitssklaven zurückentwickelt. Das bringt Geld.

Man zentralisiert. Den Landesteilen Nordirland, Wales, Schottland und England nimmt man Macht und Einfluss.

Das Parlament wird entmachtet. Wir erinnern eine Situation, in der es sich selbst abgeschaltet hat.

Man möchte London einen Status verordnen, wie ihn Singapur einnimmt. London als Weltzentrale der Hochfinanz – Geldwaschmaschine für die kriminellen russischen Oligarchen ist man bereits. Das bringt wieder Geld.

Als Muster für die Umgestaltung der britischen Demokratie hat man sich China vorgenommen. Anders: Die Demokratie wird von hinten durch die kalte Küche abgeschafft. Reste davon bleiben als Dekoration, aber ohne ploitische Wirkung in Gebrauch.

Das Gesamtpaket hat besonderes Gewicht. Grossbritannien erlebt einen Staatsstreich.

Die Standesdünkel der einzelnen Bevölkerungsschichten sowie die angewandte Salami-Taktik verhindern, das zu erkennen.

Und nun darf geraten werden, wo der auf diese Weise erwirtschaftete Reichtum bleibt.

Man macht sich nicht ohne Not die Finger schmutzig; für die Drecksarbeit hat man Leute wie Boris Johnson und Dominic Cummings.