Vorsicht! Nonsense!

Mal unter uns Pfarrerstöchtern gefragt: Liest Du auch gelegentlich Deine eigenen Texte in Deinem Blog? Und wenn ja: Ist das nicht ein Anflug von Narzissmus? So etwas wie extreme Eigenliebe? Mit tiefem Durchatmen und einem seligen Seufzer, der sich anhört wie „Ach, was bin ich gut!“?

Heute sehe ich, dass ein Gast in meinem Blog einen Text gelesen hat, der den Titel „Wachtraum eines Bloggers“ trägt.
Zum Teufel, denke ich, was geht bei WP vor, wie kommt ein fremder Text auf meine Seite? Schon rufe ich dieses Machwerk auf und lese. Nun ja, denke ich, nicht schlecht geschrieben, und kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann kommt so eine Schlüsselformulierung, und mir geht eine Lampe an. Ist doch von mir! Hatte ich völlig vergessen!

Das kann ich so nicht hinnehmen. Also überlege ich, was mit mir eigentlich abgeht. Und siehe, da sind zwei Wahrheiten hinzunehmen. Erstens bin ich nun älter als 80, was bedeutet, dass auch mein Hirn in die Jahre gekommen ist, und zweitens habe ich knapp 1.000 Beiträge gebaut, was für einen Alten ein kaum zu bewältigendes Volumen an Buchstaben darstellt.

Es gilt jedoch auch für mich immer noch: Tue etwas! Ich beginne. Kapseln mit was drin schlucken – ha, ha! Nur bei vaskulärer Demenz im fortgeschrittenen Stadium. Kalte Fussbäder – wenn die Venenklappen nicht mehr klappen, fliesst nicht mehr viel kopfwärts. Rotwein saufen wie ein Loch – dann lese ich nicht mehr und schreibe statt dessen wie der Teufel, aber nur Blödsinn. 20 Minuten aus dem Fenster gucken ohne zu denken – das ist Sozialismus, würde ein Amerikaner sagen. Das ist alles irgendwie bah!

Ich denke, ich versuche es mittwochs. Wednesday! Dann wird die Woche geteilt, und die erste, die beschwerliche Hälfte ist schon Vergangenheit. Und da das Wochenende schon in Sichtweite liegt, kann man seinen Geist von allen Lasten befreien, und mit etwas Glück offenbart sich, was am Wochenende gekocht werden soll. Wir Mitteleuropäer sind in der misslichen Lage, nahezu alles zubereiten zu können, und stehen deshalb ständig auf dem Schlauch um Entscheidungen zum Küchenplan – die Auswahl macht uns fertig. Wie einfach ist die Ernährung dort, wo es eh nur Hirsebrei gibt. (Das ist britisch und für deren Kolonien gedacht)

Ich stelle fest, dass ich mich beim Schreiben verirrt habe. Mein Thema habe ich längst vergessen, und statt dessen Schwafelei produziert – mach was dran, so bin ich nun mal.
Das erinnert mich an Videos, die zeigen, wie verstopfte Abwasser-Rohre gereinigt werden. Dabei kommt auch nichts Gutes ans Tageslicht.

Aber ich bestehe darauf: Es ist ein Vorrecht des Alters, infantil sein zu dürfen, ohne das man uns ans Bein pinkelt.