Vergiss es! Ich: Nööö. Geht nicht.

Du wirst es nicht glauben, aber es gab eine Zeit in DE, da hatte nur jede 10. Familie ein Auto zur Verfügung. Aber nach dem unseligen WK II wuchs das Bedürfnis nach Erleben, und man wollte tatsächlich DE sehen. Deshalb bemühten sich die örtlichen Vereine, um Tagesreisen per BUS zu organisieren. Die nähere Umgebung wurde Opfer von Busladungen à 52 Teilnehmern – und die Organisatoren erlitten dabei ein ganz spezielles Schicksal. Sie mussten das Menschsein bis zur Neige auskosten.

Es ging los beim Einsteigen. Eine Person passt durch die Tür, aber 10 drängelten.
Als Reiseleiter löst man behutsam den Menschenknäuel auf und achtet auf die Formation „Gänsemarsch“. In einen Omnibus! Die ersten 5 wieselten duchs Gestühl und besetzten die Rückbank, ein beliebter Platz wegen der Beinfreiheit. Die nächsten 5 kommen herein, sehen das und schon ist der Tag für sie gelaufen – denkt man. Aber sobald die ersten Weinflaschen kreisten, schwoll die Stimmung an bis zum Übermut. Dann wurde es der Hedwig übel. Karl, halt an! S’Hedwig kotzt gleich! Nun waren Kotztüten nur feinen Leuten vorbehalten, die in fliegenden Bussen reisten.
Also hielt Karl auf dem Standstreifen der Autobahn an und führte s’Hedwig an die Leitplanke. 9 andere kamen hinterher, trennten sich sauber nach Mann und Frau, und man pinkelte sauber den ersten Liter Müller-Thurgau in die Landschaft. Dann hockten sich drei davon auf die Leitplanke und dachten, man könne jetzt eine Raucherpause dranhängen. Im Halteverbot. Karls Geduld war am Ende, und er scheuchte die Meute zurück in seinen Bus. Mitten ins Rauchverbot. Die Aschenbecher hatte er vorsorglich ausgehängt und zu Hause gelassen.

Irgendwann kam man irgendwo an. Das Ziel war niemandem bekannt, was allerdings unwichtig war. Nur der Gasthof interessierte, und man war gespannt, ob man dort wirklich 106 Leute mit einer guten Mahlzeit versorgen konnte. Ja, die Truppe hatte sich verdoppelt, der zweite Bus war schon angekommen, und alle Fensterplätze waren bereits besetzt. Sehr ärgerlich, denn man liebt den Blick nach draussen, über die Kartoffeläcker. Man knurrte nur wenig darüber; das Knurren hatte der Magen übernommen.

Schliesslich wurde das Essen aufgetragen. Ein Riesen-Schnitzel auf dem Teller, Fritten in grossen Schüsseln, und ein wenig Kopfsalat in Joghurtdressing, jenes eine Sünde! Und die Stimmung bei Tisch tendierte gegen Null – bei 100 Leuten. Gesprächsfetzen: Welcher Arsch hat das hier ausgesucht? ….. Schnitzel zäh wie meine Schuhsohlen! Fritten nicht kross, sondern labberig, und Ähnliches, sowie zwischendurch die Stimme der Vernunft: Zu Hause fressen sie den Kitt von ihren Fenstern, und hier spielen sie sich auf!

Seltsam. Saufrass angeboten, und dennoch alles aufgegessen! Ich schaute wissend in die Runde und brüllte los: Leute, bitte nur die Getränke bezahlen! Der Rest ist bereits erledigt! Ja das versöhnt dann doch, und so schlecht war das Essen wirklich nicht! Kaum einer hatte mitbekommen, dass das Drachenfutter im Reisepreis enthalten war, den sie gezahlt hatten. Und es machte Freude zuzuschauen, wie deshalb üppig Trinkgeld an den Service floss.

Die Details des Nachmittags sind mir weitgehend entfallen. Konnte gerade noch einem Burnout entgehen, weitgehend mit dem Wissen, dass dieser noch nicht erfunden war. Ich weiss noch vom Odenwald, von einer Burg Lindenfels, und von jenen Buttercremetorten der Vollfettstufe, die die Kaffeepause verschönten und im Nachgang die ganze Bagage im Bus schlafen legte. Erst kurz vor Zuhause wurde es wieder munter. Man sang. Melodie: Warum ist es am Rhein so schön ….
Text: Was ist hinten am Schwein so schön …. ? Ich wusste keine Antwort, und es war mir egal. Ich wollte nur noch in den Kohlenkeller, wo keine Leute sind.
Besser 7 Tage lang Briketts stapeln als nochmal mit der Meute losziehen.

Angemerkt: Alles wahr. Unterwegs ging dann unser 2. Bus verloren. Es gab noch keinen CB-Funk, kein Navi – nur einen unerfahrenen Chauffeur. 54 Leute verschollen, vielleicht sind die Russen in die französische Besatzungszone eingedrungen und haben jetzt Geiseln ….. schon gut. Davon versteht Ihr Jungen nichts. Der Russe kommt! Das war US-gesteuert Propaganda in DE, die CDU mit Kampfblatt BILD versuchte damit Angst und Schrecken zu verbreiten – und keiner hat’s geglaubt.