Deutschstunde

Joe hat die Aufgabe, Jugendliche aus Migrantenfamilien zu betreuen. Das schliesst die Sprachbildung mit ein. Ich denke, der Mann hat einen Höllenjob. Es sind gleich zwei Übel, die jeden Tag zur Krise machen. Da sind die jungen Leute, die sich wie syrische Maulesel gebärden, weil sie Intergration ablehnen und dies ihren „Mentor“ deutlich spüren lassen:

“ Äiii, mach du dein scheiss isch meine!“

Und da ist die deutsche Sprache, die man einem 17-jährigen Afghanen nicht zumuten sollte.

Was ich meine? Ich bringe hierzu ein Beispiel. Angenommen, ich bin Sprachausbilder. Und mein Schüler Walid ist zwar ungebildet, aber intelligent.

Ich deute auf die Deckenlampe und erkläre: Das ist eine Lampe. Sie macht Licht. Hier ist ein Schalter. Ich schalte EIN und habe Licht. Ich schalte AUS, und das Licht ist verschwunden. EIN – AUS. So machen wir das in Europa.

Der Afghane: So machen wir das auch in Afghanistan. Ganz grosse Technologie!

Hör zu, Walid! Ich lege mich ins Bett und schliesse die Augen. Das heisst EIN-schlafen.

Walid sagt, er verstehe. Morgens die Augen öffnen nennt man dann AUS-schlafen.

Nein, sage ich, das nennt man aufstehen. Beim AUS-schlafen ist man immer noch bewusstlos. Ich hole AUS dem Schlaf heraus, was an Zeit drinsteckt …. habe ich das jetzt wirklich gesagt? Ich bemerke, dass ich nun überfordert bin. Tapfer führe ich weiter aus: Wenn ich die Augen öffne, nennt man das AUF-wachen.

Aha, sagt Walid, Augen zumachen heisst dann AB-wachen? Genervt belle ich: Nein, das nennt man Augen zu machen!

Walid fragt schon wieder: Wie soll ich die Augen zumachen, wenn ich ausschlafe? Vermutlich sind die doch schon zu, was vom Einschlafen kommt? Und was ist mit ER-wachen? ER-schlafen kenne ich schon vom Handwerk der Nutten in unserem Viertel, Geld erschlafen, richtig? Viel Knete zusammenschlafen, stimmt’s?

Ich verstehe. Walid hat mich verarscht, ich bin heute gescheitert. Ich packe zusammen und flüchte nach Hause, zu meinem Mate-Tee.