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Uns Deutschen unterstellt ein Klischée, wir seien stets sehr sachlich bis an die Grenze der Humorlosigkeit. Und in der Tat ist es unsere Art, sachlich zu bleiben, und ohne Umschweife, also ohne blumige Verwendung der Sprache auf den Punkt zu kommen – die Kuh muss vom Eis, und zwar so schnell wie möglich. Sprachliche Eleganz und Formulierung auf literarischem Niveau sind hinderlich und absolut störend beim Bruch eines Wasserrohrs im Keller.

Anders sieht man das anderswo. Beispiele dafür sind die Schweiz und die USA. Dort repariert man einen Wasserrorhrbruch auch schnell und sachgemäss, und dies bei hoher Sprachkultur.

Nun ist mir eine nette Metapher eingefallen, die das hier Festgestellte untermalt. Verwenden wir Wilhelm Tell, der im Kanton Uri einen Apfel vom Kopf eines Kinds schiessen sollte, um seinen Hals zu retten. Wäre Tell als Deutscher in seiner Sage verewigt, dann hätte er zweifelsfrei seine Armbrust genommen und gespannt, den Bolzen eingelegt, und hätte ohne Umschweife auf den Apfel geschossen.

Als Amerikaner wäre die Geschichte anders verlaufen. Tell hätte Hunderte von Bolzen abgefeuert, um festzustellen, wo der Apfel n i c h t liegt, und nachdem er so um 3 Quadratmeter getestet hat, wäre eine winzige Lücke übrig geblieben, wo der Apfel liegen m u s s . Dort wäre sein letzter Bolzen eingeschlagen und hätte die Frucht erledigt.

Was erkennt das geübte Auge aus dieser Betrachtung?
Die kultivierte Nation sucht mit äusserster Sorgfalt nach dem kritischen Punkt, um nichts ausschliessen zu müssen. Im Vergleich dazu würde der brutale Deutsche das Obst einfach humorlos erledigen und aufessen, noch bevor der Kultivierte den Ort Altdorf im Kanton Uri erreicht hat.

Korrektur:
Sind wir Deutsche nun ein Wunder an Effektivität und Effizienz?
Ich lausche in mich hinein: Brüllendes Gelächter!

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