Über Hämmern

Sie war so um die 27 Jahre alt, trug eine Lederschürze, und prügelte mit einem 300-Gramm-Treibhammer mit Kugelkopf auf Eisenteile ein. Trudi, im Berchtesgadener Land.

Die Eisenteile waren nahezu rund, und glühten vor sich hin. Trudi drosch drauf, bis sie sich in eine Beule verbogen hatten. „Schau, s’werd a Rosen!“ Ich verstand. Sie dengelte Rosenblätter. Trudi war Kunstschmiedin und mit dem Bau eines Kirchenportals beschäftigt. 220 hoch, 350 breit, zwei Flügel, alles aus Eisen. „A Gitterportal!“ Sie deutete an eine Wand, dort hing der Entwurf. Trudi schaute mich an und wurde hochdeutsch: „Das mache ich alles in Handarbeit. Gib mir mal Deine Hand.“ Ich reichte ihr meine Rechte wie zur Begrüssung. Danach keimte in mir die Hoffnung auf, dass es in Berchtesgaden eine Klinik mit Hand-Chirurgie gibt. Doch die Mittelhandknochen liessen sich ziemlich leicht wieder geordnet placieren.

Ja, ich war in Trudi verknallt, eine Teufelin mit Engelsgesicht in einer bayrischen Schmiede. Ich war 16 und kam vom Dorf, und so grün wie junges Unkraut. Irgendwann dämmerte es mir. Trudi redete mit mir wie eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn. Aus Trotz habe ich Trudi nicht mehr besucht.

Seit jener Episode hatte ich es mit vielen Hämmern zu tun, und ich konnte mich mit keinem der Werkzeuge anfreunden. Man kennt so ziemlich 70 Formen von Hämmern, und keine davon hat mich unterstützt, wenn ich einen Nagel in Holz treiben sollte. Die waren alle, ausnahmslos alle gegen mich gestimmt. In einer davon wurde gar agressiv. Ich haute mit einem Gummihammer auf einen Holzbalken, und der federte zurück und traf mich mittschiffs. Auf die Stirn. Man erzählte, ich verlangte danach dringend, eine Zigarre zu rauchen. Das hat kein Mensch verstanden. Ich auch nicht. Der Schaden hatte sich nach einer Stunde verflüchtigt, die bereit gehaltene Zigarre rauchte mein Nachbar weg.

Ja, die Trudi mit der Eisenklaue! Ich habe es nie vergessen, dieses Prachtstück in seiner dunklen Schmiede.