About America

Ella Fitzgerald – unvergessen

Leute wie ich sind ständig um Objektivität bemüht. Mich hat man dazu erzogen, und das war gut so.

Die Folge davon ist allerdings, dass ich gelegentlich in diffuses Licht gerate. Mal ist das Dunkle hell, mal das Helle dunkel, und das bereitet mir Unsicherheit. Ich muss mich selbst auf sicheres Gelände bringen.

Da ist zum einen die Tatsache, dass ich, ein Subjekt, unmöglich objektiv urteilen kann. Das Eine schliesst das Andere aus. Pause …..

Ich habe mich sortiert. Also ich greife zu einem Trinkglas und halte es hoch. Das ist objektiv (?)beurteilt ein Trinkglas.
Nur urteile ich nicht. Ich stelle einfach fest. Dann sage ich: Dieses Trinkglas ist schön. Jetzt habe ich geurteilt. Aber ist es wirklich schön? Subjektiv betrachtet: Ja. Objektiv: Fraglich. Da kommt ein anderes Subjekt, sieht das Trinkglas und sagt: Wie hässlich! Schmeiss es in den Müll!

Was hat das nun mit Amerika zu tun?

Nun, ist Amerika gut oder böse? Blöde Frage, sagst Du? Das wäre fast korrekt. Die Frage ist sogar saublöde. Denkende Menschen wissen: Amerika ist beides. Ich weiss das schon seit 60 Jahren. Damals habe ich schon mal gesagt: Amerika ist Scheisse. Wie gut, dass es auch die Amerikaner gibt!
Soll heissen, dass ich die politische Unit „Amerika“ stets abgelehnt habe, aber die amerikanischen Bürger, die ich traf, sehr schätzte.

Tja, das galt auch noch vor 5 Jahren. Und es schmerzt, wenn ich heute Vorbehalte auch gegenüber US-Bürgern spüren muss. Sprichst Du einen an, so weisst Du nicht, ob Du einen der unsäglichen Trumpisten vor Dir hast, oder einen von den „Guten“, der nicht messianisch verblendet durch die Welt läuft und geistigen Unrat verbreitet.

Was bleibt der Welt als Hilfe in dieser Situation, wo man – per neuen Vorurteilen ebenso verblendet wie die Trump-Anhänger – jedem Amerikaner Schwachsinnigkeit unterstellt?
Es bleibt mir die innere Ordnung, die mir zwei Schritte zur Klärung der Lage vorschreibt:

  1. Besinnung auf den Zweifel mit dem alten Rechtsprinzip „In dubio pro reo“. Und
  2. Weniger anspruchsvoll, aber fast gleichlautend: „In dubio pro secco.“

Das funktioniert so lange, bis eine Truppe aufkreuzt, die ständig betet: „In dubio pro fit!“ Zugegeben – dann geht mir der Ofen aus, und es wird eiskalt.