Exercise zum Sexismus đŸ˜’

Gern hab’ ich die Sauen gekĂŒsst,
hab’ nie gefragt, ob es gestattet ist;
dachte mir: nimm sie dir,
kĂŒss sie nur, dazu sind sie ja hier!

Wir Alten kennen sie noch, diese Operette „Paganini“ von Franz Lehar, und wir waren hin und weg, wenn wir im Dampfradio auf UKW Rudolf Schock dieses Lied singen hörten! Und keiner hat gefragt, oder gar nachgedacht, ob hier nicht eine unzumutbare NĂ€he zur Sodomie vorlĂ€ge und dieses Musikwerk auf den „Index“, die Schwarze Liste verbotener Bilder und Texte gehörte.

NatĂŒrlich hörten wir auch die Operette „Zigeunerbaron“ von Johann Strauss, hier sein Couplet zur Schweinemast.

Ja, das Schreiben und das Lesen
ist nie mein Sach’ gewesen,
denn schon von Kindesbeinen
befasst ich mich mit Schweinen;
auch war ich nie ein Dichter
Potzdonnerwetter Paraplui,
nur immer SchweinezĂŒchter,
poetisch war ich nie!

Anders als bei Lehar ging der Bezug auf die Lust des Menschen weit am Kuss und anderem vorbei. Der SchweinefĂŒrst sang weiter:

Ja mein idealer Lebenszweck
ist Borstenvieh, ist Schweinespeck.

Da haben wir’s. J. Strauss hatte fĂŒr den Schweine-Hintern eine ganz andere Verwendung im Sinn, und so kann man den „Zigeunerbaron“ mit gutem Gewissen als „jugendfrei“ bezeichnen.
Aber dennoch lauert ein Risiko hinter dem NotenschlĂŒssel. Wenn heute, im Jahr 2020 ein Jugendlicher Operettenmusik hört, und er wird dabei erwischt, landet er vermutlich fĂŒr 3 Tage in der Geschlossenen Psychiatrie, und er muss mit einem Übermass an Heavy metal davon ĂŒberzeugen, dass er Strauss und Lehar nur aus wissenschaftlichen GrĂŒnden durchgehört hat, da er als angehender Soziologe an seiner Master-Arbeit schreibt, die den Titel trĂ€gt:


„Die Operette des 19. Jahrhunderts – Segen oder Strafe“.

Ich hÀtte wahrscheinlich ein anderes Thema gewÀhlt:


„Bauer sucht Frau – Tierschutz im 19. Jahrhundert“.

SpĂŒrst Du nach dem Lesen dieses Texts eine Spur von Unbehagen? Wenn ja, dann zu Recht. Er ist auf besondere Weise zynisch und bösartig. Und genau darum stelle ich ihn jetzt ins Netz.