Die Episode mit Jupp

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Wir kriegten die Meldung rein, dass in den Passagen ein Mann randalierte. Ich entschied, mit zwei meiner Leute nach dem Rechten zu sehen, und nach knapp 5 Minuten waren wir vor Ort. Ein Mann von der Security nahm uns in Empfng und brachte uns an jenen Platz, wo Jupp tobte. Jupp war uns gänzlich unbekannt – ein unbeschriebenes Blatt, wie man so sagt. Dennoch versuchte er gerade, das Drahtgestühl niederzureissen, also jene Möbel, die zum Ausruhen der Passanten gedacht sind. Jupp war voll beschäftigt und nahm die Polizei zunächst nicht zur Kenntnis.

Ich wies meine beiden Kollegen an, sich zurückzuhalten, näherte mich dem Randalierer und fasste ihn an die Schulter. Schwerer Fehler, wie es sich erwies. Jupp holte aus und setzte mir einen kapitalen Schwinger mitten ins Gesicht. Einer meiner Kollegen stellte sofort fest, dass, wie er erklärte, der Schlag voll auf die Glocke ging.

Nun kam, was kommen musste. Ich schmeckte Blut, meine beiden Mitarbeiter griffen sich Jupp und drehten ihm seine Arme auf den Rücken. Der Mann geiferte noch einen kurzen Moment, bis ich ihm mit einem bedingten Reflex und mit hart geschnürtem Stiefel mit aller Kraft zwischen die Beine trat.

Jupp wurde bleich, er vergass zu atmen und winselte zum Gotterbarmen, aber: Ab sofort herrschte Ruhe an der Front. Wir kümmerten uns fürsorglich um den Scheintoten und halfen ihm schliesslich auf seine eigenen Füsse. Nun war er mit Handschellen geschmückt und durfte mit aufs Revier.

Der Tobsucht war nun Sturheit gefolgt. Angaben zur Person wurden verweigert. Ich setzte mir den Mann zurecht, griff ihm zwischen die Beine und knetete, was ich dort fand, und unter Schmerzen wisperte er: Ich bin Jupp! Dann betrachtete er sein Werk in meinem Gesicht, schien mit sich und der Welt versöhnt zu sein und fragte mich grinsend: Sind wir jetzt quitt?

Ich habe in der Folge den Jupp noch oft getroffen und ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm entwickelt. Aber er hat mir nie offenbart, was ihn seinerzeit in Raserei versetzt hatte.