Begegnung der dritten Art

Neulich sass ich in der Küche sinnig auf meinem Rollator und schaute zu, wie ein Schweineschnitzel in heissem Fett badete; ich wartete gespannt darauf, die berühmten Röstaromen zu sehen und zu riechen. Letzteres war mir besonders wichtig, denn wer nichts schmeckt und riecht, hat Covid.

Für den Moment roch ich aber kein Röstaroma, wohl aber das heisse Fett. Meine Ghee-Schachtel war leer, und so musste ich Rapsöl verwenden. Das roch ein wenig wie aus der Fettpresse in der Autowerkstatt.

Wie auch immer, ich war ziemlich entspannt und schaute mir also beim Braten zu.Moment, das ist nicht ganz richtig. Ich schaute dem Schnitzel zu und war voller Zuversicht, dass es bräunen und dennoch saftig bleiben wird – als sich plötzlich auf der rohen Oberseite zwei Löcher auftaten, und am Pfannenrand klebten zwei blond bewimperte Augen, dunkel und geheimnisvoll. Mein Schnitzel verformte sich zu einem korrekten Schweinerüssel. Ein Gesicht entstand, und das gespenstische Ding in meiner Pfanne starrte mich an. Ich starrte zurück, aber noch bevor sich in meinem Inneren so etwas wie stummes Entsetzen ausbreiten konnte, begann das „Schwein“ zu sprechen:

Ich bin Fiete! So hat mich mein Boss genannt.

Aha!


>Warum frisst Du mich?

Ich fresse nicht. Ich esse.


> Warum sagt ihr dann, Schweine würden fressen?

Ihr benutzt kein Essbesteck! Essbesteck > Essen.


> Aha. Wenn ich als Schwein fresse, dann habe ich also am
Kopf eine Fresse.

Das ist falsch. Wir Menschen nennen das ein Gesicht.


>Ach so. Hast Du auch ein Gesicht?

Schau mich doch an! Ich hab eines!


> Scheisse! Dein Rüssel ist verkümmert.

Nein, ist er nicht. Der muss so sein.


>Ich verstehe. Neulich habe ich eine halbe Zeitung gefressen. Dort stand, Mensch und Schwein sind genetisch zu 90% identisch. 10% fehlen also wegen Deinem kleinen Rüssel.

So isses.


>Sag mal, wirst Du auch gebraten?

Menschen werden auch gebraten. An Sonnenstränden, in Krematorien …..


> ….. und gegessen?

Nein. Zu zäh. Zu fett. Zu viel Chemie drin. Reines Gift!


>Ich esse gerne Mensch! Zuletzt habe ich meinen Boss gefressen. War ungeschickt, ist in meinen Koben gefallen.

An dieser Stelle habe ich mich abgewendet. Ich hatte darüber in der Zeitung gelesen, und nun einen Mörder in meiner Bratpfanne liegen. Das konnte ich nicht verkraften. Aber das Problem löste sich selbst. Als ich aufblickte, lag dort nur ein Schnitzel, und das roch seltsam. Es war inzwischen auf der Unterseite schwarz verkohlt und landete folgerichtig in der Mülltonne.

Ich muss es leider so sehen, dass der Schweinegeist gewonnen hat. Statt Schnitzel habe ich eine Käsestulle gegessen.

Und ich sage hier und jetzt, was garantiert nicht geschieht: Ich werde niemals ein schönes Stück Fleisch durch Tofu ersetzen. Wenn nächstens aus meinem Suppentopf ein Rind schaut und mich anmacht – ich bin gewarnt!

5 Antworten auf “Begegnung der dritten Art”

    1. Ich denke, es handelt sich bei diesem Bild um eine Allegorie. Übersetzt in die Alltagssprache: „Schweinernes auf Schokoladenpudding“
      aus dem Wochenmenue der Werkskantine von Siemens Budapest. Den Barack Palinka im Glas daneben brauchts dringend, damit die Mahlzeit bleibt, wo sie hingehört – im Magen.😂

      Gefällt 1 Person

      1. Gütiger Himmel! Wie peinlich! Wer hat mich in dieser Pose erwischt?
        Datenschutz, Recht am eigenen Bild, Schutz der Privatsphäre, Grundgesetz – alles nur lose Sprüche!
        Ich verlange, umgehend gepixelt zu werden!

        Gefällt 1 Person

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