Nix los

Ich hocke hier wie eine Kröte, starre auf einen absolut leeren Monitor, und denke, ich sollte etwas schreiben. Ich weiss aber nicht, was. Keine Idee, kein Thema, Nichts.

Leicht gefrustet greife ich zu meinem Kaffeebecher, trinke die heisse, schwarze Brühe. Es ist wieder dieser Billigkaffee von REWE. Heiss, schwarz, bitter, und kaffee-artig. Meinen Kaffeebecher ziert flächenfüllend der Union Jack. Ich denke umgehend an den Brexit ….. und lasse diesen Gedanken sofort wie eine heisse Kartoffel fallen. Nicht heute! Nicht schon wieder!

Ich schaue sinnig auf meine Hand, die den Kaffeebecher, diese Porzellan gewordene Hymne auf das britische Empire festhält. Erinnerungen überfallen mich. Erinnerung an das unrühmliche Ende des schottischen und des walisischen Bechers – warum ist nicht der britische kaputt? Das schmerzt! „Porzellan peinigt Kaffeetrinker“, würde die BILD titulieren.

Plötzlich: Depp, Du hast es doch in der Hand! Schreib was über Kaffeebecher! Aber eine innere Stimme mahnt: Lass das, Alter. Wen sollte Dein Verhältnis zum Küchenporzellan jucken? Du machst Dich unbeliebt. Lass nach!

Nun habe ich leider ein Problem mit dem Imperativ. Kommt der von anderen, so schalte ich auf Widerstand und Sturheit. Ich antworte meinem inneren Schweinehund, ich hätte sowieso nur zwei Follower, die diese Bezeichnung verdienen, und die sind Hard core, haben schon einigen verbalen Unrat von mir geschluckt, als wäre es ein guter Riesling.

Ok, also Kaffeebecher. In unserem Schrank stehen auch weisse. Echte Langweiler, nicht der Rede wert. Besser geht es mit ihnen, wenn Kaffee drin ist. Schwarzer, ohne Zucker. Aber da sind noch einige von Starbucks aus der Serie der Citybecher. Ich habe mal nach dem Preis für diese Dinger geschaut und konnte nicht glauben, was ich sah. So einer kostet mindestens 19 USD, der teuerste 2.500 USD. Die Masse der Teile kosten so um die 50 oiro.

Aha, denke ich, es sind Sammelobjekte, und der Becher mit „Tokyo“ für 2499 USD scheint sehr selten zu sein, warum auch immer. Das Prädikat „Sammelobjekt“ lässt auch zu, dass diese City mugs nicht unbedingt für meine Hände designed worden sind. Ich gehe diesen Teilen buchstäblich aus dem Weg. Warum?

Die City-Becher sind, wie es sich gehört, unten zu und oben offen. Damit ist das Positive hinreichend beschrieben. Sie sind auch sau-schwer und haben einen dünnen Henkel. Ausserdem ist die Innenseite uni farbig. Dunkelblau beim Macau-Pott. Man sieht nicht, ob noch Kaffee drin ist oder nicht. Mein Gesamturteil: Brauchbar, weil unten herum dicht, aber unbequem. Sehr.

Nun gibt es allerdings einen weiteren Aspekt zu betrachten. Man kann diese City-Becher sauber aufgereiht in den Schrank stelllen, und diesen öffnen, wenn Gäste da sind. Sie werden mit Sicherheit hinsehen und erkennen, wo überall man gewesen ist. Da findet sich Dortmund, Wuppertal, Herne, Castrop-Rauxel usw.

Würde man mich auf diese Weise provozieren, so käme von mir unweigerlich die Frage: „Den Becher aus Düdenbüttel hast Du nicht?“

Ich höre dann mal auf mit den Coffee mugs. Ich kenne mich. Schreibe ich weiter, so entgleitet mir das Thema, und ich lande unweigerlich beim Badezimmer-Porzellan.
Das ist bei mir – oder heisst es bei mich? – wie mit einem , der Schuhe mit Ledersohlen trägt und damit aufs Eis geht. Dem haut’s ganz schnell die Füsse weg, und er kommt nicht wieder in die Senkrechte. Nicht ohne fremde Hilfe. Schriebe ich nun tatsächlich über die Kloschüssel, ich käme ohne die Assistenz durch meine Tochter nicht mehr vom Topf runter.

Nun ist’s aber genug.