Ignorance is strength

So lautet ein Postulat des englischen Wahrheitsministeriums in Orwells Welt. Unwissenheit ist Stärke – wer möchte das ernsthaft bezweifeln?

Die Mächtigen dieser Welt sind anscheinend ständig bemüht, diese Utopie Realität werden zu lassen, und es gelingt ihnen – teilweise. Da fragte vor Jahren eine US-Austauschschülerin, wie es dem deutschen Kaiser geht! Und ein US-Präsident weiss, dass in dem Walddorf Wien Bäume explodieren! Das Fernsehn ist an Schwachsinn kaum noch zu überbieten, und ein deutscher TV-Intendant erklärt vor laufender Kamera, es sei die Aufgabe des TV, die Menschen zu erziehen! Er scheute sich, „umerziehen zu unpolitischen Konsumidioten“ zu sagen. Investigativer Journalismus wird natürlich unterdrückt und so fort.

Ja, man will uns stark machen für eine Zukunft, die man gescheiter nicht genauer definiert. Dumm nur, dass es in jedem Staat einen Bodensatz von Menschen gibt, die sich der Schwäche hingeben, indem Wissen anhäufen, indem sie sich Bilder der Welt zeichnen, wie sie sich aus Tatsachen, Indizien, Vermutungen und Phantasien ergibt; daran scheitert das Projekt der Volksverdummung brachial.

Das Wissen um die Welt, in der wir leben müssen, hat seinen Preis. Wer zu viel weiss, kann an der Welt verzweifeln. Er wird schwach, und seinen Lebensraum kann er kaum noch ertragen. Um wievieles besser geht es dem Ungebildeten! Wie sagt er so trefflich? „Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss! Gib mir eine Axt, und ich lege den Baum um! Gib mir eine Flinte, und ich gehe nach Vietnam, Schlitzaugen töten! Hol Bier, Alte!“ (Was für ein Klischée!)

Vielleicht ist Prinzip gut. Man müsste nur die Gewichte verschieben: 54% Kluge und 46% Starke? Warum arbeitet keiner daran? So wäre auch das Problem mit Wien’s explodierenden Bäumen erledigt …..