Blick auf den Fluss

Wenn ich dreimal lang hinschlage, liege ich direkt am Ufer der Elbe. Doch STOP! Meine Eltern haben mir eingebleut, so oft es geht ehrlich zu sein. Ich beginne von vorne.

Wenn ich dreimal lang hinschlage, liege ich vor meinem Briefkasten, an meiner Hausecke, an der Strasse. Dann fahre ich 3 km, falle nicht mehr um, und stehe am Elbufer, dort, wo die Fähren anlegen. An diesem Platz kann man Richtung Hamburg blicken, und zwar direkt in den Hafen. Vermutlich sieht man mit einem guten Glas auch die Elbphilharmonie, wenn ich längs der Inseln Hanskalbsand und Neßsand gucke.

Das für Binnenländer wie mich Interessante an besagtem Anleger ist, dass das Hauptfahrwasser auf der Steuerbordseite sehr nahe am Südufer, also auf unserer Elbseite liegt. Immerhin ist der Fluss hier so an die 3 km breit, aber die Schiffe kommen ganz dicht vorbei.

Unfug, sagen die Eingeborenen. Hast Du einen Dampfer gesehen, so hast Du alle gesehen. Und doch gibt es gelegentlich Ereignisse, die – in Hamburg „Events“ genannt – die eine Heerschar von Altländern und Zugezogenen am Anleger auf den Deich locken. Und siehe da, sie verstehen zu leben!

Da war ein sehr prominentes Schiff angesagt, nämlich der Passagierdampfer „Queen Elizabeth II“. Dieser Dampfer ist 295 m lang, 32 m breit, hat 1000 Mann Besatzung und 1900 Betten. Seine 9 Dieselmotoren leisten 130.000 PS. Damit schafft er 60 km/h. Sein Tiefgang: max. 10 m.
Das Schiff ist übrigens weiblich. Man spricht von der Queen, indem man sagt, s i e schaffe 60 km/h. Sie wird von 1000 Mann Besatzung gefahren, usw.

Die Queen kam also nach Hamburg. Es war ein seltener Besuch, darum war der Elbdeich bevölkert, als gäbe es Kirschen umsonst. Ich war mit meiner Familie auch da. Erst spät, in der Dämmerung tauchte die Queen auf, protzte ein wenig mit ihrer Erscheinung auf dem Wasser und verschwand in der beginnenden Dunkelheit. Und dafür haben wir Deppen am Deich gehockt und gefroren. Mit leeren Taschen!

Anders die Eingeborenen. Sie kamen an, bepackt wie Maulesel, und breiteten sich aus.
Decken zum Draufsitzen. Decken zum Über die Schulter legen wegen der feuchten Abendkühle. Thermoskannen mit Tee und Kaffee satt. Nudelsalat. Lauwarme Buletten. Brot, Käse und Rotwein. Räucheraal. Rosinenbrötchen. Bier hektoliterweise, sauber in Blechdosen verpackt.

Scheisse, dachte ich. Warum hat mir das keiner gesagt? Es hätte auch für uns ein Picknick geben können, aber keiner kam auf die Idee! Und: Diese Altländer geben nichts ab. Null Angebot. Nicht mal die abgefressenen Knochen der Hähnchenschenkel! Du sitzt im Gras auf dem Deich und hast nicht mal einen Hut, den Du umgedreht vor Dich legen kannst, um das Geld für eine Semmel zu sammeln.

Da lobe ich mir die fünf Türken, die in Bodrum auf dem Marktplatz auf offenem Feuer einen Eintopf kochten und meine Frau und mich spontan einluden, mitzuessen.

Anders die hiesigen Obstbauern. Als in 1962 Hamburg nach einer Sturmflut abgesoffen war, hat man den Hilfskräften aus der Bundeswehr, die Menschen aus dem Wasser holten, Äpfel angeboten – für 1 DEM das Stück.

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