Glücksmoment

Als Ex-IT-Profi habe ich ein besonders lockeres Verhältnis zu Computer-Kram. Aber ich musste erst lernen, dass die Menschen, die vor dem Monitor sitzen, nicht zu diesem Kram gehören, sondern von ganz anderer Art sind. Im Umgang mit ihnen muss man den ganzen Profi beiseite lassen und wie diese Laien denken.

„Lass mal, ich mach das mit dem Mann!“ So übernahm ich die Aufgabe, einem Hilfsarbeiter das Buchen von Materialverbrauch in der Produktion via Industrieterminal beizubringen. Nach 3 Versuchen an 3 Tagen war ich gescheitert.
Was der Mann in seine Tasten gedrückt hatte, war nicht mehr feierlich. Dann kam Tag 4, und der IT-Profi musste dazulernen. Mein unfähiger Arbeiter sah mich kommen, rief mich zu sich, und setzte eine saubere Buchung ab. Er endete mit „So! Fertig!“ Und seine Augen strahlten Stolz und Zufriedenheit aus – in diesem Moment hätte ich weinen können. Es war ein Moment des Glücks. Glücklich sein mit fast nichts …..

Ich fragte meinen Mann, was wohl über Nacht passiert sei. Er erzählte, sein Ältester hätte ihn auf den Topf gesetzt: Papa, das musst Du machen und das kannst Du machen. Das ist die neue Zeit …. usw. Sohnemann hat eine psychologische Sperre gelöst, die Angst vor dem Unbekannten war überwunden, der Kopf wurde klar, und leim-beklebte Finger konnten längst verfügbares Wissen umsetzen.

Und ich? Ich hatte eine Lektion erhalten. Mein Versagen hat sein Sohn ausgebügelt.
Und ich hatte wieder einmal etwas zu verarbeiten. Getröstet hat mich, dass der Sohn deutlich besser für den Job konditioniert war als ich.