Landunter! – für Hamburg und mich

Man stelle sich vor, rund um den Globus gäbe es keine Wolke, weil alles runtergekommen ist. Und Eis findet sich nur noch im privaten Kühlschrank und in der Firma Langnese. Also alles Wasser des Planeten ist am Boden, die Gletscher sind wie die Hochgebirge abgetaut – auf Erden fliesst alles.
Wie vom Altgriechen Heraklit um 480 v. Chr. vorhergesagt: Panta rhei!

Die alten Küstenländer sind untergegangen wie Rungholt in der Wikinger-Aera. Von Hamburg sieht man nur noch die Turmspitze vom Michel, und ein Stück vom Fernsehturm. Und überall schwimmt Fisch. Karstadt in der Mönckebergstrasse als besondere Laich-Höhle für den Kabeljau, und so.

Aber das Wetter ist prima. Alles Wasser ist schon unten, es kann also keinen Regen geben. Rasen sprengen entfällt. Auto waschen – lächerlich. Lotus, Teichrosen und Wasserkastanien gedeihen prächtig. Landunter!

So kanns kommen. Die Hanseaten als Flüchtlinge in Bayern – was für eine Vorstellung.

Wos wuist? A Essen? Bist narrisch? Schleich´Di, Du Depp, oder mechst raffa, ha? Du Rucksack-Deitscha, Du ….. Du ….. Du Wirschtl! Geh zruck zu die Fisch !

Ob man so viel sprachliche Eleganz auf die Dauer verträgt, oder nicht doch Pickel am Hintern davonträgt, muss man abwarten. Vorsicht! Das ist kein Rassismus! Ich darf das so sagen, denn ich bin als Bayer geboren. Damit das klar ist.

Wenns mal soweit ist: Rennt nicht alle in die Heide, zum Wilseder Berg! Der ist zwar knapp 170 m hoch, hat aber wirklich nur Platz für 120 Menschen, zur Not 125.

Leute, keine Hektik. Dieses, und nächstes Jahr sind wir noch sicher. Wenns losgeht, hast Du noch ein paar Jahre Zeit für die Vorbereitung des Exodus.

Fangt aber schon mal damit an, Sandsäcke zu füllen. Noch gibt es Säcke und Sand – leider vorläufig voneinander getrennt. Beginnt damit, Sylt in Säcke zu schaufeln!

Eine kleine Hilfe: Wenn Deine Hütte 20 m lang und 10 m breit ist, und Du rechnest 100 Sandsäcke auf einen Meter, dann macht das 200×138=27.600 Sandsäcke, und Du kriegst damit einen Wall gesetzt von 100 cm Höhe und 120 cm Dicke an der Basis, und 30 cm on the top. Damit kannst Du ein weiteres Jahr trocken liegen.

Für das besondere Problem mit den Abflüssen muss Dir etwas einfallen. Wenn Du die nicht druckfest mit einer Rückstauklappe verschliessen kannst, läuft Dir die Bude von innen voll, und ich sage Dir, ich habe das mal bei Hochwasser erlebt, Du kannst Dir nicht vorstellen, was alles aus den Kloschüsseln in Deine gute Stube gespült wird – ganz extraordinär! Wie das? Nun, die Kanalisation läuft als erstes voll und transportiert wegen unsinniger Druckverhältnisse im Röhrensystem quasi rückwärts.

Und nun vorwärts gedacht. Die Strecke von Hambiurg bis in den Harz, nach Goslar ist 175 km lang – Luftlinie. Das wäre der Kurs für Deine erste Etappe. Du solltest für die Flucht ein Schlauchboot von mindestens sechs Meter Länge zur Hand haben, doppelwandig, drei Paddel pro Insasse für den Notfall, und drei 60 PS-Aussenborder von Honda mit Sprit für 300 km Schleichfahrt, sowie ein Drachenanker für die Ruhepausen. Wasserfeste Kleidung, Esbit-Kocher, Fackeln, Signalpistole Munition (nicht an Silvester verbraten), wasserfeste Kekse und Konserven für zirka eine Woche. Keine Frage, dass alle wichtigen Papiere in Plastik einzuschweissen sind, parat liegen für den Exodus. Weisskohl, Zitronen und Medikamente gegen Scorbut sind ebenso unentbehrlich wie Unterwäsche aus Angora-Wolle. Diese in Verbindung mit Wat-Hosen – und Du fühlst Dich wie zu Hause. Ein Kompass muss zuverlässig SÜD zeigen, sonst gehts schief. Hoffe nicht auf Seekarten – für die Strecke von Buxtehude nach Goslar gibts noch keine. Und – das ist besonders wichtig – Pressluft zum Aufblasen Deines Boots! Schwimmwesten, Leinen, kleines Segel wäre auch praktisch, spart Sprit, warme Sachen zum Wechseln, Deine Stereo-Anlage, und vergiss das Auto! Damit kommst Du nicht weit! Alle wollen mit dem Auto abhauen. Du aber wartest gelassen auf das Wasser, belädst Deine luftgefüllte Arche und tuckerst in aller Seelenruhe los, Kurs so zirka 160 Grad.

Aber mach unterwegs kein Loch ins Boot. Für diesen Fall muss Dir auch etwas einfallen. Das Marine-Handbuch? Stichwort: Leck (niemals Loch), und abdichten (niemals zukleben).

Und wer „AHOI“ brüllt, wird über Bord geschmissen! Das spart Sprit und Lebensmittel.