Zum Brexit – 4 –

Der Lack ist ab!

Wenn ich zu diesem Thema etwas berichte, so ist ’s nicht erfunden, sondern gefunden.
Und das Gefundene stammt durchweg aus GB. Ich gebe meinen Senf dazu, das ist schon richtig. Mein Senf, das ist die Palette an Ausdrucksmitteln, von Ironie bis zum bösen Zynismus. Ich lege Wert darauf, dies festzustellen.

Allerdings bin ich nicht in der Lage, den Wahrheitsgehalt britischer Meldungen festzustellen. Soweit mein Vorbehalt.

Im folgenden spekuliere ich. Oder anders gesagt: Ich interpretiere, indem ich versuchsweise einzelne Puzzle-Teile zu der Andeutung eines Bilds zusammenfüge.
Hier das Ergebnis:

Das britische Empire erlangte seine Bedeutung seine weltweite Ausdehnung, durch die Ausbeutung der Kolonien und durch konsequent praktizierte Arroganz gegenüber dem Rest der Welt. Andere Rechte als die der britischen Upperclass wurden im Empire ignoriert oder gar bekämpft.

Im 21. Jahrhundert und im zerfallenen Empire, also im Commonwealth of Nations ist solche Praxis nicht mehr möglich. Die verbundenen Staaten sind alle souverän, und mittlerweile selbstbewusst geworden. Dumm nur, dass sich die Denkweise des Empire bis in die Jetztzeit gerettet hat. Damit stellte sich die Frage, wen verdammt nochmal man heute ausplündern könne.

Nun ist die britische Upperclass nicht verblödet. Sie haben einen Staat gefunden, den sie ungestraft ausnehmen können wie eine Weihnachtsgans: Grossbritannien!

Das wäre nicht machbar, bliebe GB Mitglied in der EU. Also her mit dem Brexit. Weg mit Verträgen, die behindern! Es muss ein harter Brexit her.

Nun hat man bede Hände frei und kann privatisieren. Da ist z. B. die NHS, das ist das britische, staatliche Gesundheitssystem. Es ist heute, so berichtet man, bereits zu 35 % in die Hände von US-Investoren geraten.

Privatisieren bedeutet, staatliche Einrichtungen an Investoren zu verkaufen. Verkaufserlöse werden in der Staatskasse nicht gesehen, oder man verkauft offiziell zu kleinen Preisen, kassiertaber hohe Preise, und die Differenz zum offiziellen Erlös verschwindet. Man vermutet, es gäbe allzuviele offene Taschen, wenn ein Deal eingefädelt wird.

Die reine Optik verführt zu der Vermutung, dass man in GB die Industriegesellschaft des 21. Jahrhunderts zurückschneiden wird auf den Stand des 19. Jahrhunderts, bestenfalls auf den Stand um 1900. Arbeitsschutz, Mitarbeiterrechte, Mitbestimmung, das ganze Sozialunwesen – hau wech den Scheiss!

Diese Vorstellung ist natürlich allzu drastisch, um nicht zu sagen allzu utopisch. Aber man tendiert in diese üble Richtung. Es ist die Denkweise der „Eliten“, die besorgt macht.
Sie sind nicht durch soziale Intelligenz belastet und agieren wie die Hunnen. Ihr wichtigster Kumpan ist die Dummheit der Bürger. Dies hat das Votum für den Brexit deutlch gemacht.

Allerdings dürfte der nun laufende große Coup nicht ein zweites Mal durchgeführt werden. Die Bürger bekommen die Folgen des Brexit zu spüren, und was sie erleben, wird ihnen nicht gefallen. Sie werden wohl erkennen, dass man sie gelinkt hat. Nun vernimmt man erste Stimmen, die den Ausbruch von Gewalt befürchten. Das ist vielleicht ein wenig dramatisiert, aber zur rechten Zeit benutzt rhetorisch wirkungsvoll.