Kontraste

Und mit all diesen Typen soll ich friedlich und harmonisch zusammenleben, gut Freund sein, meine Empathie verstreuen wie Getreidekörner auf dem Weizenfeld?

Was, bitte sehr, ist das für eine unmenschliche Aufgabe? Wer ist bloss so unbedarft, mir so etwas zuzumuten?

Welcher blau-äugige, humanistisch verdorbene und fehlgeleitete Super-Ethiker hat sich ausgedacht, mich zum Gutmenschen umzufriggeln?

Bin ich etwa ein Moraltheologe oder was?

Schert Euch doch alle zum Teufel! Ich sitze seit Jahren in einem Heim, das deutlich besser als ein Bundeswehrzelt ist, und bis heute ging es mir hier gut. Aber es ist eine Teufelei angezettelt – und so werden heute nachmittag hier zwei weitere Katzen das Revier übernehmen – mein Revier! Ich wiederhole: Zwei! In Zahlen: 2!

Man kann sich nicht vorstellen, was das bedeutet, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Es gibt nun im Haus 4 Toiletten. Zwei davon sind für mich verboten. Es gibt einen Katzenbaum. Es gibt Katzenbetten, Katzenstreu, Katzenfutter, Katzenmatten zum Zerkratzen, Katzenklappe, Katzenspielzeug, Katzenfotos, Katzenvideos, Katzen-Chips und Katzenchip-Lesegerät, Katzenmedizin gegen Leishmaniose und Würmer, Katzenfutternäpfe, Katzenpsychologie und Verhaltensregeln für mich, lactosefreie Katzenmilch – hab ich was vergessen? Oh ja, Katzenhalsband mit und ohne Glöckchen!

Und wofür das alles? Für drei Katzen, die uns nicht gehören. Es sind ein ungebetener Gast, und zwei Senoritas aus Spanien zur Pflege, die sich hier breit machen, bis sie adoptiert werden.

So sieht’s aus.

Wenn ich wieder eine auf meinem Schneidebrett in der Küche sitzen sehe, erwürge ich sie mit blanker Hand.

Ok. Ich gestehe: Ich bin ein ganz klein wenig angefressen, weil ich ein Stück Freiheit verliere. Und dies nach dem Verlust an Freiheit, Menschenwürde und dem Recht auf freie Meinungsäusserung im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen, insbesondere mit der Atemschutzmaske. Es wird mir einfach zu viel abgefordert! Da hilft auch die Tatsache nicht, dass ich mit alldem nicht zu tun habe. Um das Vieh kümmert sich nämlich meine Tochter, und in Quarantäne bin ich schon länger als 2 Jahre, also bestens konditioniert. Der ungebetene Gast darf nicht mehr ins Haus, und für die beiden Pflege-Biester werde ich binnen einiger Wochen einen halben Tausender an ein Tierheim zahlen müssen, damit sie nicht weggegeben werden. Länger braucht es bei uns nicht, bis Haustiere Familienmitglieder werden.