Ess-Werkzeug (Vorsicht! Unsinn!)

Ein wenig Ärger macht sich breit ….. und ich bin ein wenig stolz darauf. Es ist nicht ganz so einfach, über sich selbst verärgert zu sein. Aber anders zu machen ist das nicht, wenn man allein lebt. Ich nehme es einfach hin, mein eigenes Opfer zu sein.

Ja, ich bin missmutig, weil hinter mir noch immer ein benutztes, beladenes Tablett liegt, das keiner wegräumt, und dort findet sich dann das Werkzeug, über das ich schreiben will. Eine Gabel.

Ja, ich gestehe, dass man irritiert sein kann, wenn einer in seinem Blog über eine Gabel schreiben will, jenes Essgeschirr, mit dem man sich die Salzkartoffeln in den Schlund schaufelt. Und ja, man könnte auch nach längerem Philosophieren zu der Meinung gelangen, sie, die Gabel hätte sich eine Widmung verdient. Sie ist immer da, sie arbeitet zuverlässig, und wer sie in der Hand hält, wird die Tischrunde gewiss nicht hungrig verlassen. Ich nenne das einen guten, verdienstvollen Service. Und nein, ich vergesse nicht, das begleitende Neutrum zu erwähnen und zu loben, das Messer.

Wer mir nicht aufmerksam gefolgt ist: Ich rede nicht über Ast- und Mistgabeln, sondern die edle Art der Gabel aus dem Geschlecht der Essbestecke, aus Edelstahl, nichtrostend, geformt mit 3 Zinken ….. oder sind es vier? Ich drehe mich rasch um und prüfe die Anwesende ….. es sind vier Zinken an einem extrem schlanken, eleganten Griff. So weit das mir vorliegende exemplarische Exemplar.

Nun lege ich mir besagte Gabel auf meinen Schreibtisch. Es entsteht eine grüblerische Szene. Das ist mir unangenehm. Ich finde vorne nichts, drehe die Gabel um, finde hinten nichts. Kein Schalter, kein Knopf, keine Elektronik, also keine künstliche Intelligenz. Diese Gabel ist ein dummes Stück Eisen. Sie ist selbst als Waffe wenig beeindruckend, mit ihrer Eindringtiefe von 20 mm bringt sie es auf 4 schwach blutende Miniwunden, mehr nicht. Ausserdem ist sie naturgemäss inkontinent; sie kann keine Flüssigkeit bei sich behalten, wie es ihr Bruder, der Löffel so hervorragend leistet. Unbewusst schalte ich von gut gelaunt auf gallig. Dazu das Folgende:

In einem Versuch habe ich einen Teller Nudelsuppe mit der Gabel gegessen. Dieses Gerät bewies so etwas wie Willen aus Edelstahl. Sie trennte die Suppe in Nudeln, die sie mir anbot, und Brühe, die sie liegen liess. Die Fleischbrühe musste ich hinterher löffeln. Das Experiment hatte Folgen. Die Gabel, besser: Diese Gabel hat mich enttäuscht, sie wandert in den Müll. Aber in meiner Küche gibt es eine Schublade, da lagern weitere 9 Gabeln. Wenn ich damit weiter teste, landen auch diese im Abfall, und ich muss versuchen, meine T-Bone-Steaks mit dem Löffel zu essen. Unsinn! Es gab in der Menschheitsgeschichte eine Zeit, da war die Gabel noch nicht erfunden, und die Leute haben dennoch ihre Steaks gegessen, nämlich aus jener Hand, die am Unterarm sitzt.

Ich registriere, dass der Verlust meines Gabelsortiments weniger dramatisch sein wird als angenommen. Allerdings muss man die Rückkehr zu archaischen Tischsitten nicht unbedingt mögen. Sie macht Flecken auf dem weissen Leinen-Anzug, und Krawatten tragen geht schon mal garnicht. Andererseits könnte ich mit einigem Vergnügen meinen Knigge aus dem Fenster werfen, da er der Entwicklung neuer gesellschaftlicher Umgangsformen nicht folgen mag.

Wenn man im Hotel Adlon Kempinski in Berlin eine festliche Tafel für 200 Gäste deckt, könnte man anstelle der Gabel einen zierliche Dolch auflegen, der nicht nur nützlich, sondern dringend erforderlich ist, will man am Buffet bei der Schlacht um den Rehrücken mitmischen. Schliesslich ist im Kampf um das tägliche Brot jedes Mittel zuzulassen. Das nur nebenbei.

Und ich bemerke, wie mir im Kampf mit der Gabel allmählich die Puste ausgeht und ich in die Peripherie dieses Essgeräts abwandere. Es ist an der Zeit, den letzten Nagel einzuschlagen und den Hammer wegzulegen. Ich schliesse ab mit einem symbolischen Akt: Ich mag sie nicht mehr. Diese verdammte Gabel schmeisse ich nun weg! Die restlichen 9 werde ich gewiss nicht testen.