Neues aus dem Alten Land

Ich nenne sie tatsächlich das „Viech“. Sie ist schön. Sie bewegt sich elegant. Und sie ist schlank, beneidenswert! Doch wenn ich es recht bedenke – sie ist doch nur eine grau getigerte Katze.

Gewiss, das klingt abwertend, aus Katzensicht. Wir, ein Exemplar aus der Klasse „Krone der Schöpfung“ nehmen uns die Freiheit, feinsinnig zu differenzieren. Menschen, auch Personen genannt, sind den Felidae meilenweit überlegen. Oder hat je eine Katze eine Weltwirtschaftskrise zustande gebracht?

Gut, wir gestehen, wir auch nicht. Wir sind ein großer Mensch, mit 187 cm und 130 kg, und zugleich klein geblieben. Nahezu winzig. Aber wir sind immerhin ständig bemüht, die grosse Welt zu verstehen.

Anders das Viech. Es versteht seine Katzenwelt. Das ist ein Revier rund um unsere Hütte. Es ist ein „Streuner“, hat also kein Zuhause. Es ist ein Allesfresser, und als solcher ständig auf der Jagd. So frisst das Viech irgendwas, aber auch Libellen, Fliegen und Grashüpfer.

Nun hat sich dieses Viech unser Zuhause als Quartier ausgesucht. Und in unserem Haus gebährdet es sich wie ein Boss. Es kommt an, fordert Fressen, will saufen, spielen, gekrault werden oder auch eine Runde schlafen. Und wir lernen brav seine Katzensprache. Prioritäten wechseln ständig. Wir werden untergebuttert.

Wir möchten das Viech aus dem Haus werfen. Das zöge leider einen Krieg mit unserer Tochter nach sich, der nur mit einer Erklärung des Verzichts auf jegliche Art von Alkoholica beendet werden könnte, eine Unmöglichkeit für einen gebrechlichen alten Menschen.

So leben nun neuerdings drei Individuen in unserem Hause: Das Viech, das Biest und wir. Und wir sehen uns noch immer als Krone des Schöpfers, dieses Pfuschers, der uns so geschöpft hat, dass wir uns als Krone fühlen wie aus rostigem Blech ohne Glanz und Edelgestein.

Warum benutze ich den Pluralis majestatis? Nun, noch sind wir hier Oberste Instanz !