Eine biblische Plage

Ein Zerfall der ethischen Werteordnung einer Kultur ist gleichbedeutend mit der Zerstörung der Kultur selbst.

Das biblische Bild des Goldenen Kalbs ist Gegenstand einer sinnstiftenden Erzählung über die Zerstötung des Nordreichs Israel mit seiner goldenen Hauptstadt Samaria. Das Narrativ des Goldenen Kalbs, jenes Götzenbilds hat heutzutage ein anderes Gesicht angenommen. Dessen ungeachtet hat sich sein Sinn nicht verändert.

Ich denke, man muss es so sehen. Das Narrativ nennen wir Geld, und die Gesellschaft tanzt um dieses Götzenbild, denkt und handelt dabei nahezu fanatisch, aber immer zutiefst überzeugt. Die Geschichte aus dem 2. Buch Mose der Tora, Exodus 32 wiederholt sich in moderner Form. Lediglich ein Moses lässt sich auf dem Berg Sinai nicht finden, und das ist ganz, ganz schlecht.

Nein, das ist nicht lustig. Wir sind auf einem üblen Weg. Der geht steil bergab, und entsprechend hoch ist das Tempo des Abstiegs. Unten warten die Protagonisten einer modernen Tragödie, die allseits bekannten Figuren aus Politik und Wirtschaft.

Ich gestehe nichts weiter als resigniert zu sein. Ich habe nicht mehr die Kraft, wütend zu sein. Statt dessen flüchte ich gelegentlich in Traurigkeit. Und es tröstet mich, dass ich nicht noch ein halbes Jahrhundert lang weiterleben werde. Allerdings ….. ich kaue immer noch mit meinen eigenen Zähnen und brauche keine Schnabeltasse ….. und für den Notfall gibt es das Pentachlorbarbiturat!