Am Fluss

Was für ein Tag!
Wolkenbilder zieren den blauen Himmel und ziehen vorbei wie die Gedankenbilder in meinem Bewusstsein. Ich liege am Elb-Deich im Gras, geniesse die Sonne, den Himmel, den Schiffsverkehr stromaufwärts Richtung Hamburger Hafen, und eine tüchtige Portion Fruchteis.
Und, absonderlich genug, ich mag auch das leise, mechanische Grummeln von Schiffsdieseln jener Frachter, die im Hauptfahrwasser eben mal 200 m von mir entfernt vorbei fahren.

Diese Stunde an der Elbe ist wie für mich gemacht. Zwar habe ich alle Sinne auf „Betrieb“ geschaltet, folge intuitiv dem Gebot zur Achtsamkeit und geniesse das Gefühl, entspannt zu sein bis in die Fußsohlen – und dann kommt er. In seinem Motorboot, einem Gleiter mit mindestens 40 PS aus dem Aussenborder. Vor meiner Nase fährt er einen wilden Parcours ohne Hindernisse in höchstmöglicher Geschwindigkeit, mit maximalem Lärm aus seinem Antriebsaggregat. Zunächst frage ich mich, was den Mann so wütend gemacht hat. Dann verstehe ich, dass er sich vor etwa zwei Dutzend Zuschauern produziert. Aha, denke ich, mit seinem Boot demonstriert er Muskeln, die ihm am Körper fehlen, und eine absolute Leere im Kopf! Und nach einer kurzen Weile bedaure ich mein miserables Vehältnis zur Götterwelt, sonst hätte ich nun zu beten begonnen, diese menschliche Karikatur möge mit ihrer Plastikschüssel bitte gegen einen Duckdalben fahren, und kopfüber im kalten Wasser der Elbe abkühlen. Aber noch ehe ich einen solchen Fluch durchformuliert bekam, machte sich der Rowdy aus dem Staub, es herrschte wieder Frieden auf dem Wasser, und in meinem Gemüt.

Nachgeblieben sind Spätfolgen. Nun hatte ich am Thema Achtsamkeit zu kauen. Der Raser im Boot hat mir maximale Achtsamkeit abverlangt, und ich fühlte mich dabei überhaupt nicht gut.
Etwas stimmte nicht, und ich suchte eine Weile nach einem Denkfehler, fand und beseitigte ihn.
Was war? „Achte das Gute in Deinem Leben! Sei dabei mindestens so aufmerksam wie bei der Beachtung der Übel.“

Was ist gemeint? Beispiel:
Ich esse ein Eis. Kommt einer und fragt, wie mir die Bratwurst geschmeckt hat. Ich antworte mit „Lecker!“
Schlimmer geht’s nimmer, nicht wahr?
Es gibt Leute, die über dem Geldzählen nicht mitbekommen, wie ihre Familie vor die Hunde geht.
Du verlangst beim Gemüsehändler ein Kilo Karotten, und er beginnt, Tomaten einzutüten.
Politiuker provozieren „Kriege mit Worten oder gar mit Waffen“.

So ist der Mensch gestrickt. Unachtsamkeit produziert Fehlleistungen.