Alles für die Katz

Gestern nachmittag sind die beiden Katzenviecher, die wir in Pflege nehmen, hier angekommen. Beide haben das mediterrane Format; ich nenne es euphemistisch „zierlich“. Die Biester wiegen fast nichts, bestehen aus Gerippe mit Fell drüber. So gesehen passen sie nicht in diesen unseren Haushalt, wo man eher barocke Formate pflegt. Fett füttern ist aber auch nicht angesagt. Die dünnen Beine würden das Format eines deutschen Katers nicht tragen wollen.

Beide Tiere sind spanische Streuner. Ausser Strasse und Tierheim kennen sie nichts. Und nun müssen sie sich mit der Problematik eines deutschen Haushalts auseinandersetzen.
Mit dem lärmenden Staubsauger auf Du und Du – das wird einfach erwartet! Klar, dass die Viecher gestresst sind.

Gestern am Nachmittag kamen die beiden, jede in einer ordentlichen Transportbox eingeknastet. Die Türen wurden geöffnet, und beide Katzen verschwanden wie ein Blitz unter der Couch.

Man hatte angewiesen, die Katzen 4 bis 6 Wochen nicht ins Freie zu lassen, da sie sonst nicht wieder nach Hause finden. Sie sollen erst mal kapieren, wo sie nun hingehören.

Nun, nach 3 Stunden kamen beide Katzen ans Tageslicht, und es trennten sich ihre Wege. Cilla begann, sich mit den Menschen zu befassen. Darunter versteht sie, Schmuse-Einheiten zu fordern. Zwischendurch kackte sie auf ein Handtuch – Stress und/oder Futterwechsel bescherte ihr Durchfall. In der Nacht lümmelte sie auf einem Bett – das ist nun auch in der Wäsche. Das Vieh kleckert und pupst. Aber sie schmust gerne, und hat die Angst vor uns Menschen ad acta gelegt.

Anders Titi. Dieses Saumensch war plötzlich verschwunden, und das für 16 Stunden. Man sorgt sich dann, denn man ist nicht Eigentümer. Wir haben dann die ganze Bude abgesucht und sie nicht gefunden. Erst heute früh tauchte sie wieder auf, frass ein wenig, und fing an zu schreien. Offenbar will sie ins Freie. Alle Mitbewohner werden ignoriert. Nun wird sie animiert: Meine Tochter, eine erwachsene Frau, die beim Kampfsport gelernt hat, wie man einem Menschen das Genick brechen kann, läuft durch das Haus und macht „Nom nom nom nom nom!“ Wie Trump. Nur macht der „Win win win win win!“ Um in dieser Neusprach mithalten zu können, trainiere ich auf meine alten Tage vor dem grössten Spiegel nun mit Hapi. Es kommt immer Papi dabei zustande. Peinlich.

Zu sammengefasst: Titi mag uns nicht. Noch nicht. Cilla schon, aber sie schafft es nicht immer ins Katzenklo. Und so liegt ein dezenter Geruch nach Katzenscheisse in der Luft – hmmmm – man gewöhnt sich an alles. Wir müssen! Öffnen wir ein Fenster zum Lüften, so haben wir zwei spanische Katzen weniger und 60 Pfund Katzenfutter zu viel.
Und wer kriegt das Zeug dann serviert? Richtig ….. genau der. Nassfutter in die Sosse Bolognese, Trockenfutter in die Frühstücksflocken von ….. na, von wem? Von Seitenbacher natürlich!

Man kriegt die Katzen auch nicht vom Fleck. Sie gehorchen nicht. Aber sie müssen aus dem Zimmer, das man lüften will.
Man schnauzt sie an mit „Raus hier!“, und sie kommen an und wickeln sich um Deinen Hals – extremer Liebes- und Vertrauensbeweis. Wenn Du nun einen Jutesack über den Kopf ziehst, der bis zum Hintern reicht, und unten zuhältst, kannst Du mit Katz das Zimmer verlassen, und eine andere Person schliesst die Tür. Dann geht Lüften. Anschliessend gehst Du zum Arzt und lässt Dein zerkratztes Gesicht reparieren.
Ok, ich wollte nur andeuten, dass wie immer der Teufel im Detail steckt. Selbst im Lüften bei Katzen-Düften.

Natürlich hat auch das ein Ende, wenn die beiden in ca. 6 Wochen raus in den Garten dürfen. Bis dahin gilt, was Helge Schneider so gerne singt: Katzenklo, Katzenklo, Katzenklo macht Katzen froh!

Das ist ein Start der Kategorie „Volle Pulle“ in ein Leben mit Pflegekatzen.

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