Über Viecher

Viele, oder man möchte meinen alle erwachsenen Menschen haben Erfahrung mit Tieren gesammelt. Da sind Opa mit Hund, Oma mit Katze, Tantchen mit ihrem Nymphensittich, oder ich mit Wüsten-Rennmäusen, die ich allerdings gerne als wüste Rennmäuse bezeichne, wahre Ausbrecherkönige. Das Verhältnis „Mensch zu Tier“ bzw. umgekehrt ist wenig sensationell und statt dessen eher Alltag. Man nimmt den Hund zur Kenntnis und wendet sich dann der Wurst auf dem Teller zu. Vaters Sinne werden erst brauchbar, wenn Mutter ihm ein Bier eingeschenkt hat. Die alltägliche Routine stumpft ab. das Leben rauscht an uns vorbei, und wir kriegen nur noch die Hälfte davon mit.

Da kniet ein Mann um Ufer seines Gartenteichs. Er hält eine hohl geformte Hand ins Wasser. Ein goldener Fisch mkommt heran und lässt sich auf der Hand nieder. Der Mann fasst zu, holt den Fisch aus dem Wasser und wirft ihn zurück. Der Fisch kommt zurück und in die hohle Hand. Der Mann ergreift das Tier und wirft es wieder zurück in den Teich. Umgehend kommt das Tier zurück und legt sich erneut in die Hand. Er hat Spass am Spiel mit dem Werfen. Diese Szene wiederholt sich, bis der Kameramann abschaltet. Ich habe das Video gesehen, kann es aber nicht wiederfinden.

Man kann nun feststellen, dass dieser Fisch, vielleicht ein Koi, nicht alle Tassen im Schrank hat.
Oder man wundert sich ein wenig, und geht dann zur Tagesordnung über. Man kann aber auch darüber nachdenken, was man über das Spielen weiss. Es erfordert nämlich ein bestimmtes Mass an Intelligenz. Und man könnte sich fragen, wieviel man über Fische weiss. Wenn ein Fisch spielt, muss er – auf seine spezifische Weise – intelligent sein, oder nicht? Solltest Du beim Nachdenken so weit gekommen sein, so schmeckt Dir vielleicht der Brathering auf Deinem Teller nicht mehr? Unsinn, denkst Du, wir essen ja auch Schwein, und diese Gattung ist bekanntlich intelligent!

Ich bremse mich, bevor ich auch noch beim Kannibalismus lande, und kehre zurück zum verspielten Fisch. Ihm wird nichts passieren, denn Koi und Goldfisch sind nicht in unserem Beuteschema zu finden (Schwein immer). Das lustige Viech erinnert mich an meine Verpflichtung, allem Lebenden mit Respekt zu begegnen, denn man weiss nicht, mit wem man es zu tun hat. Und im Hintergrund zur lustigen Seite dieses Fischs lauert die Vermutung, dass er auch leiden, vielleicht sogar unglücklich sein kann.

Wer zu Empathie für die Kreaturen unserer Welt fähig ist, müsste an dieser Stelle nun einen kleinen Kloss runterschlucken müssen. Und nein, ich werde nicht sentimental, sondern eher unzufrieden. Ich weiss nämlich, dass ich nichts weiss. Ich sage das bewusst, denn mein Wissen ist, gemessen am Zustand unserer Welt, nicht mehr als ein Fliegendreck an der Wand. Leider.

Es ist erstaunlich, was der Mensch alles schafft – mit einem Erkenntnisapparat, der gebaut ist, um in Bäumen zu leben. Das meinte Konrad Lorenz, ein prominenter Zoologe aus Wien. Sein Standpunkt zur Erkenntnisfähigkeit des Menschen ist pessimistisch; ich denke allerdings, das Niveau der Brüllaffen haben wir längst hinter uns gelassen – ohne allerdings dem Anspruch, die Krone der Schöpfung zu sein, gerecht werden zu können. Ich pfeife auf dieses hohe Ziel. Mir würde es reichen, wenn wir, alles Lebende betreffend, unser Handeln auf eine zuverlässige Moral ausrichten würden und bitte, bitte verhindern könnten, dass aus den bei Tönnies geschlachteten Schweinen bei HERTA eine kotzüble Fleischwurst gebaut wird, diese Wurst gewordene Zumutung! Ich widerspreche Konrad Lorenz auch mit dem Hinweis, dass so mancher, der als Würstchen-Fan eine Wurstfabrik besichtigt hat, diese Stätte als Veganer wieder verlässt. Das nur nebenbei.