Ein gewöhnlicher Tag?

Dieser Tag, den ich sehe, sobald ich aus meinem Fenster schaue, ist ein Tag wie jeder andere. Anders gesagt: Er gleicht den vergangenen Tagen, ist jedoch nicht Wiederholung. Hat er Dir etwas Besonderes gebracht, so verwahre dies in Deinen Erinnerungen. Konserviere das Aussergewöhnliche als Text und Bild, aber erwarte nichtdie Rückkehr von Vergangenem.

In meiner Welt finden Tageszeiten draussen statt. Draussen, das ist dort, wo die grosse Welt beginnt. Drinnen, in meiner kleinen Welt kenne ich nicht den Abend, den Tag, Nächte oder eine Morgenfrühe. Ich reduziere meine Wahrnehmung auf Licht an/Licht aus. Alles andere ist Ordnung für Ordnungsliebende, für Menschen, die unter Zwängen zu leiden haben, und für Liebhaber von Uhren, die auch noch den Mondstand anzeigen.
Meine Uhren können nur Datum, und ich weiss nicht, wie ich damit zurecht komme – aber ich komme zurecht.

Es ist anderes, das mich irritiert, ja, buchstäblich aus der Fassung bringt. Und das ist nicht leicht bei einem Menschen wie ich, der ständig darum kämpft, auf der Höhe der Zeit zu sein, nichts Wichtiges zu verpassen, und dabei so garnicht auf Konventionen zu achten.

Wie auch immer meine Befindlichkeiten einzuschätzen sind – es ist heute anderes angesagt. Ich habe ein Problem mit dem Vogelzug. Er bietet viele Rätsel. Da fliegt zum Beispiel die Rauchschwalbe von der Arktis in die Antarktis, nur um dort zu brüten. Die Wegstrecke misst zirka 17.000 km. Warum dies? Nur der Vogel weiss das, und er spricht nicht.
Heute habe ich nun einen Schwarm Gänse beobachtet, der in der bekannten Keilform unterwegs ist. Ich hörte den üblichen Lärm, denn diese Vögel scheinen recht geschwätzig zu sein, und er muss brüllen, wenn er als letzter dem ersten etwas zurufen muss wie „Dein Kurs liegt nicht bei 170 Grad an, sondern bei 164! Umwege kosten Zeit und Kraft!“
Nun, so gesehen war die Situation um den Gänseschwarm normal zu nennen Nur:
Die Vögel fliegen alle rücklings. Also mit Bauch nach oben. Die Patschfüsse ragen in den Himmel. Und ich stand vor meinem Haus wie Lot’s Weib, zur Salzsäule erstarrt. Nun quälen mich tausend Fragen. Was sehen die Gänse über sich, das sie dazu bewegt, falsch herum zu fliegen? Ist das etwas, das sie sehen, ich aber nicht? Fliegen alle Gänse nun auf dem Rücken? Bringt das eine bessere Aerodynamik? Und was ist mit den 500 Millionen Zugvögeln, die nun Europa und Asien verlassen, um südliche Sonne zu geniessen?
Und ….. fliegt nun auch die LUFTHANSA auf dem Rücken?

Ich glaube, es ist klug, bescheiden zu bleiben. So schaue ich nach den Standvögeln, jenen Geschöpfen, die in unserem Garten überwintern. Sie kennen nur ein Risiko, und das heisst „Katze“.

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